Tarifstreit

Lokführer legen erneut den Zugverkehr lahm

Wieder Ärger für die Bahnfahrer: Die Lokführer streiken seit 8.30 Uhr erneut im gesamten Bundesgebiet. Allerdings gibt es wohl regionale Schwerpunkte.

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) hat ihre Mitglieder für den Vormittag erneut zu Warnstreiks aufgerufen. Die Züge sollen in der Zeit zwischen 08.30 bis 11.30 Uhr stillstehen – eine Stunde länger als bei der ersten Warnstreikwelle am Dienstag. Bestreikt werden wiederum die Deutsche Bahn AG und ihre sechs größten Konkurrenten (G6), wie die GDL mitteilte. Der Umfang der Arbeitsniederlegungen werde in etwa dem vom Dienstag entsprechen, kündigte ein Sprecher an.

Regionale Schwerpunkte sind dieses Mal das Rhein-Main-Gebiet, Stuttgart und Hamburg. Ausgenommen bleibt die Berliner S-Bahn, die aus technischen Gründen ohnehin nur eingeschränkt fährt. Man wolle verantwortungsvoll mit der Streikmacht umgehen, erklärte die GDL. Die Deutsche Bahn kritisierte den erneuten Warnstreik-Aufruf scharf. Die angekündigten weiteren Arbeitsniederlegungen seien „so überflüssig wie ein Kropf“, sagte eine Bahnsprecherin. Statt weiterzuverhandeln, treibe die GDL „ihr Spiel zu Lasten der Kunden unbeirrt weiter“.

Der Gewerkschaft scheine reine Machtdemonstration wichtiger zu sein als ernsthafte Lösungen für alle Lokführer. Ein zuverlässiger Verhandlungspartner verhalte sich anders. Um die Folgen für die Reisenden so gering wie möglich zu halten, werde die Bahn mehrere hundert zusätzliche Mitarbeiter einsetzen, hieß es dort. Verstärkt werde vor allem das Service-Personal an den Bahnhöfen und am Info-Telefon. Beim Zugausfällen oder Verspätungen wegen des Streiks könnten sich Reisende Fahrkarte und Reservierung kostenlos erstatten lassen. GDL-Chef Claus Weselsky forderte die Arbeitgeber auf, sich zu bewegen: „DB und G6 müssen jetzt deutlich nachbessern, um weitere Arbeitskämpfe abzuwenden.“

Die GDL nimmt nach eigenen Worten Rücksicht auf Pendler. „Wir haben absichtlich heute eine Zeit gewählt, die den Berufsverkehr nicht mehr tangiert“, sagte Weselsky. „Wer das also seit gestern Abend 18.00 Uhr weiß, konnte sich heute früh drauf einstellen.“ Zwar räumte Weselsky ein, dass der für 08.30 Uhr bis 11.30 Uhr geplante Ausstand Auswirkungen bis zum Abend haben werde – aber auch diese Behinderungen sollen sich in Grenzen halten: „Natürlich beginnt dann der Rückreiseverkehr für Wochenendpendler. Dort wird es zu Verzögerungen kommen, aber der Bahnverkehr wird weitestgehend pünktlich rollen“, versprach der Gewerkschafts-Boss.

"Gelbe Karte" für die Bahn

Der neuerliche Warnstreik sei die gelbe Karte für die Unternehmen und „ihr perfides Spiel auf Zeit“. Die Gewerkschaft will einheitliche Tarifbedingungen für die rund 26 000 Lokführer bei nahezu allen Bahnunternehmen in Deutschland durchsetzen. Parallel läuft eine Urabstimmung über unbefristete Streiks, die am 7. März ausgezählt werden soll. Die Lokführer hatten bereits am Dienstagmorgen in ganz Deutschland den Schienenverkehr für zwei Stunden massiv behindert.

Die Gewerkschaft hatte bei einem Zugausfall von 80 Prozent von einem „vollen Erfolg“ gesprochen und mit heftigeren Aktionen gedroht. In der Urabstimmung lässt die GDL alle aktiven Mitglieder über weiterreichende Streiks abstimmen. Sie gilt als angenommen, wenn mehr als 75 Prozent der Teilnehmer zustimmen. Die Stimmzettel sollen am 7. März, dem Rosenmontag, ausgezählt werden. Die GDL will einheitliche Tarifstandards für rund 26.000 Lokführer in der gesamten Bahnbranche durchsetzen. Ein Kernpunkt sind einheitliche Einkommen auf dem Niveau des Marktführers Deutsche Bahn (DB) auch bei privaten Konkurrenten, die teilweise derzeit noch bis zu 30 Prozent darunterliegen. Ihnen hält die GDL vor, Verhandlungen über einen Flächentarifvertrag komplett zu verweigern

Die Bahn hat eine kostenlose Hotline geschaltet: Unter der Rufnummer 08000-996633 können sich Fahrgäste über die konkreten Auswirkungen der Aktionen informieren. Kunden im Ausland erhalten Informationen unter 0049-1805 334444.