Die Berliner Flughäfen haben nach sinkenden Fluggastzahlen im vergangenen Jahr wieder mehr Passagiere dazugewonnen. So flogen im Oktober 2,25 Millionen Passagiere von und nach Berlin. Das sind 10,6 Prozent mehr Fluggäste als im Vorjahresmonat.

Für den Flughafen Schönefeld lag das Plus bei 8,6 Prozent, für Tegel sogar bei 11,6 Prozent. Damit scheint die Wirtschaftskrise, die im vergangenen Jahr noch für ein Minus von zwei Prozent gesorgt hatte, auch Berliner Luftverkehrsmarkt überwunden zu sein. Denn nach den ersten zehn Monaten dieses Jahres liegt das Wachstum bei 6,4 Prozent. Flughafenchef Rainer Schwarz erwartet daher auch in diesem Jahr „deutlich mehr als 22 Millionen Passagiere“ an beiden Airports. 2009 waren es knapp 21 Millionen Fluggäste. Beim Luftfrachtaufkommen kann der Flughafen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres sogar auf ein Wachstum von 34,1 Prozent verweisen.

Mit dem Winterflugplan, der am 31. Oktober aufgenommen wurde, können von Berlin aus 131 Ziele in 50 Ländern angeflogen werden – nach Angaben des Flughafens war Berlin im Winter „noch nie so eng mit der Welt verbunden“. Von den 131 Zielen werden 16 im Inland, 91 in Europa und 24 außerhalb Europas angeflogen. Neu in diesem Winter sind Verbindungen von Billigflieger Easyjet nach Amsterdam, Göteborg und Lyon. Easyjet startet von Schönefeld. Von dort bietet die Schweizer Airline Sky Work jetzt auch Flüge nach Bern an. Air Berlin bietet von Tegel Flüge nach Basel sowie nach Dubai, Mombasa und Miami an.

Um das Luftverkehrswachstum in der Hauptstadtregion nicht zu behindern, ist der unabhängige Parallelbetrieb der beiden Start- und Landebahnen am künftigen Hauptstadtflughafen BBI „unabdingbar“. Darauf hatte die Flughafengesellschaft in der Diskussion über die BBI-Flugrouten erst am Montag dieser Woche erneut hingewiesen. Der unabhängige Parallelstart, der es zulässt, dass zwei Flugzeuge gleichzeitig von beiden Startbahnen abheben können, verlangt aus Sicherheitsgründen ein Abknicken der Flugrouten von insgesamt 15 Grad.

Wie berichtet hat die Deutsche Flugsicherung Anfang September Flugrouten vorgestellt, die jeweils um 15 Grad abknicken und damit auch über Berliner Gebiet und andere Brandenburger Gemeinden führen. Im BBI-Planfeststellungsbeschluss war von gradlinigen Abflugrouten ausgegangen worden.

Senat muss Fragen zu Flugrouten beantworten

Das Thema Flugrouten beschäftigt nun auch das Abgeordnetennhaus. Der Senat wird eine Große Anfrage der FDP zum Thema „Flugrouten über Berlin – Berliner Bürger fragen den Senat“ beantworten. Die FDP hat einen umfangreichen Fragenkatalog vorgelegt. So wird zum Beispiel nach den Verantwortlichen für das derzeitige Flugroutendesaster oder zur Rolle des Regierenden Bürgermeisters in der Debatte um die Flugrouten gefragt.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND Berlin) kritisierte unterdessen den Regierenden Bürgermeister. „Der Kampf von Klaus Wowereit und dem Berliner Senat gegen den Fluglärm offenbart sich als absolut scheinheilig“, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser. Während sich Wowereit dem Kampf gegen die neuen Flugrouten anschließe, engagiere sich das Land Berlin im Bundesrat gegen die Einführung der Luftverkehrssteuer und damit gegen Klima- und Lärmschutz.

Indessen hat die Bürgerinitiative „Zeuthen gegen Fluglärm“ am Sonnabend zur „1. Zeuthener Lärmparade“ (13.30 Uhr in Zeuthen, Schul- Ecke Goethestraße) aufgerufen. Auf der Kundgebung werden Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und die Schirmherrin des neuen Bündnisses „Berlin Brandenburg gegen neue Flugrouten“, Sabine Bergmann-Pohl, sprechen. Bergmann-Pohl war Präsidentin der einzigen frei gewählten Volkskammer der DDR und ist heute Präsidentin des Berliner Roten Kreuzes.

Ein Grußwort spricht auch die Vorsitzende der Bürgerinitiative aus dem Süden Berlins „Keine Flugrouten über Berlin“, Marela Bone-Winkel. Bereits am Morgen wird ein Lärmtrecker des „Bürgerverein Leben in Zeuthen“ Lärm von startenden Flugzeugen in einer Höhe von 600 Meter simulieren.