So mancher Hochtief-Mitarbeiter mag das Fußball-Ergebnis vom Montagabend noch als hoffungsvolles Omen interpretiert haben: Mit 0:5 ging Real Madrid, der Club von ACS-Chef Florentino Perez, beim Erzrivalen Barcelona unter. Doch die Schadenfreude währte nur kurz. Denn nach dem Abpfiff verpasste die deutsche Finanzaufsicht Hochtief im Abwehrkampf gegen ACS eine Niederlage, die mit 0:5 nur unzureichend umschrieben ist.
Nach dem jüngsten BaFin-Spruch darf ACS den freien Aktionären jetzt sein Übernahmeangebot unterbreiten, von dem das Hochtief-Management behauptet, es sei der Anfang vom Ende des Essener Unternehmens. Tatsächlich hat der größte deutsche Baukonzern jetzt wohl auch seinen letzten Pfeil verschossen, der die Spanier noch hätte aufhalten können. Wenn nicht auf wundersame Weise noch ein Weißer Ritter auf der Baustelle auftaucht, wird sich ACS wohl im nächsten, spätestens aber im übernächsten Jahr an der Börse die Mehrheit an Hochtief erkauft haben.
Hochtief fordert seit Monaten, die Gesetzeslücke zu schließen
Zwar ist es unwahrscheinlich, dass nennenswert viele Aktionäre das jetzt zugelassene freiwillige Übernahmeangebot annehmen werden. Dazu ist die Offerte – absichtlich – viel zu unattraktiv gehalten. Doch die Spanier ersparen sich mit diesem legalen Trick ein Pflichtangebot, sie kommen so vermutlich relativ günstig an die Mehrheit in Essen.
Dass sie bei Hochtief seit Monaten von der deutschen Politik fordern, endlich diese Gesetzeslücke zu schließen, die feindliche Übernahmen erleichtert, ist verständlich. Tatsächlich nimmt die Bundesregierung weitere vergleichbare Fälle in Kauf, wenn sie das Übernahmegesetz nicht verschärft. Doch muss sich das Hochtief-Management vorwerfen lassen, dass es seit dem Ausstieg von Großaktionär RWE nicht in der Lage war, für eine sichere Eigentümerbasis und einen hohen Unternehmenswert an der Börse zu sorgen, der dem Wert der Firma entsprach. Denn genau diese Konstellation lockt Übernehmer an, auch feindliche.
Angeblich soll Hochtief unter ACS erhalten bleiben
Sollte ACS tatsächlich in Essen zum Zuge kommen, muss sich der neue Herr im Haus, Florentino Perez, umgekehrt an Versprechungen messen lassen, die ihm längst nicht jeder glaubt: Er hat zugesagt, Hochtief mitnichten zu zerschlagen, um mit dem Erlös eigene Finanzlöcher zu stopfen. Stattdessen solle Hochtief in seiner bisherigen Struktur unter dem Dach von ACS weitgehend erhalten bleiben. Perez hat sogar angeboten, dies schriftlich zu garantieren.
Aber wie pflegt ein bekannter deutscher Fußballexperte in solchen Fällen zu sagen? „Schaun mer mal“.


