Atomausstieg

Brüderle will Ökostrom-Netze schnell ausbauen

Wirtschaftsminister Brüderle drückt beim Ökostrom aufs Tempo. Bürger und Opposition müssten dafür aber den Ausbau der Netze akzeptieren.

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Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wirbt bei Bürgern und Unternehmen um Unterstützung für den Ausbau der Leitungsnetze für die Erneuerbaren Energien. „Für den Ausbau der Erneuerbaren Energien besteht dringender Handlungsbedarf beim Netzausbau“, sagte Brüderle der Düsseldorfer „Rheinischen Post". „Eines ist klar: Je schneller wir zu den Erneuerbaren wollen, desto mehr müssen wir uns beim Netzausbau anstrengen. Das geht nur, wenn die Akzeptanz vor Ort für den Netzausbau da ist“, sagte Brüderle.

Dazu müssten alle an einem Strang ziehen – auch die Opposition. Man dürfe sich nicht Erneuerbare Energien fordern und dann gegen den Netzausbau protestieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte der „Saarbrücker Zeitung“: „Wer erneuerbare, umweltfreundliche Energie will, der muss auch den Ausbau der dafür nötigen Infrastruktur unterstützen.“ Bei der Kernenergie gebe es zwar eine Übereinstimmung in Deutschland, dass sie nur eine Brückentechnologie sei, bis das Zeitalter der erneuerbaren Energien erreicht sei. „Die Frage ist nur, wie schnell das geht und da wünsche ich mir von unseren politischen Wettbewerbern eine ehrlichere Herangehensweise“, sagte Merkel.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, forderte schnellere Genehmigungsverfahren für den Ausbau des Stromnetzes. „Wenn es zu einem beschleunigten Ausbau des Ökostrom-Anteils kommt, sind Tausende von weiteren Kilometern Stromleitungen nötig“, sagte Kurth der „Passauer Neuen Presse“. „Wer Sorgen vor der Kernenergie hat, muss den nötigen Netzausbau für die Erneuerbaren Energien akzeptieren.“

Kurth versicherte, die Rechte der Bürger sollten nicht eingeschränkt werden. Wenn die Notwendigkeit eines Leitungskonzepts einmal festgestellt sei, dürfe dies aber nicht bei jedem Einzelprojekt wieder in Frage gestellt werden. „Wir sollten anstreben, bisher 15 Jahre Genehmigungs- und Bauzeiten auf zirka 5 Jahre zu verkürzen“, sagte er. Kurth sagte, die Netzbetreiber hätten sich auf einen erheblichen Ausbau der Netze eingestellt. „Neue Leitungen über 800 Kilometer sind vorgesehen. Davon sind allerdings erst zehn Prozent gebaut“, sagte er. „Wenn es zu einem beschleunigten Ausbau des Ökostrom-Anteils kommt, sind Tausende von weiteren Kilometern Stromleitungen nötig“, sagte Kurth. Laut der Deutschen Energie-Agentur würden mehr als 3.000 Kilometer neue Stromleitungen gebraucht.

Das Umweltbundesamt hält eine sofortige Stilllegung von neun Atomkraftwerken für möglich. „Dies ist ohne Einschränkungen der Versorgungssicherheit und ohne zusätzliche Stromimporte möglich“, sagte der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, der „Süddeutschen Zeitung". Neben den sieben ältesten Kernkraftwerken könne auch Krümmel stillgelegt werden.

Flasbarth begründete dies mit den großen Überkapazitäten in Deutschland, die sich derzeit auf 15 Gigawatt beliefen. Ein kompletter Ausstieg aus der Atomenergie sei bereits 2017 möglich. Voraussetzung dafür sei ein weiterer Ausbau erneuerbarer Energien und der bereits geplante Ausbau von effizienten Blockheizkraftwerken und Gaskraftwerken. Flasbarth rechnet dadurch nicht mit wesentlich höheren Kosten. Bis 2050 lasse sich der komplette Strombedarf Deutschlands aus erneuerbaren Energien decken.