Boykott

Innenministerium verweigert sich dem E10-Benzin

Selbst die Fahrzeuge des Innenministeriums und der Bundespolizei werden bislang nicht mit dem neuen Biosprit betankt. Auch andere sind skeptisch.

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Selbst in Bundesbehörden stößt der neue Biosprit E10 auf Skepsis. Die Dienstfahrzeuge des Innenministeriums werden bislang nicht mit dem umstrittenen Biokraftstoff betankt. Man wolle erst prüfen, „ob Teile des Fuhrparks E10-tauglich sind“, sagte ein Sprecher dem "Spiegel".

Gleiches gelte für die dem Innenminister unterstellten Behörden, also auch für die Bundespolizei. Das Ministerium befürchte zudem, dass Einsatzfahrzeuge des Technischen Hilfswerks (THW) den Biosprit möglicherweise nicht vertragen.

Vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass auch die Polizei in Schleswig-Holstein kein E10 tanken kann. Auf einem „Benzingipfel“ hatten Bundesregierung und Mineralölindustrie beschlossen, bei den Autofahrern für mehr Vertrauen in den neuen Kraftstoff zu werben.

Bisher hielten sich viele Autofahrer beim E10-Tanken trotz höherer Preise für das herkömmliche Super und Super Plus zurück. Zwar vertragen die allermeisten Autos den neuen Sprit, eine Falschbetankung kann jedoch den Motor beschädigen.

Nach einem Umfrage des Leasingfinanzierers LeaseTrend bei 100 großen Autohändlern geben 63 Prozent der Betriebe an, ihren Kunden von dem Biosprit abzuraten. Das berichtet die „Wirtschaftswoche“. Die Händler befürchten anscheinend, für eine mögliche Fehlbetankung in Haftung genommen zu werden.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) macht nach Informationen der Morgenpost Online die Mineralölkonzerne für die Probleme bei der Einführung des Biokraftstoffs E10 verantwortlich und fordert die Unternehmen auf, rasch etwas gegen die Absatzprobleme zu tun. „Über die Einführung hat das zuständige Umweltministerium intensiv informiert, und die Mineralölwirtschaft kann jetzt nicht so tun, als ginge sie das alles nichts an“, sagte der CSU-Politiker. „Die Mineralölwirtschaft weiß sonst auch ganz genau, wie man Märkte durchdringt und die Nachfrage ankurbelt. Genau das erwartet die Bundesregierung jetzt von den Konzernen.“

Auch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) warb für den Biosprit. Den „Ruhr Nachrichten“ sagte sie: „Jeder weiß: Wir brauchen Alternativen zum Öl. In anderen Ländern haben sich Treibstoffe mit höherer Bio-Beimischung längst durchgesetzt.“