Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) kritisiert das Vorgehen der Bundesregierung und seiner Amtsnachfolgerin Angela Merkel (CDU) in der Eurokrise. „Frau Merkel hätte (...) früher agieren müssen, wodurch man sehr viel Geld hätte sparen können“, sagte Schröder dem „Handelsblatt“. Er forderte eine Aufstockung des europäischen Rettungsfonds EFSF, da die Mittel von 440 Milliarden Euro nicht tatsächlich zur Verfügung stünden.

Schröder sagte, die ins Straucheln geratenen Euro-Länder kämen an Reformen nicht vorbei. „Es führt an dem, was wir in Deutschland gemacht hatten, kein Weg vorbei“, sagte er. „Als wir die 'Agenda 2010' eingeführt haben, waren wir unter den europäischen Sozialdemokraten die bösen Verwandten der europäischen Familie.“ Diese Länder stünden jetzt vor den gleichen Schwierigkeiten wie Deutschland im Jahr 2003, mit sinkender Geburtenrate und zunehmenden Problemen bei der Finanzierung des Sozialstaates.

„Gerade in den rezessiven Jahren haben wir die Reformen durchgesetzt. Jetzt, unter noch schwierigeren Umständen, müssen andere Länder dasselbe tun“, sagte Schröder.

Zudem sprach sich Schröder gegen Bundesbank-Präsident Axel Weber als neuen Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. „Ich würde es befürworten, wenn ein Vertreter eines kleineren, stabilitätsorientierten Landes, wie zum Beispiel Luxemburg, dieses Amt übernimmt“, sagte Schröder. „Für die Beibehaltung wie Durchsetzung der deutschen Stabilitätskultur ist es möglicherweise besser, wenn sie nicht von einem Deutschen an der Spitze der EZB repräsentiert wird.“

Die Amtszeit des derzeitigen Präsidenten Jean-Claude Trichet geht regulär am 31. Oktober zu Ende. Über seine Nachfolge entscheiden die Staats- und Regierungschefs.

dapd/Reuters/lw