Sie mögen es nicht, wenn viel über sie gesprochen wird. Aber zuletzt standen sie häufiger im Rampenlicht. Arabische Staatsfonds kauften sich bei Daimler ein, übernahmen den Industriedienstleister MAN Ferrostaal, wurden immer wieder als Retter für Opel oder Porsche gehandelt. Und künftig könnten sie noch viel öfter für Aufsehen sorgen. Denn die Investoren aus dem Nahen Osten verfügen trotz der Finanzkrise, die auch sie getroffen hat, immer noch über üppige Summen.

„Und jene Fonds, die es können, wären dumm, wenn sie sich mögliche Investments in den westlichen Staaten nicht genauer anschauen“, sagt Mark Fuller, Chef der Unternehmensberatung Monitor Group, die gerade eine umfangreiche Studie zu den arabischen Staatsfonds veröffentlicht hat. „Es gibt eine Reihe von Unternehmen mit unterbewerteten Aktien, die nach langfristig orientierten Investoren suchen und für die Staatsfonds die idealen Partner wären.“


Allerdings: Auch die Staatsfonds werden künftig genauer hinschauen, worin sie investieren. Denn einige haben sich in den vergangenen Jahren gehörig die Finger verbrannt. So setzte beispielsweise Singapur allein durch seine Investments in US-Banken rund 27,5 Milliarden Dollar in den Sand. Der Temasek-Fonds des Stadtstaates verlor zwischen März und November vergangenen Jahres 37 Prozent an Wert – das muss ein kleines Land wie Singapur erst einmal verkraften.


Deutlich besser haben demgegenüber die arabischen Staatsfonds abgeschnitten. „Diese Fonds haben sich nicht so stark bei europäischen und amerikanischen Banken engagiert wie beispielsweise Singapur“, sagt Mark Fuller: „Auch sie investierten zwar, wie beispielsweise Abu Dhabi, das sich an der Citigroup mit 7,5 Milliarden Dollar beteiligte. „Diese Transaktion wurde jedoch unter sehr vorteilhaften Bedingungen getätigt, so dass der Fonds hier noch kein Kapital verloren hat.“

Insgesamt haben die arabischen Fonds nach Fullers Schätzungen durch die Finanzkrise zwischen 20 und 25 Prozent verloren – und damit deutlich besser abgeschnitten als die meisten anderen Investoren. Denn Dax, Dow Jones und Co. gaben gleichzeitig um fast die Hälfte nach.

Daher stehen sie heute noch vergleichsweise gut da und hätten die Möglichkeit, die niedrigen Kurse für neue Investitionen zu nutzen. Noch tun sie dies aber nur sporadisch. Dies liegt zum einen daran, dass viele der arabischen Fonds relativ jung sind.

Zehn der 13 Fonds der Region wurden erst nach 2002 gegründet. „Diese haben zum ersten Mal einen Geschmack von einem wirtschaftlicher Einbruch bekommen und einigen ist das nicht gut bekommen“, so Fuller. Für sie steht daher nun erst mal die Einführung einer verbesserten Risikokontrolle im Vordergrund. Bei anderen Fonds dagegen ist schlicht der Quell frischen Geldes versiegt. Dies gilt vor allem für Dubai, das selbst mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat.

Dennoch dürften die Fonds über kurz oder lang wieder an den westlichen Märkten investieren, denn nach wie vor verfügen sie über viel Liquidität und mit wieder steigenden Ölpreisen dürfte auch der Zufluss neuen Geldes wieder zulegen. Allerdings dürften sich künftig die Schwerpunkte verändern. Die Staatsfonds werden zunehmend strategisch investieren.

So konzentriert sich beispielsweise Abu Dhabi schon jetzt auf Unternehmen aus den Branchen der erneuerbaren Energien, um so seine Abhängigkeit vom Öl zu verringern. Auch Technologiefirmen stehen im Fokus – der Industriedienstleister MAN Ferrostaal, der 2008 übernommen wurde, ist das beste Beispiel. Damals erklärte der Staatsfonds aus Abu Dhabi ganz offen, dass es vor allem darum gehe, die technologischen Fähigkeiten und die Managementkenntnisse zu erwerben, an die man auf andere Weise schwer komme.

Schließlich werden die Investments aber künftig auch vermehrt dazu dienen, Politik zu machen. Die arabischen Staatsfonds werden sich nicht mehr damit zufrieden geben, einmal im Jahr die Dividenden einzustecken und ansonsten keine Ansprüche zu stellen. „Wir hoffen, dass sich deutsche Firmen mehr am Persischen Gold engagieren und hier auch produzieren“, sagte der Finanzchef des neuen Daimler-Großaktionärs Aabar aus Abu Dhabi vor einigen Tagen im Rahmen eines Treffens mit Wirtschaftsminister zu Guttenberg. Das war diplomatisch sehr zurückhaltend, bedeutet aber letztlich: Für unser Geld wollen wir auch etwas haben, und das ist vor allem praktische Hilfe bei der Entwicklung der eigenen Wirtschaft.

So lange dies am Ende auch den Unternehmen zugute kommt, an denen sie sich beteiligen, dürfte kein anderer Aktionär etwas dagegen haben. Allerdings sollten die arabischen Staatsfonds dazu ihre traditionelle Verschwiegenheit ablegen, um nicht Gerüchten und Verschwörungstheorien Vorschub zu leisten. Fuller hofft, dass die Fonds „sich stärker der Bedeutung bewusst werden, wie sie von der Außenwelt wahrgenommen werden.“