Die deutschen Konsumenten haben keine Lust mehr auf Krise. Je länger der Abschwung dauert, desto resistenter zeigen sie sich im weltweiten Vergleich: Bei einer Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) unter 8100 Verbrauchern zeigten sich die Deutschen als die lockersten Einkäufer. Nach der Studie, die Morgenpost Online vorliegt, gaben nur 40 Prozent der Befragten hierzulande an, Angst vor der Zukunft zu haben – in allen anderen Ländern waren die Werte deutlich höher.

Noch erstaunlicher: Gegenüber der Vergleichumfrage aus dem Frühjahr ist die Angst der Deutschen weiter gesunken. Vor einem halben Jahr noch hatten 57 Prozent Furcht vor dem, was da kommt. Im EU-Vergleich sank diese „Angstquote“ nur um zehn Prozent, in Spanien gar nur um vier Prozent. „Die Deutsche stecken die Krise momentan besser weg als ihre europäischen Nachbarn“, sagt Ivan Bascle, Geschäftsführer von BCG. Werte wie Familie oder das Zuhause, das sogenannte „cocooning“, würden wieder wichtiger als das reine Konsumieren. „Die Krise verändert das Einkaufsverhalten. Die Kunden überlegen wieder, was wirklich wichtig ist“, sagt er.

Die Sorge um den Jobverlust fiel in Deutschland mit sechs Prozent seit dem Frühjahr 2009 so stark wie in keinem anderen Land. In Italien und Großbritannien sank der Wert nur halb so stark, in Frankreich blieb er unverändert. „Die großzügige Kurzarbeiterreglung in Deutschland könnte zu dieser relativ guten Stimmung unter den Arbeitnehmern beigetragen haben“, sagt Bascle. Schaden könnte die Gelassenheit allerdings nehmen, falls die Arbeitslosenquote über fünf Millionen steigen sollte.

Auch die Deutschen sparen: Mit 52 Prozent will fast jeder Zweite wegen der Krise weniger Geld für nicht lebensnotwendige Dinge ausgeben – vor einem halben Jahr waren es noch zwölf Prozent mehr. Wenn gespart wird, dann vor allem bei Luxusgütern, Restaurantbesuchen und Urlaubsreisen. Wobei die Befragten nicht grundsätzlicher weniger unterwegs sind – sie geben dabei nur weniger Geld aus, in dem sie etwa Billigflieger nutzen oder Nahziele ansteuern.

Vor allem jüngere Frauen und Männer in Deutschland nehmen die Krise deutlich lockerer als ihre Alternsgenossen in Großbritannien oder Spanien. Dort ist die Arbeitslosigkeit aber auch höher. „Die gute Stimmung könnte daran liegen, dass die jungen Deutschen noch keine echte Krise erlebt haben. Ganz anders als die Älteren“, sagt Bascle.

Denn bei den Älteren ist die Skepsis sogar größerer als in den USA, Großbritannien oder Spanien. Als möglichen Grund sieht Bascle die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre und die damit verbundene Verunsicherung über das Auskommen im Alter. „Viele werden Geld fürs Alter in Aktien investiert haben. Trotz einer ersten Erholung sind viele dieser Anlagen noch immer weniger wert als vor ein paar Jahren“, sagt Bascle.

Dennoch hätten die Deutschen insgesamt sehr viel weniger Geld in Aktien gesteckt als die Nachbarn – und spürten jetzt die Kursabstürze auch weniger stark. Gleiches gelte für die Immobilienblase: Die habe es in Deutschland nicht in dem Maße gegeben wie in den USA oder Spanien. Deshalb fühlten sich nur 46 Prozent der Deutschen durch eigene Erfahrungen oder die von Freunden, Nachbarn oder Kollegen von der Krise betroffen, während es in den USA 62 Prozent und in Spanien 64 Prozent sind.

„Kommt es nicht zu einem Schockereignis könnten die Ergebnisse der Studie ein Anzeichen für diese Erholung sein“. Demnach könnte 2010 ein „Übergangsjahr werden, in dem die Firmen ihre Restrukturierungsmaßnahmen fortsetzen, aber auch schon wieder das Wachstum der nächste Jahre vorbereiten sollten“. Die Unternehmen müssten weiterhin investieren: „Wir haben zum Beispiel in Osteuropa beobachtet, dass die Unternehmen, die trotz der schwierigen Marktlage weiterhin investiert haben, bis zu fünf Prozent Marktanteile gewonnen haben“, sagt Bascle, „das wird sich für sie erst nach der Krise so richtig auszahlen“.

Tabelle: Zukunftsangst der Konsumenten in europäischen Staaten

Quelle: Boston Consulting Group, Consumer Sentiment Barometer Fall 2009. EU=D, GB, E, I und F. Unteres Quartil der Konsumenten nach realen Einkommen herausgerechnet. Befragung im dritten Quartal 2009.