Gute Nachrichten für alle Beschäftigten: Auch in diesem Jahr zahlen die meisten Berliner Unternehmen Weihnachtsgeld, wie eine Umfrage von Morgenpost Online unter den 50 größten Firmen ergab. Der Aufschwung kommt bei den Sonderzahlungen allerdings nicht an. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) beschwört bereits seit September das Jobwunder und macht sich dafür stark, dass eine boomende Wirtschaft auch mehr Geld für den einzelnen Bürger mit sich bringen muss. Brüderle hofft, durch höhere Löhne auch die Binnenkonjunktur anzukurbeln – wenn die Lohnempfänger ihr Geld nicht sparen, sondern in Anschaffungen investieren. Das könnten ja auch Weihnachtsgeschenke sein.
Doch bisher macht sich das erwartete Wirtschaftswachstum nicht im Geldbeutel des Einzelnen bemerkbar – und damit stagniert auch die Höhe des Weihnachtsgeldes, das die meisten der 50 größten Firmen in Berlin prozentual zum Bruttogehalt zahlen. Allerdings stagniert das Weihnachtsgeld auf hohem Niveau, denn auch im Krisenjahr 2009 zahlten nahezu alle Firmen ihren Mitarbeitern einen Bonus zur Weihnachtszeit.
Zwei Monatsgehälter zusätzlich
Von den größten Berliner Unternehmen zahlen viele ein komplettes 13. Monatsgehalt. Vor allem bei den Banken kann die Zahlung auch noch höher ausfallen. Je nach Unternehmensergebnis und dem Resultat der Geschäftssparte erhalten die Mitarbeiter der Deutschen Bank etwa bis zu zwei Monatsgehälter, aufgesplittet in je eine Zahlung im November und im Frühjahr.
Sonst variieren Form und Höhe des Weihnachtsgeldes je nach Unternehmen stark. Die meisten Firmen orientieren sich an den im Tarifvertrag festgehaltenen Regelungen zum Weihnachtsgeld, sie zahlen bis zu 90 Prozent eines Bruttolohnes wie etwa der Klinikkonzern Vivantes oder aber zwischen 52,5 und 62,5 Prozent wie der Einzelhändler Kaufland.
Für vier Unternehmen, die nach Tarif zahlen, ist dabei die Dauer der Betriebszugehörigkeit ausschlaggebend für die Höhe des Weihnachtsgeldes. Siemens und Daimler etwa richten sich nach dem Flächentarifvertrag der IG Metall, sie zahlen nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit 25 Prozent, ab drei Jahren Betriebszugehörigkeit gibt es 55 Prozent. Ähnlich staffeln sich die Sonderzahlungen in der Systemgastronomie – McDonald's Deutschland zahlt Mitarbeitern ab dem elften Monat Betriebszugehörigkeit mindestens 415 Euro und später maximal 100 Prozent des Bruttolohnes.
Sechs Unternehmen machten zu ihren Weihnachtsgeld-Regelungen keine Angaben, häufig, weil die Struktur der Verträge und Zahlungsmodi sehr komplex ist. So auch bei der Lufthansa. Sie zahlt ihren Mitarbeitern ein Weihnachtsgeld von 50 Prozent des Bruttolohnes, für das fliegende Personal in Kabine und Cockpit verteilt sich das Gehalt jedoch über zwölf Monate, eine Sonderzahlung im November ist nicht vorgesehen. Für solch eine Regelung hat sich auch die Deutsche Telekom entschieden. Deutsche Post DHL und die Deutsche Postbank zählen aus den Zeiten vor der Privatisierung noch Beamte zu ihren Mitarbeitern, sie erhalten, anders als die Angestellten, kein Weihnachtsgeld.
Einmalig 1000 Euro
Bei der BSR steigt die Höhe des Weihnachtsgeldes nicht mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Stattdessen erhalten Angestellte in höheren Gehaltsstufen 60 Prozent ihres Lohnes, für Geringverdiener gibt es hingegen 90 Prozent ihres Einkommens obendrauf. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und ihre Tochterfirma BT Berlin Transport zahlen zu den Festtagen keinen prozentualen Anteil des Gehaltes aus, sondern an alle ihre Mitarbeiter einmalig 1000 Euro.
Das Unionhilfswerk Berlin hat sich entschlossen, kein Weihnachtsgeld zu zahlen. Doch auch hier kommen die Mitarbeiter auf ihre Kosten, zwei Mal jährlich erhalten sie eine erfolgsabhängige Sonderzahlung. Nur sehr niedrige Zahlungen erhält ein Teil der Mitarbeiter von Securitas, die Sicherheitsfirma zahlt ab 20 Prozent des Gehaltes.
Für die Mitarbeiter des Karstadt-Konzerns ist dieses Weihnachten das erste nach der Insolvenz, das auch wieder Hoffnung bringt. Die Warenhauskette hatte im Juni 2009 Insolvenz angemeldet, mehr als ein Jahr lang war unklar, ob es weitergeht. Anfang September erhielt Investor Nicolas Berggruen nach langem Geschacher den Zuschlag, seitdem wird am Konzept für die Rettung gefeilt.
Für die Mitarbeiter bedeutet die Karstadt-Rettung zunächst einmal, dass ihre Arbeitsplätze bis August 2012 gesichert sind. Im Gegenzug verzichten sie auf vieles – insgesamt 150 Millionen Euro Personalkosten sollen gespart werden. Dennoch dürfte es für die Angestellten ein gutes Signal sein, dass sie zu den Feiertagen ein Weihnachtsgeld von 25 Prozent des Bruttolohnes erhalten.
Mitarbeit: mol


