Nikolaus Breuel

Ablösung von Bahn-Vorstand sorgt für Wirbel

Offiziell schweigen Bahnvertreter und der abgelöste Fernverkehrsvorstand Nikolaus Breuel. Doch es wird deutlich: Manch einer traute ihm seinen Job wohl nicht mehr zu - für andere war er zu Ehrgeizig.

Foto: DB AG/Winfried Becker

Bahn-Chef Rüdiger Grube beruft erneut mehrere Spitzenmanager von wichtigen Positionen im Konzern ab. So wird praktisch der gesamte Vorstand der DB-Sparte Fernverkehr ausgetauscht. Neben Fernverkehrschef Nikolaus Breuel müssen zwei weitere Vorstandsmitglieder ihre Posten räumen. Lediglich Finanzvorstand Wolfgang Heinrichs bleibt im Amt.

Nikolaus Breuel wird nach Informationen von Morgenpost Online durch Berthold Huber, zurzeit Personalvorstand des Schwesterunternehmens DB Netz AG, ersetzt. Neuer Personalvorstand soll Katharina Heuer, derzeit Leiterin Management- und Mitarbeiterqualifizierung im Bahn-Konzern, werden. Die Deutsche Bahn begnügt sich neben der Bestätigung der Ablösung Breuels mit einem Satz zu den Ursachen: „Breuel scheidet in gegenseitigem Einvernehmen mit dem Konzern aus, über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart.“ Der Aufsichtsrat der DB-Fernverkehr soll an diesem Freitag die Personalien absegnen.

Die Ablösung von „Mister ICE“ und den übrigen Vorstandsmitgliedern kommt zu diesem Zeitpunkt überraschend. Immerhin läuft der Fernverkehr der Bahn – für seine Verhältnisse – derzeit weitgehend stabil. Und noch seltsamer sind die Mutmaßungen über die Gründe für den Wechsel, der Breuel nach 17 Jahren im Unternehmen völlig unvorbereitet trifft.

Es geht offenbar um Strategien, die Bilanz der Sparte und persönliche Animositäten. Nur um eines geht es nach Aussagen aller Parteien angeblich nicht: die zahlreichen Pannen bei den ICE-Zügen: „Der Ärger mit den Achsen, den Klimaanlagen und dem Schnee im vergangenen Winter hat nichts mit der Abberufung zu tun“, sagt ein hochrangiger Bahn-Manager, der in der Vergangenheit eher kein Befürworter von Breuel war.

Der Fernverkehrschef, dessen Mutter Ex-Treuhand-Chefin Birgit Breuel ist, hatte die über Jahre defizitäre Sparte aufpoliert und in die schwarzen Zahlen gefahren. 2004 lag das Minus von DB-Fernverkehr noch bei 440 Mio. Euro. Im vergangenen Jahr erzielten die ICE-, IC- und EC-Züge ein Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen von 141 Mio. Euro. Breuel hatte unter anderem mit Aktionen wie Tickets bei Lidl oder McDonald's Kunden in die DB-Züge gebracht, die sonst eher nicht zur Zielgruppe des Konzerns zählten.

Diese Erfolge sind im Unternehmen selbst bei Kritikern Breuels unumstritten. Nicht mal die ständig zunehmenden Verspätungen der Superschnellzüge lasten sie ihm ausschließlich an: „Das Problem sind die Achsen. Die ständigen Überprüfungen nach einem Achsbruch führen dazu, dass Fahrzeuge fehlen. Wir haben keine Reserven“, sagt ein anderer Bahnmanager.

Dennoch: die Gestaltung der Zukunft der Fernsparte, die mit ihren ICE-Zügen Aushängeschild und Imageträger des Konzerns ist, trauten Breuel immer weniger zu – zuletzt offenbar auch im Konzernvorstand rund um Rüdiger Grube nicht mehr. Die Erfolge Breuels lägen lange zurück, seither dümple der Fernverkehr vor sich hin, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Tatsache ist, dass sich entscheidende Kennzahlen für die DB-Fernverkehr, darunter die Auslastung, die Quote der Pünktlichkeit und das Ergebnis, nicht mehr signifikant verbessert haben.

Die Mittelfristplanung der DB AG sieht allerdings eine drastische Steigerung des Gewinns bei allen Konzerntöchtern vor. Man glaube nicht, dass Breuel die Konzepte habe, die Herausforderungen der Sparte in den kommenden Jahren bestmöglich zu bewältigen, heißt es kühl im Konzernmanagement. Die Bahn will künftig Fernverbindungen ins Ausland anbieten, zunächst nach Südfrankreich und London. Zudem muss sich die „Weiße Flotte“ ab 2011 mit dem Bahnunternehmen Locomore erstmals eines ernsthaften Konkurrenten im deutschen Fernverkehr erwehren.

Auslöser für die Abberufung Breuels war offenbar ein Streit über die geplante Qualitätsoffensive der Bahn. Breuel habe trotz der damit verbundenen Kosten das Ergebnis steigern müssen – „völlig abwegig, die Quadratur des Kreises“, heißt es in seinem Umfeld. Gegärt hatte es allerdings schon lange: Man hatte Breuel offenbar nicht verziehen, dass dieser sich kurz vor dem Abgang Mehdorns bereit gezeigt hatte, an die Spitze des Bahn-Konzerns aufzurücken. Auch in den zurückliegenden Monaten hatte Breuel kein Hehl aus seinem Anspruch auf einem Platz im Konzernvorstand gemacht – gegen wachsenden Widerstand. „Zu ehrgeizig“, hieß es zuletzt immer öfter.