Die EU ist sich beim Streit um den künftigen Krisenmechanismus in der Währungsunion offenbar einen Schritt näher gekommen. „Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Sonntag gemeinsam mit Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker, dem ständigen EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy sowie dem EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ein Papier erarbeitet, das sich mit den Plänen befasst“, sagte Merkels Sprecher Steffen Seibert.

Noch am Abend sollte es den EU-Finanzministern zu einer ersten Beratung vorgelegt werden. Bis zum nächsten Treffen des EU-Rats im Dezember könnte es dann verabschiedet werden.

Wie Morgenpost Online in Regierungskreisen erfuhr, sieht das Papier die schrittweise Beteiligung der privaten Gläubiger vor. Allerdings sollen Banken, Versicherungen und Fonds nur von Fall zu Fall mit ihren Investments haften, wenn ein EU-Staat von anderen Mitgliedsländern gestützt werden muss. Wann und in welchem Umfang die Anleger zur Kasse gebeten werden, müssen Europäische Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationaler Währungsfonds (IWF) gemeinsam entscheiden.

Noch einmal betonten die Deutschen, dass die Beteiligung privater Gläubiger nicht zwangsläufig dazu führe, dass die Investoren ihr Geld verlieren würden: „Haircuts, also Abschreibungen auf das Investment, sind nur der letzte, äußerste Schritt.“ Vorher gebe es eine Reihe anderer Mittel, mit denen die Anleger ihren Teil zur Sanierung angeschlagener Euro-Staaten beitragen könnten. Dazu gehöre, dass die Investoren ihre bestehenden Engagements beim Auslaufen verlängern würden. Gelten sollen die neuen Regelungen erst ab Mitte 2013.

Angesichts dieser Diskussion rückte das aktuelle Hilfspaket für Irland schon fast in den Hintergrund der Gespräche am Sonntag. Bis zum späten Abend sollte es endgültig beschlossen sein. „Die Unterstützung Irlands ist fast erledigt“, sagte Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde vor Beginn der Gespräche. 85 Mrd. Euro wird das Land als Hilfe bekommen. Nur die Höhe der Zinsen, die Irland an den europäischen Rettungsfonds zahlen muss, war zu dieser Zeit noch nicht beschlossen. 35 Mrd. Euro an Hilfsgeldern werden die Iren brauchen, um einige ihrer angeschlagenen Banken zu sanieren, andere wiederum ganz abzuwickeln. Die Geldhäuser hatten sich in den Boomjahren Irlands mit Immobilien verspekuliert. Mit den restlichen 50 Mrd. Euro will das Land die Löcher in seinem Budget stopfen.

Im Gegenzug müssen die Iren in den kommenden Jahren einen harten Sparkurs verkraften. Zehntausende protestierten daher am Wochenende in der Hauptstadt Dublin gegen die Maßnahmen von Premier Brian Cowen.

Weil den seit Wochen nervösen Finanzmärkten die Irland-Hilfe kaum genügen dürfte, diskutierten die Finanzminister nach Informationen der Nachrichtenagentur „Reuters“ bei ihrem Treffen in Brüssel auch über Portugal. Das Land könnte das nächste Opfer der Finanzkrise sein. Die EU überlegt daher, es genauso wie Irland unter ihren Rettungsschirm zu zwingen. Einige EU-Partner hoffen, die Krise damit eindämmen zu können. Sie fürchten, dass sonst Portugals Nachbarland Spanien dem Misstrauen der Investoren zum Opfer fallen könnte. Da Spaniens Volkswirtschaft viel größer als die Griechenlands, Irlands oder Portugals ist, gilt das in der Europäischen Union als Katastrophe.