„Geld lernen“, so heißt der Vortrag. Im Rahmen eines 2009 gestarteten Projektes der Nachwuchselite des Weltwirtschaftsforums, den „Young Global Leaders“ (YGL) erklärt der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus Schülern den Umgang mit der Währung.

Denn obwohl Geld im Leben der Jugendlichen eine große Rolle spielt, wird der Umgang mit Geld in den Schulen kaum gelehrt. Die YGL wollen mit ihrem Projekt zeigen, dass dies nicht nur erlernt, sondern auch spannend sein kann.

Animateur der Veranstaltung war Prinz Haakon von Norwegen, der zu den YGL gehört. Er springt auf die Bühne, greift sich das Mikrofon und ruft den Jugendlichen zu: „Heute geht es um euch.“ Dann tritt Muhammad Yunus nach vorne, uneitel in der Erscheinung, eine braune Weste über das traditionelle hüftlange Hemd gestreift.

Der 69-jährige Wirtschaftsprofessor aus Bangladesh entwirft nicht nur in wenigen Worten ein anschauliches Bild seines Heimatlandes, sondern schildert den Jugendlichen gleichzeitig die Folgen des Klimawandels.

Er spricht davon, dass die Kinder eher schwimmen als laufen lernen, weil Bangladesh ein flaches Schwemmland ist. Und wie verheerend der Anstieg des Meeresspiegels deshalb für sein Land sein werden könnte. Ähnlich anschaulich beschreibt er dann die Funktionsweise von Mikrokrediten, jenem Finanzierungsmodell, bei dem arme Menschen auch ohne Sicherheiten Kleinstkredite erhalten, die sie flexibel zurückzahlen können.

Yunus erzählt von einer Frau, die er 1974 in einem Dorf traf und die Stühle aus Bambus flocht. Trotz ihrer Fertigkeit sei sie am Verhungern gewesen, weil sie das Geld, das sie sich für den Kauf der Bambusstäbe bei einem Finanzier lieh, mit völlig überzogenen Zinsen zurückzahlen musste.

„Warum leiht ihr der Frau kein Geld?“ habe er die örtliche Bank gefragt. Die Antwort: „Weil sie keine Sicherheiten hat.“ Da sei die Idee der Mikrokredite entstanden. Dann hebt Yunus die Geschichte von der Mikro- auf die Makroebene. Man müsse kein Experte sein, um Dinge zu verändern. Er selbst habe vor der Idee der Mikrokredite vom Bankgeschäft keine Ahnung gehabt.

Das stimmt zwar nicht, denn Yunus hat Volkswirtschaft studiert. Aber ihm geht es im Kern um etwas anderes. Darum, dass man mit Mut, Leidenschaft und dem Blick von außen Systeme oft leichter verändern kann, als wenn man ein Teil davon ist. „Macht eure eigenen Regeln“, ruft Yunus in den Saal.

Dann gibt er den Schülern praktische Tipps: Zwei Listen sollen sie aufstellen. Eine, mit den Dingen, die sie stören. Eine, wie eine veränderte Welt aussehen könnte. „Und dann prüft, ob ihr eine Geschäftsidee habt, wie man das verändern kann, was ihr nicht mögt.“

Das Konzept des „Sozialunternehmers“, das Yunus hier so mitreißend schildert, hat durch ihn weltweit viele Nachahmer gefunden. Auch in Davos: Als er vor zehn Jahren das erste Mal zum Weltwirtschaftsforum kam, interessierte sich kaum jemand für ihn. Heute ist er selbst unter den ganz Großen aus der Wirtschaft ein Star.