Norbert Reithofer

BMW-Chef erwartet Subventionen für E-Autos

BMW-Chef Norbert Reithofer hält die Einführung des Elektroautos für alternativlos. Durchsetzen werde es sich aber nur mit einem "intelligenten Maßnahmenmix".

Morgenpost Online: Herr Reithofer, in dem Ranking eines Magazins wurden Sie jüngst als einer der "100 einflussreichsten Deutschen" gelistet. Fühlen Sie sich so einflussreich?

Norbert Reithofer: Mit Sicherheit verfügt man als Vorstandschef eines Konzerns wie BMW über einiges an Gewicht, aber ob ich wirklich so einflussreich bin ... müssen andere beurteilen.

Morgenpost Online: Aber die Autoindustrie hat schon besonderes Gewicht in Deutschland und findet sicher ein besonders offenes Ohr bei der Politik, oder?

Norbert Reithofer: Was ja nicht verwunderlich ist. Die Branche steht für viele Arbeitsplätze, sie ist der innovativste Wirtschaftszweig im Land.

Morgenpost Online: Sie wurden in der Best-of-Liste als der "Risikofreudige" apostrophiert. Wie kommt denn das? Als Player und Vabanque-Spieler wirken Sie nun überhaupt nicht.

Norbert Reithofer: Das bin ich in der Tat nicht. Ich weiß, worauf Sie anspielen: auf den BMW i3, unser zukünftiges Elektroauto aus Karbon ...

Morgenpost Online: ... was ziemlich sicher ein Projekt mit erheblichen Risiken ist.

Norbert Reithofer: Das Projekt ist von großer strategischer Bedeutung für uns und macht das Unternehmen fit für die Zukunft. Ich bin davon überzeugt, dass die Bedeutung von Elektrofahrzeugen immer mehr zunehmen und es auch einen Markt dafür geben wird. Schauen Sie sich beispielsweise an, was derzeit in den arabischen Ländern passiert. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Rohölpreise weiter anziehen, Benzin also noch deutlich teurer wird. Da haben Sie zusätzlich zum Umweltgedanken das beste Argument für Elektroautos. Im Übrigen brauchen wir ein solches Fahrzeug, um die gesetzlichen Vorgaben in den verschiedenen Ländern bei CO2-Emissionen zu erfüllen.

Morgenpost Online: BMW geht einen Sonderweg, setzt auf das Batterieauto aus Karbon, einem extrem teuren und schwer zu verarbeitenden Werkstoff. Was macht Sie so sicher, dass die Probleme bei der Produktion beherrschbar sind? Die Flugzeugindustrie ist an Karbon verzweifelt, Boeing hat viele Millionen Lehrgeld zahlen müssen.

Norbert Reithofer: Wir haben hier eine gute und innovative Lösung gefunden. Die Batterie macht das Elektroauto schwer. Um effektiv zu sein, müssen wir das Fahrzeug daher leichter machen. Da ist es richtig, dass BMW diesen Werkstoff einsetzt, denn weniger Gewicht bedeutet mehr Reichweite. Übrigens wird der BMW i3 nicht völlig aus karbonfaserverstärkten Kunststoffen bestehen.

Morgenpost Online: Beunruhigt Sie es, dass der Volkswagen-Konzern bei Ihrem Karbonlieferanten SGL Carbon eingestiegen ist?

Norbert Reithofer: Ich finde das sehr interessant, möchte das aber derzeit nicht weiter bewerten.

Morgenpost Online: Das ist jetzt aber keine Antwort.

Norbert Reithofer: Als wir unser Gemeinschaftsunternehmen mit SGL Carbon gegründet haben, gab es in der Branche eine gewisse Skepsis hinsichtlich des Einsatzes von kohlefaserverstärkten Kunststoffen im Automobilbau. Das scheint sich nun zu ändern.

Morgenpost Online: Was wird das E-Karbon-Mobil, der i3, eigentlich kosten?

Norbert Reithofer: Klar ist, dass das kein besonders preisgünstiges Fahrzeug wird. Ich bitte um Verständnis, dass ich den Vorschlägen der Nationalen Plattform Elektromobilität nicht vorgreifen möchte. Wir werden sicher für die Zeit 2012 bis 2017 einen intelligenten Maßnahmenmix für private und gewerbliche Käufer brauchen, um auf signifikante Stückzahlen zu kommen.

Morgenpost Online: Elektroautos werden teuer sein. Wer soll sich eigentlich solche Fahrzeuge kaufen? Experten spötteln, Batterieautos werden die Drittautos für Reiche mit Ökofimmel.

Norbert Reithofer: Das glaube ich nicht, Elektroautos wie der BMW i3 werden eine breite Käuferschaft finden. Das ist ein vollwertiges Produkt, mit ausreichend Platz und vier Türen. Aber natürlich wird es ein umweltaffiner Kundenkreis sein. Zudem haben wir natürlich das Flottengeschäft im Auge. Die Nachfrage nach E-Fahrzeugen wird in diesem Bereich zukünftig steigen, das ist keine Frage.

