Die amerikanische Ritz-Carlton Company zählt zu den bekanntesten Luxushotelketten der Welt. Das Haus in Jakarta war vor kurzem Ziel eines Terrorangriffs. Für Ritz-Carlton-Chef Simon Cooper ein weiterer Tiefschlag, denn die globale Wirtschaftskrise macht der Luxusbranche schwer zu schaffen. Doch Cooper, der 2008 „Corporate Hotelier of the World“ war, will weiter wachsen und in den kommenden zwei Jahren zwölf Hotels eröffnen.
Morgenpost Online: Wie wirkt sich der Anschlag auf das Ritz-Carlton in Jakarta auf Ihr Tagesgeschäft aus?
Simon Cooper: The Ritz-Carlton Hotel Jakarta hat in der vergangenen Woche wieder eröffnet – also knapp zwei Wochen nach den zerstörerischen Anschlägen. Zwar hatten wir bereits vor der Attacke hohe Sicherheitsstandards, aber wir sind jetzt noch vorsichtiger.
Morgenpost Online: Wie sehr leiden die Luxushotels noch unter der Wirtschaftskrise?
Cooper: Uns geht es wie den Airlines mit ihrer Business- und First-Class. Sehr viele Geschäftreisende, die vor der Krise weltweit unterwegs waren, bleiben derzeit einfach zu Hause. Die Kreditmärkte sind wie eingefroren, es gibt immer noch kein proaktives Investment und fast keine Deals.
Morgenpost Online: Ihre Hotels und Ressorts stehen also leer?
Cooper: Nein, wohlhabende Touristen reisen immer noch. Wir konnten in den vergangenen Monaten sogar vergleichsweise mehr Urlaubsreisende in unseren Häusern begrüßen.
Morgenpost Online: Weil Sie die Preise gesenkt haben?
Cooper: Ja, natürlich. In der gesamten Reiseindustrie sinken die Preise, also auch bei uns. Um die Menschen zum Reisen zu bewegen, bieten wir Zimmerraten an, für die man sehr viel bekommt. So gleichen wir zumindest zum Teil die Rückgänge im Firmengeschäft aus.
Morgenpost Online: Würden weitere Preissenkungen nicht auch helfen, den Geschäftsreisemarkt zu stützen?
Cooper: Nein. Sie können diese Nachfrage nicht stimulieren. Manager brauchen Reise-Anlässe und die können wir nicht kreieren. Ich habe solch einen abrupten Rückgang der Buchungen in meiner Karriere noch nie gesehen. Die große Herausforderung für uns alle ist jetzt, unsere Hotels zu füllen. Nichts ist schlimmer als ein halbleeres Hotel.
Morgenpost Online: Lassen sich Touristen denn zum Reisen verführen?
Cooper: Das ist viel einfacher. Wir haben zum Beispiel unsere Zusammenarbeit mit Fluggesellschaften sehr intensiviert. Gegenwärtig arbeiten wir sehr eng mit der irischen Aer Lingus zusammen, die auch unter den wegbleibenden Geschäftsreisenden leiden. Jetzt fliegen sehr viele Gruppen, die zum Beispiel ihre Verwandten in den USA besuchen.
Morgenpost Online: Die sich irgendwann auch alle besucht haben. Was raten Sie Ihren Hoteldirektoren, wie sie die schwierigen Zeiten überstehen können?
Cooper: Ganz einfach, sie können Umsätze steigern oder Kosten senken. Oder beides. Wir sind also ständig auf der Suche nach neuen Partnern und Absatzkanälen. Auf der Kostenseite müssen wir natürlich aufpassen, dass auf keinen Fall das Engagement unserer Ladies und Gentlemen leidet. Und wir achten natürlich sehr darauf, dass unsere Gäste keinesfalls unsere Bemühungen um niedrigere Kosten bemerken. Deswegen lassen wir von der Marktforschungsgesellschaft Gallup die Zufriedenheit unsere Gäste seit langem intensiv messen. Wir wollen und können es uns nicht eine Sekunde lang leisten, dass unsere Gäste mit unserer Leistung unzufrieden sind.
Morgenpost Online: Haben Sie bereits Mitarbeiter nach Hause geschickt?
Cooper: Ja, wir sind weltweit gerade dabei, unsere Mannschaft an die gesunkenen Gästezahlen anzupassen.
Morgenpost Online: Glauben Sie, dass das Geschäft in den nächsten zwölf Monaten wieder kommt?
Cooper: Es wird wiederkommen. Aber nicht in den nächsten zwölf Monaten. Ich denke, dass es eine lange Zeit brauchen wird – vier bis fünf Jahre – bis sich der Hotelmarkt von dieser Krise erholt haben wird.
Morgenpost Online: Werden Sie Hotels schließen?
Cooper: Nein ganz im Gegenteil. Wir werden in diesem und auch im kommenden Jahr sechs neue Hotels eröffnen, zum Beispiel im nächsten Jahr in Hongkong oder Dubai.
Morgenpost Online: Auch in Deutschland?
Cooper: Nichts Konkretes, aber ich glaube, dass München für uns hohes Potenzial bietet.
Morgenpost Online: Wie laufen Ihre deutschen Hotels?
Cooper: Trotz aller Turbulenzen in der Autoindustrie sind wir mit unserem Haus in der Autostadt Wolfsburg sehr zufrieden. Hier haben wir immer noch eine im Vergleich hohe Auslastung. Auch in Berlin sehen wir keinen großen Einbruch der Gästezahlen. Und was die Preise angeht, hatten wir für unser Haus am Potsdamer Platz nie sehr große Erwartungen. Die Zimmerraten in der Hauptstadt sind hier wegen des Überangebots an Luxushotels extrem niedrig.





