Das monatelange Bieterrennen um die deutsche Bahn- und Bus-Sparte des britischen Verkehrskonzerns Arriva ist beendet. Wie Morgenpost Online“ aus Verhandlungskreisen erfuhr, wird die Deutsche Bahn (DB) der italienischen Staatsbahn Trenitalia den Zuschlag erteilen. Die Italiener galten neben dem französischen Veolia-Konzern als aussichtsreichster Kandidat. Damit hat Trenitalia einen ersten Schritt auf den deutschen Bahnmarkt getan. Ein DB-Sprecher wollte die Vorgänge nicht kommentieren.

Das Konsortium von Trenitalia und dem Infrastrukturfonds Cube habe das Management von Arriva-Deutschland am Montag darüber informiert, dass der Vorstand der Deutschen Bahn das gemeinsame Angebot akzeptiere, hieß es in Verhandlungskreisen. Der Betriebsrat von Arriva hatte sich gegen einen Kauf an die Italiener und für Veolia ausgesprochen. „Trenitalia hat in Deutschland keine Erfahrung im Geschäft mit dem Personenverkehr und ist insgesamt im Busverkehr nicht stark genug aufgestellt“, sagte der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, Hans-Jürgen Hauschild "Welt Onlie". Man erwarte, dass die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn einen Verkauf an Trenitalia verhindern werden.

Der Aufsichtsrat tagt am Mittwoch, doch dass bei dieser Gelegenheit das Votum für die Italiener gekippt wird, ist wenig wahrscheinlich. „Das Angebot von Trenitalia und Cuba war offenbar deutlich besser als das von Veolia“, hieß es im Umfeld des DB-Konzerns. Dem Vernehmen nach hat Veolia 369 Mio. Euro für Arriva-Deutschland geboten. Der Bahnvorstand hatte stets erklärt, an den Meistbietenden verkaufen zu wollen. Allerdings passt die Entscheidung für Trenitalia auch ins strategische Kalkül: Veolia ist ein scharfer Konkurrent im deutschen Regionalverkehr – den hätte Bahnchef Rüdiger Grube nur ungern gestärkt.

Zu Arriva-Deutschland gehören unter anderem die Regental- und Vogtland-Bahn, die Ostdeutsche Eisenbahn und die Osthannoversche Eisenbahnen AG. Die Deutsche Bahn hatte jüngst den britischen Verkehrskonzern Arriva gekauft und muss nun als Auflage der EU-Kartellwächter dessen Deutschland-Geschäft komplett abstoßen. Vergangenen Monat war die letzte Angebotsfrist ausgelaufen. Dabei waren nur Trenitalia und Veolia im Rennen geblieben.

Für Trenitalia wäre ein Kauf von Arriva der bislang bedeutendste Schritt auf dem Weg, sich als ernst zu nehmender Spieler auf dem europäischen Markt zu etablieren. Schon seit Jahren kündigt Trenitalia-Chef Mauro Moretti an, in Europa stärker wachsen zu wollen. Vor allem Deutschland, Frankreich und die Beneluxländer nannte er als Investitionsziele. Doch umgesetzt hat er von diesen Plänen bislang wenig. In Deutschland ist Trenitalia bislang nur im Güterverkehr aktiv – an der Bahngesellschaft TX Logistik in Bad Honnef hält Trenitalia 51 Prozent.

Trenitalia ist in einer unkomfortablen Situation. Der Regierung in Rom, die das Unternehmen besitzt, besteht darauf, dass dieses einen flächendeckenden Service anbietet, also auch wenig rentable Regionalstrecken abdeckt. Allerdings zögern die Behörden oft, die so entstehenden Verluste auch auszugleichen.

International möchte Moretti vor allem im Hochgeschwindigkeitsverkehr expandieren. Im Sommer schloss das Unternehmen eine Ausschreibung für 50 neue Hochgeschwindigkeitszüge ab. Die Züge sollen ab 2013 einsatzbereit sein und es ermöglichen, künftig auch Hochgeschwindigkeitsstrecken im Ausland zu bedienen. In Frankreich hat das Unternehmen bereits mehrfach um Lizenzen ersucht – ohne Erfolg bislang.

Auf dem Heimatmarkt steht Trenitalia unter schwerem Druck. Moretti bezeichnete die Deutsche Bahn jüngst als sein hauptsächliches „Problem“. Die Deutschen arbeiten derzeit gemeinsam mit der österreichischen ÖBB daran, sich einen Anteil am Verkehr im Norden des Landes zu sichern. Die beiden Unternehmen sind bereits mit eigenen Zügen in Italien unterwegs und werden demnächst das Dreieck Mailand-Bologna-Venedig mit dem Ausland verbinden.

Der Bahnmarkt in Italien gilt zwar als freier als etwa der Markt in Frankreich. Doch Konkurrenten bemängeln regelmäßig, dass die Trenitalia die Herrschaft über das Bahnnetz zu ihren Gunsten ausnutzt.