SGL Carbon

Karbonfasern im Automobilbau sichern die Zukunft

Der Hersteller des extrem harten Materials will mit den Großen der Branche, BMW und VW, gute Geschäfte machen.

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Fußball gehört wohl nicht zu den Lieblingsthemen von Robert Koehler. „In Deutschland scheint es besonders wichtig zu sein, was der van Gaal oder der Magath machen“, schildet der Vorstandsvorsitzende des Kohlenstoffspezialisten SGL Carbon seinen aktuellen Eindruck. Dabei gebe es derzeit zahlreiche wichtigere Dinge als die Vorkommnisse im heimischen Ballsport – die Frage der Rohstoffversorgung zum Beispiel oder die Auswirkungen der dramatischen Ereignisse in Japan. Denn beides könne mittel- bis langfristig noch erhebliche Konsequenzen für die weltweite Industrielandschaft haben.

SGL Carbon allerdings scheint davon vorerst nicht betroffen zu sein. Koehler jedenfalls prognostiziert seinem Unternehmen für die kommenden Jahre allen Risiken zum Trotz glänzende Geschäftszahlen. So soll sich der Umsatz bis 2015 auf rund 2,5 Milliarden Euro nahezu verdoppeln. Und dabei sind Akquisitionen, die aus Koehlers Sicht durchaus wahrscheinlich sind, ebenso wenig eingerechnet wie die Millionenerlöse aus den zahlreichen Gemeinschaftunternehmen von SGL, also etwa mit BMW und Benteler oder mit Brembo und Repower.

Parallel zum Umsatz stellt Koehler nach etlichen Jahren mit hohen Investitionen und geringen Erträgen auch kräftige Steigerungen beim Konzernergebnis in Aussicht. Der Manager kann sich daher vorstellen, ab 2012 wieder eine Dividende zu zahlen. Und das gab es beim M-Dax-Konzern aus Wiesbaden zum letzten und bislang einzigen Mal im Jahr 1998.

Grund für den ausgeprägten Optimismus der Hessen ist die steigende Beliebtheit von Karbonfasern. Das Material, das härter und trotzdem um ein Vielfaches leichter ist als Stahl, kommt mittlerweile in Branchen wie der Autobobilindustrie, der Luftfahrt, der Wind- und Solarenergie oder der Klimatechnik im großen Stil zum Einsatz.

Mit dem Autobauer BMW zum Beispiel entwickelt SGL Carbon derzeit ein ultraleichtes Elektroauto aus Karbonfasern. Koehler zeigt sich darüber hinaus aber auch offen für die Zusammenarbeit mit anderen Autoherstellern. „Wir arbeiten mit allen Konzernen zusammen, die an dieser Technologie interessiert sind“, sagte der Firmenchef bei der Bilanzvorlage in Frankfurt.

Dazu gehört auch VW. Erst recht, seit Europas größter Autobauer kürzlich überraschend acht Prozent der SGL-Aktien erworben hatte und nun nach BMW-Investorin Susanne Klatten der größte Anteilseigner von SGL Carbon ist. Bislang spricht man in Wolfsburg von einer reinen Finanzbeteiligung.

Branchenkenner können sich allerdings vorstellen, dass sich daraus schon bald eine strategische Allianz entwickelt. Zumal VW das Material dem Vernehmen nach sehr schätzt. Bei seinen Premiumtöchtern Audi und Posche etwa arbeitet der Konzern schon seit seit Jahren bei Keramik-Karbon-Bremsen mit SGL zusammen.

Das innige Verhältnis zu BMW soll sich durch den VW-Einstieg aber nicht ändern. „Über die Unternehmensstrategie entscheidet der Vorstand, nicht ein Großaktionär“, stellt Robert Koehler klar. Und 62-Jährige wird bei strategischen Entscheidungen auch in den kommenden Jahren die Hauptrolle spielen. Denn der Aufsichtsrat hat den Vertrag des dienstältesten Vorstandsvorsitzenden eines börsennotierten Unternehmens in Deutschland jüngst um weitere drei Jahre verlängert.

Ursprünglich hatte der Manager Ende des Jahres in Pension gehen wollen. Nach dem Abgang seines designierten Nachfolgers Hariolf Kottmann – er ist heute Vorstandschef des Schweizer Chemiekonzerns Clariant – hat sich Koehler zur Vertragsverlängerung überreden lassen. Nun soll er bis Ende 2014 einen Nachfolger finden und aufbauen, möglichst aus den eigenen Reihen.

Zu den Kandidaten gehört dementsprechend auch der aktuelle Finanzvorstand Jürgen Muth. Er verkündete sogleich gute Zahlen für 2010. Beim Umsatz etwa meldet er dank des weltweiten Konjunkturaufschwungs ein Plus von 13 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro. Unter dem Strich standen dabei 52 Millionen Euro nachdem es im Vorjahr noch ein Minus von 48 Millionen Euro gegeben hatte.