Boehringer

Frauen-Viagra erleidet Rückschlag in den USA

US-Gesundheitsexperten haben die Lustpille für Frauen abgelehnt. Die Pille sei nicht effizient genug, um die Nebenwirkungen zu rechtfertigen.

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Die Markteinführung einer von Boehringer Ingelheim entwickelten Lustpille für Frauen ist in den USA in weite Ferne gerückt. Ein Expertenausschuss der US-Gesundheitsbehörde FDA sprach sich gegen eine Zulassung des Präparats Flibanserin aus, das in der Branche auch „Rosa Viagra" genannt wird. Die Pille sei nicht effizient genug, um die mit der Einnahme verbundenen Risiken zu rechtfertigen, sagte die Vorsitzende des Ausschusses, Julia Johnson. Üblicherweise folgt die FDA den Empfehlungen der Beratergremien.

Nach Auffassung aller elf Experten, darunter sieben Frauen und vier Männer, konnte Boehringer nicht nachweisen, dass die Risiken annehmbar seien. Demnach klagten Probandinnen unter anderem über Depressionen und Schwindelgefühle. Die Risiken einer dauerhaften Nutzung müssten besser eingeschätzt werden, sagte eine Expertin des FDA-Gremiums.

Zehn der elf Mitglieder des Ausschusses waren zudem der Ansicht, dass die von dem deutschen Konzern vorgelegten Studien die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt. In den zwei Untersuchungen wurden Tagebucheinträge von Testpersonen ausgewertet. Ein Boehringer-Vertreter zeigte sich enttäuscht. „Wir werden aber weiterhin mit der FDA zusammenarbeiten, um konkrete Fragen des Beratungsausschusses zu beantworten“, erklärte Chris Corsico von Boehringer Ingelheim Pharmaceuticals. Das Unternehmen verwies auf eine weitere Analyse, bei der die Probandinnen befragt wurden und von einem erhöhten Sexualtrieb berichtet hätten.

Die Suche nach einer Lustpille für Frauen wurde auch angespornt durch den Umsatzerfolg des Potenzmittels Viagra von Pfizer, das dem US-Konzern Milliarden bescherte und Wettbewerber wie Bayer und Eli Lilly zu eigenen Entwicklungen antrieb. Laut Schätzungen von Boehringer leidet in den USA eine von zehn Frauen unter Sexualstörungen. Der US-Pharmahersteller BioSante, der selbst an einer Hormonsalbe gegen Sexualstörungen bei Frauen arbeitet, taxiert das Marktpotenzial allein in den USA auf mehr als zwei Milliarden Dollar im Jahr.

Boehringer will sein Mittel mit dem Namen „Girosa“ auf den Markt bringen. Bislang liegen weltweit aber noch keine Zulassungen vor. Flibanserin sollte ursprünglich als Antidepressivum genutzt werden. Dann fanden Forscher heraus, dass der Wirkstoff genau bei den Neurotransmitter-Systemen im Gehirn ansetzt, die eine Rolle beim sexuellen Verlangen spielen. Anders als Viagra zielt es nicht auf die Blutgefäße ab. Zudem muss es über eine längere Zeit eingenommen werden und nicht wie die Pfizer-Pille für Männer erst kurz vor der sexuellen Aktivität.

Schon 2004 hatte ein FDA-Gremium gegen eine Zulassung des Hormonpflasters Intrinsa für Frauen von Procter & Gamble entschieden. Auch sie begründeten dies unter anderem mit dem Fehlen langfristiger Studien.