Morgenpost Online: Egal, was es kostet, Geld verdienen werden Sie mit dem BMWi wohl vorerst nicht. Nick Reilly hat jüngst gesagt, Opel werde vier, fünf Jahre mit jedem verkauften Elektroauto Ampera Geld verlieren. Wie sieht das bei BMW aus?

Norbert Reithofer: Wir haben das Ziel, bereits in der ersten Generation mit dem Fahrzeug Geld zu verdienen, auch wenn wir es zunächst quersubventionieren müssen. In welchem Umfang und wie lange, hängt von den Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern ab. Also ob es beispielsweise Kaufanreize gibt. Oder ob bestimmte Ballungsräume E-Fahrzeuge besonders fördern, indem Autos mit Verbrennungsmotor mautpflichtig werden oder für Parkplätze mehr bezahlen müssen. Der Durchbruch der Elektromobilität hängt also von vielen Faktoren ab, die für uns nicht so kalkulierbar sind wie beispielsweise die Einführung eines neuen 3er BMW. Dennoch sehe ich keine Alternative, die Elektromobilität ist eine Zukunftstechnologie.

Morgenpost Online: Die Investitionen von BMW in die E-Autos sind enorm. Bringt das nicht Ihre ehrgeizigen Renditeziele in Gefahr?

Norbert Reithofer: Nein, unser Ziel einer Umsatzrendite von acht bis zehn Prozent im Segment Automobile im Jahr 2012 steht. Einige Analysten haben gefragt, warum es nicht zwölf Prozent sind. Die Antwort lautet, dass wir auch in Zukunft beachtliche Investitionen vornehmen müssen. Wir arbeiten an einer gemeinsamen Architektur im Premium-Kleinwagen- und Kompaktsegment für Front- und Allradantrieb oder beispielsweise alternativen Antrieben wie Elektromobilität. All das kostet erst einmal Geld.

Morgenpost Online: Der Hype um die E-Autos ist gewaltig, auch in Genf stehen die Stromer im Mittelpunkt. Aber ist das wirklich die Zukunft des Automobils?

Norbert Reithofer: Man sollte auch das Thema Wasserstoff-Antrieb nicht aus den Augen verlieren, aber in den kommenden zwei Jahrzehnten wird die Elektrifizierung von Fahrzeugen im Mittelpunkt stehen. Wir werden zudem die Otto- und Dieselmotoren noch effizienter machen und auch Dreizylindermotoren einsetzen.

Morgenpost Online: Was fahren Sie eigentlich privat? Wohl eher keinen E-Mini, oder?

Norbert Reithofer: Einen BMW 7er und einen X1.

Morgenpost Online: Aber getestet haben Sie den E-Mini doch sicher schon. Wie ist denn das Fahrgefühl in einem solchen Batteriemobil?

Norbert Reithofer: Einfach super. Meine erste Testfahrt war im Werk München. Es war sensationell, wie das Auto beschleunigt hat. Es ist ein vollwertiges Fahrzeug und bietet jede Menge Freude am Fahren.

Morgenpost Online: Aber eher nichts für Langstreckenfahrten auf der Autobahn.

Norbert Reithofer: Dafür ist es ja auch nicht gedacht. Bei Tempo 150 wird der BMW i3 vermutlich abgeregelt.

Morgenpost Online: Neben dem Mini gibt es den 1er, künftig eine neue Fahrzeugklasse von Kompaktwagen mit Frontantrieb, die Sie neue Architektur nennen, außerdem auch den BMW i3 - droht nicht die Gefahr, dass sich BMW im Bereich kleinerer Premium-Autos mit diesem großen Angebot selbst kannibalisiert?

Morgenpost Online: Diese Gefahr sehe ich nicht. Wir haben im Jahr 2010 rund 230 000 Minis verkauft, 200 000 1er und 100 000 X1. Mehr als 500 000 Einheiten ist schon ein ganz ordentlicher Prozentsatz. Ich bin sicher, dass wir mit kleineren Fahrzeugen neue Kunden gewinnen. So wie mit dem 1er. Bei diesem Fahrzeug waren etwa 60 bis 70 Prozent der Käufer vorher keine BMW-Fahrer. Wir wollen 2020 zwei Millionen Autos verkaufen, davon 40 Prozent in der Klasse der Kompaktwagen.

Morgenpost Online: In wenigen Tagen legt BMW Zahlen für 2010 vor. Was haben wir zu erwarten?

Norbert Reithofer: Warten Sie es ab. Wir haben 2010 weltweit 1,46 Millionen Autos abgesetzt, für dieses Jahr peilen wir einen Rekordabsatz von über 1,5 Millionen Autos an. Das Jahr hat gut begonnen, im Januar und Februar konnten wir den Absatz im Vergleich zu den Vorjahresmonaten jeweils um mehr als 20 Prozent steigern.