Die Erwerbstätigkeit in Deutschland könnte nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle im kommenden Jahr das höchste Niveau seit der Wiedervereinigung erreichen. „240.000 neue Jobs sind möglich“, sagte der FDP-Politiker dem „Focus“. Unternehmen würden ältere Arbeitnehmer wegen des Fachkräftemangels zudem bitten müssen, „länger zu bleiben“.
Angesichts besserer Wirtschaftsaussichten erwartet die Bundesregierung Brüderle zufolge eine Steigerung der Netto-Reallöhne um 2,7 Prozent. „Für die Arbeitnehmer sind die Aussichten gut, am gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen beteiligt zu werden“, erklärte Brüderle. Den Unternehmen sollte im Wettbewerb um Fachkräfte daran gelegen sein, „attraktive Löhne zu bieten“. Der Netto-Reallohn ergibt sich durch Abzug der Sozialbeiträge und Steuern vom Brutto unter Berücksichtigung der Preissteigerung. Die Erwerbstätigkeit war im September angesichts des üblichen Herbstaufschwungs um 325.000 auf 40,9 Millionen gestiegen.
Im Vergleich zum Vorjahr war dies eine Zunahme um 348.000. Saisonbereinigt hatten die Statistiker einen Anstieg um 35.000 registriert. Auch die Bundesagentur für Arbeit beurteilt die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt optimistisch: Die Langzeitarbeitslosigkeit sei gegenüber dem Vorjahr um immerhin zehn Prozent zurückgegangen, vor allem unter jungen Leuten sei kaum jemand länger als sechs Monate arbeitslos, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt der Zeitschrift „Super Illu“. „Aber das ist noch kein Grund, Hurra zu schreien. Denn wir haben immer noch 900.000 Langzeitarbeitslose.“
Für einen Teil dieser Menschen werde es auch bei anhaltend guter Konjunktur keinen dauerhaften Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt geben, sagte Alt. Die geplante Streichung zahlreicher Ein-Euro-Jobs im kommenden Jahr stößt in der BA auf Kritik. Auch wenn die Arbeitslosenstatistik dadurch möglicherweise „noch etwas ehrlicher“ werde, werde sich die soziale Lage vieler Langzeitarbeitsloser verschlechtern, sagte Alt der „Super Illu“.
Alt wies zugleich Einwände zurück, wonach die Ein-Euro-Jobs häufig eine billige Konkurrenz für reguläre Jobs sind, nur wenige Erwerbslose wieder in den ersten Arbeitsmarkt bringen und darum gänzlich abgeschafft werden sollten. Alt hob hervor, die Ein-Euro-Jobs könnten durchaus ein sinnvolles Angebot für diejenigen sein, denen die BA derzeit keine reguläre Beschäftigung anbieten könne. Gerade in Ostdeutschland sei die Nachfrage nach Ein-Euro-Jobs deutlich größer als das Angebot. Derzeit biete die Arbeitsagentur etwa 280.000 dieser Arbeitsgelegenheiten an. „Aber da nächstes Jahr aufgrund des Haushaltsansatzes der Bundesregierung weniger Geld dafür zur Verfügung steht, werden es 2011 schätzungsweise ein Drittel weniger Stellen sein.“
AFP/dpa/cat




