Urabstimmung

Lokführer wollen auch die S-Bahn bestreiken

Die Lokführer haben für einen unbefristeten Streik gestimmt und wollen noch in dieser Woche damit beginnen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Die S-Bahn soll allerdings nicht von Aktionen verschont bleiben.

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Bei der Urabstimmung der Lokführergewerkschaft GDL stimmten am Montag über 90 Prozent der Mitglieder für reguläre Streiks.

Video: Reuters
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Der unbefristete Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) wird auch die krisengeplagte Berliner S-Bahn treffen. Das kündigte der Bezirkschef für Berlin, Sachsen und Brandenburg, Frank Nachtigall, an. Wann der flächendeckende Arbeitskampf beginnen wird, ließ die Gewerkschaft offen. Sicher ist nur: Er soll noch diese Woche starten.

Nachtigall sagte in der RBB-„Abendschau“, die S-Bahn „werde bestimmt an einem gewissen Punkt einbezogen“. Wann, könne er aber noch nicht sagen. Bei zwei der drei bisherigen Warnstreikwellen hatte die GDL die S-Bahn ausgenommen, um die bereits krisengeplagten Kunden zu schonen. Das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn kann wegen Technikproblemen seit Monaten ohnehin nur stark eingeschränkt fahren.

Auch GDL-Chef Claus Weselsky wollte keine Aussagen darüber machen, wann der Streik genau beginnen werde. Die Gewerkschaft will wie schon bei den Warnstreiks erst zwölf Stunden vorher informieren. Wie die Berliner Morgenpost aus GDL-Kreisen erfuhr, soll es aber an diesem Dienstag und Mittwoch noch keine Arbeitsniederlegungen geben. In dieser Woche sei aber auf jeden Fall ein Streik geplant, sagte Weselsky weiter.

Zuvor hatten sich 92 Prozent der Mitglieder, die bei der Deutschen Bahn beschäftigt sind, in der Urabstimmung für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Bei den Beschäftigten der Privatbahnen seien es 96 Prozent gewesen. Die Beteiligung lag demnach bei 81 Prozent. Bahnreisenden drohen damit auf unbestimmte Zeit massive Einschränkungen. Die GDL will sich zwar vor allem auf den Güterverkehr konzentrieren, Weselsky betonte jedoch, dass auch der Personenverkehr bestreikt werde, „aber nicht in der Härte wie der Güterverkehr“. Auch werde die Gewerkschaft die Streikmaßnahmen nicht „über Gebühr ausdehnen“, versicherte ein Sprecher.

Die GDL will einheitliche Tarifbedingungen für rund 26000 Lokführer auf dem Niveau der Deutschen Bahn (DB) durchsetzen. Die DB-Konkurrenten beschäftigen ihre Lokführer derzeit zu schlechteren Konditionen. Weselsky gab sich kämpferisch: Das sei „ein deutliches Signal an alle Arbeitgeber“. Es gebe genügend Gründe, auch mit längeren Streiks für die Ziele zu kämpfen. „Wenn die Arbeitgeber die Auseinandersetzung weiter suchen, werden wir sie nicht enttäuschen.“ Zugleich freute er sich über die breite Unterstützung für seine bei den Bahnunternehmen umstrittene Linie. „Wir kämpfen für das richtige Ziel: einen Flächentarifvertrag für alle Lokomotivführer in Deutschland.“ Die Arbeitgeber seien nun aufgefordert, „endlich verhandlungsfähige Angebote einzureichen. Eine Schlichtung lehnte er zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab.

Die Deutsche Bahn hatte die GDL mehrfach aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Neue Gespräche seien jetzt nötiger denn je, nachdem die sechs großen Privatbahnen gemeinsame Verhandlungen mit der GDL inzwischen ablehnen. Nun müsse die Gewerkschaft mit über 25 kleinen Gesellschaften parallel zur DB AG verhandeln. Personalvorstand Ulrich Weber sagte: „Der gordische Knoten kann nur auf dem Verhandlungsweg zerschlagen werden.“ Die sechs Konkurrenten Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Hessische Landesbahn und Veolia hatten vor wenigen Tagen die Verhandlungen mit der GDL abgebrochen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warnte die Gewerkschaft am Montag eindringlich vor einer Eskalation des Konflikts. Seite 5