Firmenpleite

700.000 Teldafax-Kunden bangen um ihr Geld

Verbraucherschützer warnten eindringlich davor: Strom für ein Jahr gegen Vorkasse. Doch genau diesen Rat haben viele Teldafax-Kunden nicht befolgt und müssen jetzt zittern. Der Dienstleister, der sich als Billigstromanbieter einen zweifelhaften Namen gemacht hatte, ist pleite und das Geld vielleicht weg.

Foto: dpa / dpa/DPA

Einer der größten konzernunabhängigen Energiedienstleister, der Billigstromanbieter Teldafax, ist pleite. Das finanziell schwer angeschlagene Unternehmen stellte wegen Zahlungsunfähigkeit beim Bonner Amtsgericht einen Insolvenzantrag. Betroffen seien die Teldafax Holding AG, die Energy GmbH und die Service GmbH, sagte ein Gerichtssprecher auf Anfrage. Es ist die größte Pleite in der deutschen Energiebranche. Dem Vernehmen nach sind bei Teldafax erste Kündigungen per Mail eingegangen.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht den Rechtsanwalt Biner Bähr, Partner der White & Case Insolvenz GbR. „Teldafax hat im Markt in den letzten Monaten viel Vertrauen verloren. Das macht Lösungen nicht einfacher“, erklärte Bähr in einer ersten Stellungnahme. Es wäre aber bedauerlich, wenn ein aktiver und unabhängiger Wettbewerber wie Teldafax aufgeben müsste.

Für die rund 700.000 Strom- und Gaskunden beginnt nun ein Zitterpartie. Hierzu äußerte sich der neue Insolvenzverwalter nicht. Zwar brauchen die vielen Teldafax-Kunden nicht zu fürchten, dass ihre Strom- oder Gasleitungen gekappt werden. Doch für jene Kunden, sich auf einen Tarif mit Vorkasse eingelassen haben, könnte das Geld je nach Insolvenzfortgang endgültig verloren sein. Bähr scheint aber entschlossen zu sein, das Unternehmen zu retten – und hierzu ist auch der Erhalt von möglichst vielen Kunden nötig.

Sollte Teldafax aber seine Kunden abgeben müssen, springt automatisch der Grundversorger ein. Kein Kunde wird am Ende des Tages ohne Strom und Gas dastehen. Die Strom- und Gaspreise des örtlichen Grundversorgers sind aber in der Regel die höchsten unter allen Anbietern. In dem Fall raten Verbraucherschützer immer wieder, den Versorger zu wechseln. Strom- und Gastarife lassen sich unter anderem in Internetportalen wie verivox.de oder toptarif.de vergleichen. Auch ein Wechsel kann hier leicht vollzogen werden.

>>> So wechseln Sie stressfrei den Stromanbieter

Verbraucherschützer forderten, die Aufsichtsrechte der Bundesnetzagentur im Strommarkt müssten gestärkt werden, um Insolvenzen mit hohem Schadensrisiko für Verbraucher zu verhindern. „Es kann nicht sein, das Anbieter mit Dumpingpreisen werben, Vorkasse verlangen und die Verbraucher anschließend im Regen stehen“, sagte Gerd Billen, Vorstand vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Im konkreten Fall sei die Insolvenzgefahr bekanntgewesen, trotzdem habe das Unternehmen um neue Kunden werben dürfen – mit Verträgen, die Jahresvorauszahlungen vorsahen.

Teldafax beschäftigt derzeit nach eigenen Angaben 600 Beschäftigte und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 500 Millionen Euro. Ursprüngliche hatte der Vorstand das Unternehmens das Ziel ausgegeben, in diesem Jahr schwarze Zahlen zu schreiben.

Das Unternehmen aus Troisdorf bei Bonn war schon im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten, weil die Finanzlage wegen der aggressiven Preispolitik immer schwieriger wurde. Vorübergehend konnte sich Teldafax nur über Wasser halten, indem neue Kunden zu dem Unternehmen kamen und die Stromlieferungen im Voraus bezahlten. Doch das Vorgehen, mit Niedrigstpreisen vorübergehend Verluste hinzunehmen, um auf dem Strommarkt schnell Fuß zu fassen, scheiterte. Später räumte Teldafax ein, dass das Unternehmen so nicht profitabel arbeiten könne.

Mit dem Sanierungsexperten Hans-Gerd Höptner holte Teldafax Mitte April einen Manager an Bord, der das Ruder herumreißen sollte. Er kündigte an, dass Unternehmen auf einen neuen Kurs zu setzen. Vor wenigen Wochen jedoch bat Höptner, der sich ursprünglich ein halbes Jahr Zeit lassen wollte, um Teldafax zu sanieren, schon nach rund zwei Monaten den Aufsichtsrat um eine Entbindung von seinen Aufgaben. Offiziell hieß es dazu, dass das Sanierungsgutachten früher fertig geworden sei und der Versorger jetzt prüffähige Abschlüsse vorweisen könne.

Auch ein mehrfacher Wechsel der Gesellschafter konnte die Insolvenz bei Teldafax nicht mehr aufhalten. Zuletzt war der Finanzinvestor Prime Mark Financial Group mit Sitz in Zypern als neuer Gesellschafter eingestiegen. Der neue Hauptgesellschafter, hinter dem sich russische Eigentümer verbergen, pumpte einen weiteren zweistelligen Millionenbetrag in das Unternehmen.