Gaslieferung

Berliner Netzgesellschaft kündigt TelDaFax Verträge

Schlimmer hätte es für TeldDaFax kaum kommen können: Elf Netzbetreiber haben dem Energieanbieter gekündigt. 8400 Kunden in Berlin und Brandenburg werden ab April wieder von den Grundversorgern beliefert.

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Offene Rechnungen in allen Ecken des Landes: In Berlin wartet die Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg auf 470.000 Euro. Sie hat, wie zehn andere Betreiber, die Geduld mit dem Energieanbieter TelDaFax verloren. Sie haben den Vertrag mit dem Unternehmen aus Troisdorf gekündigt. Mehr als 20.000 Gas- und Stromkunden von TelDaFax werden von April an von den jeweiligen Grundversorgern beliefert. In Berlin und Brandenburg sind 8400 Kunden betroffen.

Die Verbraucherzentrale Berlin rät den Erdgaskunden von Teldafax in Berlin und Brandenburg, sich schnell um ein Ende ihres Vertragsverhältnisses zu kümmern. Wer Vorauszahlungen geleistet habe, sollte sie schnell zurückfordern. Kunden sollten gleich am 1. April den Gaszählerstand – am besten im Beisein eines Zeugen – abzulesen und Teldafax per Einschreiben mitteilen. Auf Basis dieses Zählerstands sollten die Kunden dann die Summe für das bis 31. März verbrauchte Gas errechnen und bezahlen. Wer Geld vorausgezahlt habe und nicht zurückerhalte, solle einen Mahnbescheid beantragen.

„Wir haben uns lange Zeit zurückgehalten, doch jetzt reicht es“, sagt Carsten Döring von der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg. Die Zahlungsprobleme bei TelDaFax seien lange bekannt gewesen. Immer wieder habe es Unregelmäßigkeiten gegeben. Auch bei der Netzgesellschaft von Vattenfall, die in Berlin das Stromnetz betreibt. Wie zu hören ist, gab es Ende des Jahres offene Rechnungen. Nun besteht Vattenfall auf Vorkasse. Ein TelDaFax-Manager gibt Schwierigkeiten zu. „Wir sind auf der letzten Rille. Die Lage ist sehr bedrohlich.“ Man wolle nun mit den Netzbetreibern verhandeln und erreichen, dass die Kündigungen zurückgenommen werden.

Seit Jahren kritisieren Verbraucherschützer das Unternehmen heftig. Von Zahlungsproblemen berichten Netzgesellschaften seit Monaten. Seit November vergangenen Jahres ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. TelDaFax gilt als größter unabhängiger Energieanbieter Deutschlands. Das Unternehmen ist der größte Marktakteur neben den vier Energieriesen Vattenfall Europe, RWE, E.on und EnBW.

Mit dem Versprechen günstiger Strom- und Gastarife wurden Kunden geködert – gegen Vorkasse für ein Jahr. Oft setzte es nach kurzer Zeit deftige Preiserhöhungen. Das Prinzip: Kunden mit billigen Tarifen ködern, Preise hoch setzen und dann darauf vertrauen, dass nicht alle kündigen. Diese Praxis sei seit Januar vorbei, wie eine Sprecherin beteuert.

Bei TelDaFax soll jetzt aufgeräumt werden. Seit wenigen Wochen gibt es einen neuen Chef, Hans-Gerd Höptner heißt er. Er soll sanieren. Aber was heißt sanieren: Eher könnte man davon reden, dass er ein Wrack bergen und wieder zum laufen bringen muss. Anfang kommender Woche will der Billigenergie-Anbieter einen neuen Investor vorstellen. Von einer internationalen Investmentgesellschaft ist die Rede, die Verträge seien unterschriftsreif, heißt es. Frisches Kapital soll bereits geflossen sein. „Mit dem zusätzlichen Kapital im Rücken können wir vieles aufräumen – besonders die im Moment oftmals belastete Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern“, heißt es in einem Schreiben von TelDaFax an Vertriebspartner, das Morgenpost Online vorliegt.

Es sollen also offene Rechnungen beglichen und das Geschäft restrukturiert werden. Bereits seit Februar hat TelDaFax zwei neue Eigentümer. Es sind Finanzinvestoren namens Sigma Citation Strategies und CPA Invest. Dahinter sollen der russische Energieversorger Energo Stream und ein deutscher Fonds namens Debi Select stehen.

Bei der Bundesnetzagentur, der Aufsichtsbehörde der Strom- und Gasmärkte in Deutschland, wird TelDaFax bereits beobachtet. „Viele Netzbetreiber haben sich bei uns über die Zahlungsmoral von TelDaFax beschwert“, sagt eine Sprecherin. Allerdings werde derzeit nicht erwogen, dem Unternehmen die Genehmigung zu entziehen.