Der Lebensmitteldiscounter Aldi hat den Preis für Butter deutlich angehoben. Die 250-Gramm-Packung kostete bei Aldi Nord am 1. Oktober 85 Cent. Das waren 20 Cent – also gut 30 Prozent – mehr als zuvor.
Die „Lebensmittelzeitung“ berichtete, der Discounter gebe damit höhere Einkaufspreise an die Verbraucher weiter. Den Preis für Milch selbst allerdings hat Aldi nicht erhöht. Ein Liter frische Vollmilch kostete weiterhin 48 Cent und blieb damit auf dem niedrigen Niveau der vergangenen Monate.
Die Milchbauern in Europa kämpfen seit Monaten um höhere Preise für Milchprodukte. Sie erhielten zuletzt rund 20 Cent pro Liter Milch - notwendig für das Überleben ihrer Höfe wären nach Angaben des Milchbauern-Verbands 40 etwa Cent.
Im Oktober müssen Supermärkte und Molkereien ihre Lieferverträge nun neu aushandeln. Davon ist auch der Preis abhängig, den die Molkereien den Bauern zahlen. Aldi gilt als Signalgeber im Einzelhandel, dem die anderen Discounter und Supermärkte mit kurzem Abstand folgen.
Aldi hatte zuletzt Preise für Lebensmittel deutlich gesenkt, beispielsweise für eine Ringsalami von 3,79 Euro auf 3,55 Euro und für eine Flasche Prosecco von 5,49 Euro auf 4,99 Euro. Mit den Preissenkungen ging Deutschlands führender Discounter voran, die Konkurrenz reagierte prompt.
So setzte auch Lidl im September wieder den Rotstift an: Eine 1,5 Liter-Flasche Cola kostet derzeit nur noch 44 Cent - 46 Prozent als zuvor. Ein Karton spanischer Rotwein ist für 16 statt 23,94 Euro zu haben. Zum Herbst hin hat sich der schon lange andauernde Preiskampf unter den Billigmärkten noch einmal verschärft.
Dabei profitieren die Discounter nicht so stark von der Wirtschaftskrise wie ursprünglich erwartet. „Die Discounter wachsen zwar weiter, aber nicht in dem Maße, wie vermutet“, sagte Wolfgang Twardawa vom Marktforschungsinstitut GfK in Nürnberg. Es tobe gerade ein enormer Wettbewerb.
Druck käme auch von den herkömmlichen Supermärkten, die ebenfalls ständig die Preis senken. Problem sei zudem, dass die Verbraucher die Krise bislang nicht so stark in ihren Portemonnaies zu spüren bekommen. Und auch eine Verschärfung der Situation mit höherer Arbeitslosigkeit dürfte nicht „zu einem größeren Schub zugunsten der Discounter“ führen.
„Das potenzielle Klientel ist schon weitgehend ausgeschöpft“, betonte Twardawa. Er beobachtet eine Kannibalisierung. Die rund 15.000 Discounter haben mittlerweile einen Marktanteil von gut 42 Prozent. „Da ist nicht mehr viel zu holen.“ Nun werde versucht, Wachstum verstärkt durch die Eröffnung neuer Filialen zu generieren.
Wenn „es aber alle 200 Meter einen Lidl, Aldi oder Norma gibt“, sei ein geringerer Umsatz pro Laden die Folge. Nach GfK-Einschätzung hatte beispielsweise Aldi im ersten Halbjahr 2009 einen Umsatzrückgang von 4,1 Prozent hinnehmen müssen.Problem sei auch, dass das Geschäft mit Strümpfen, Computern und Kettensägen nicht mehr so gut laufe. „Jeder bietet mittlerweile Nonfood beziehungsweise Aktionsware an.“
AFP/dpa/oht




