Lokführerstreik

Nach Urabstimmung droht überall Fahrplanchaos

An diesem Montag will die GDL das Ergebnis der Urabstimmung der Lokführer präsentieren. Schon am Dienstag könnten die Streiks beginnen.

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Nach dem Ende der Urabstimmung unter ihren Mitgliedern will die Lokführergewerkschaft GDL am heutigen Montagnachmittag das Ergebnis präsentieren. Die Zeichen stehen auf Streiks im Bahnverkehr – die GDL erwartet eine klare Zustimmung der Gewerkschafter. Dann könnten aus den dreistündigen Warnstreiks an ausgesuchten Orten längere, flächendeckende Arbeitsniederlegungen werden. Das Chaos scheint vorprogrammiert. Nicht nur zigtausende Bahnreisende und Pendler müssen sich auf aufgefallene Züge und massive Verspätungen einstellen. Auch der Güterverkehr soll nun einbezogen werden.

Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat unterdessen der Lokführergewerkschaft GDL angeboten, im festgefahrenen Tarifstreit mit den Bahn-Arbeitgebern zu vermitteln. "Wenn man mich bittet, noch einmal zu schlichten, wäre ich dazu bereit", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". Er halte es für geboten, dass die GDL das Angebot der Deutschen Bahn und der sechs Privatbahnen, sich an einen Tisch zu setzen, annehme. Dann sollte sie auf der Grundlage des bereits erzielten Branchentarifvertrags weiter verhandeln.

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky rechnet damit, dass über 90 Prozent der Lokführer bei der Urabstimmung für einen Arbeitskampf stimmen. Dann könnten die Streikaktionen schon ab Dienstag massiv ausgeweitet werden. Der Deutsche Industrie-und Handelskammertag (DIHK) warnte vor möglichen schweren Folgen für die deutsche Wirtschaft. Streiks im Schienengüterverkehr könnten bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen führen. Eine Verlagerung der Transporte auf die Straße oder das Binnenschiff sei kurzfristig oft nicht möglich.

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn hat angesichts des bevorstehenden Ausstands die Lokführergewerkschaft GDL dazu aufgefordert, künftig "andere Formen des Streiks" zu nutzen. Der Streik sollte vor allem die Bahnunternehmen treffen und nicht in erster Linie die Fahrgäste, sagte Verbandschef Karl-Peter Naumann der "Passauer Neuen Presse". "Es kann nicht sein, dass die Kunden von den Gewerkschaften als Geiseln genommen werden, obwohl sie eigentlich dieselben Interessen haben wie die Gewerkschaften."

In einer Ausweitung der Streiks auf den Güterverkehr sieht der Fahrgast-Verbandschef die Gefahr, dass dies negativ auf die Lokomotivführer zurückschlagen könnte. Wenn der Schienenverkehr nicht zuverlässig laufe, würden nicht nur Fahrgäste, sondern auch die Unternehmen wieder verstärkt auf die Straße wechseln. Wenn es weniger Fahrgäste und weniger Fracht für die Bahn gebe, werde auch der Bahnverkehr abnehmen, und dann würden auch weniger Lokführer benötigt. Naumann: "Der Bahn droht eine Abwanderung von Kunden. Das könnte auch weitere Arbeitsplätze im Bereich des Schienenverkehrs kosten. Die Streiks wären dann kontraproduktiv gewesen."

Die GDL will einheitliche Tarifbedingungen für rund 26.000 Lokführer auf dem Niveau der Deutschen Bahn (DB). Diese Forderung hat sie in den vergangenen zwei Wochen mit drei Warnstreiks unterstrichen. Betroffen von den Warnstreiks waren sowohl die DB als auch deren Konkurrenten, die Lokführer zu schlechteren Konditionen beschäftigen. Die Verhandlungen sind festgefahren, sechs Anbieter wollen auch nicht mehr gemeinsam mit der GDL sprechen.