Die Handys von heute sind multifunktionale Alleskönner. Sie sind Foto- und Videokamera, MP3-Player, Internetzugang, Spielkonsole und mobiles Büro in einem. Vor allem ältere Menschen empfinden diese Technikvielfalt oft als abschreckend. Nun sind für diese Zielgruppe mittlerweile Handys auf dem Markt, die speziell auf die Bedürfnisse älterer Generationen zugeschnitten sind. Sogenannte ?Seniorenhandys zeichnen sich durch leichte Bedienbarkeit aus. Sie verzichten auf viele technische Extras und bieten meist nur die Basisfunktionen wie Telefonieren und das Versenden von Kurznachrichten (SMS).
Neben großen, griffigen Tasten und gut lesbaren Displays bieten sie weiterhin eine einfache Menüstruktur, laute Klingeltöne und Notruftasten. Vor allem Letztere sind besonders wichtig – denn gerade im Alter hat Erreichbarkeit auch etwas mit Sicherheit und Mobilität zu tun.
Für die Altersgruppe der Senioren ist das Mobiltelefon hauptsächlich zum Telefonieren da. Eine Bitkom-Studie vom Juli 2008 zum Handynutzungsverhalten in Deutschland dokumentiert deshalb auch ein deutliches Nutzungsgefälle bei den über 60-Jährigen. „Für ältere Menschen ist das Handy vor allem ein Telefon. Fast zwei Drittel von ihnen nutzen es ausschließlich für Gespräche“, sagt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Bei den Männern über 60 Jahre nutzen immerhin 51 Prozent die SMS-Funktion. 37 Prozent gaben an, keinerlei Zusatzfunktionen zu verwenden. Bei den Frauen schicken 36 Prozent der über 60-Jährigen Kurznachrichten. Knapp mehr als die Hälfte der Befragten gab an, das Handy nur zum Telefonieren zu benutzen.
Der Markt für altersgerechte Handys wächst dabei stetig. Doch obwohl es mittlerweile einige Anbieter für extraleicht bedienbare Handys gibt, hat bisher keiner der bekannten Handyhersteller ein solches Gerät im Programm. Seniorenhandys von Herstellern wie Amplicom, Hagenuk, Medion, Doro und anderen Firmen sind deswegen vorwiegend über Internetshops erhältlich. Lediglich die Geräte des österreichischen Herstellers Emporia gibt es bei T-Mobile, E-Plus und The Phone House mit Mobilfunkvertrag zu kaufen.
Als Zielgruppe besonders bedienungsfreundlicher Mobiltelefone nennt Emporia „Neueinsteiger in die Mobiltelefonie; Personen mit motorischen Beeinträchtigungen und solche, die von der Multifunktionalität herkömmlicher Mobiltelefone überfordert sind“. Doch damit man das passende Gerät findet, ist zunächst zu klären, für welchen Zweck das Telefon hauptsächlich genutzt werden soll.
Generell zeichnen sich Seniorenhandys durch eine leichte Bedienbarkeit aus. Zu den Merkmalen zählen große, griffige Tasten, eine übersichtliche Menüstruktur, eine große Schrift sowie ein gut lesbares Display, ein Notrufknopf, Lautstärkeregler, Schalter für die Tastensperre, eine Freisprechmöglichkeit, individuell regelbare Helligkeits- und Kontrasteinstellungen sowie separate Kurzwahltasten. Vor allem auf solche Kriterien sollte man bei einem Kauf achten. Wer vorwiegend telefonieren möchte, sollte in erster Linie auf eine gute Telefonier-Qualität mit guter Gesprächsverständlichkeit und gut hörbare Klingeltöne achten. Ältere Menschen, die schlecht hören, sollten Handys wählen, die beim Anruf nicht nur klingeln, sondern sich auch optisch bemerkbar machen, etwa durch eine intensiv blinkende Leuchte auf dem Bildschirm.
Wer gern per Kurznachrichten kommuniziert, für den sind gut erkennbare Ziffern und Buchstaben auf der Handytastatur wichtig. Auch die Textanzeige im Display muss gut lesbar sein. Ein Pluspunkt ist hier, wenn sich die Schriftgröße individuell einstellen lässt. Für gebrechliche oder schwer kranke Menschen ist ein Notrufhandy zu empfehlen, das im Notfall per Tastendruck vordefinierte Kontakte, zum Beispiel einen Arzt, anwählt. Auch könnte ein Handy mit GPS-Modul empfehlenswert sein, wie es beispielsweise der Schweizer Hersteller Secufone mit dem BX55 anbietet. Im Fall eines Unglücks kann der Nutzer nach Absetzen des Notrufs über Satellit geortet werden. Für die Nutzung der Handyortung ist allerdings eine vorherige Registrierung nötig.
Die Wahl der Mobilfunktarife sollte ebenfalls zum Telefonierverhalten passen. Für viele Senioren, die das Mobiltelefon eher sporadisch nutzen und überwiegend auf Erreichbarkeit setzen, sind sogenannte Prepaid-Tarife eine gute Option, so die Empfehlung des Online-Magazins Teltarif.de. Es gibt bei diesem Angebot keine Grundgebühr und keine Mindestlaufzeit, bezahlt wird nur, was vertelefoniert wurde. Die einheitlich günstigen Minuten- und SMS-Preise beginnen hier bei acht Cent für die Minute. Das Problem dabei: Ist die Karte leer, ist man nicht erreichbar. Eine Alternative dazu sind sogenannte Postpaid-Tarife, bei denen am Ende des Monats abkassiert wird.
Nicht zuletzt wegen der demografischen Entwicklung der Bevölkerung wird die Nachfrage nach altersgerechten Mobiltelefonen immer größer werden. Schon jetzt liegt nach Angaben von Statista der Anteil der Senioren an der deutschen Gesamtbevölkerung bei 20 Prozent. Bis 2050 wächst diese Bevölkerungsgruppe auf über 30 Prozent an. Bleibt abzuwarten, wann auch Nokia, Samsung, Sony Ericsson, Motorola & Co. in dieses wachsende Marktsegment investieren. Bis zur Handymesse Anfang 2010 in Barcelona hat Seniorenhandyspezialist Emporia bereits neue Geräte angekündigt, darunter ein Gerät, mit dem sich der Blutzuckerwert messen lässt.




