GDL-Arbeitskampf

Lokführer wollen weiter streiken – auch in Berlin

Die Lokführergewerkschaft GDL droht nach dem zweiten Streik innerhalb einer Woche mit weiteren Arbeitsniederlegungen. Auch ein dauerhafter Ausstand ist weiterhin möglich. Die Berliner S-Bahn, die dieses Mal verschont wurde, bleibt nicht dauerhaft ausgenommen.

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Bahnreisende mussten abermals Zugausfälle und Verspätungen hinnehmen. Die Lokführergewerkschaft GDL hatte zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen.

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Nach dem zweiten Warnstreik innerhalb einer Woche haben die Lokführer mit weiteren Arbeitskämpfen bis hin zu Dauer-Streiks gedroht. Die Arbeitgeber habe noch nicht verstanden, „wir müssen den Druck erhöhen“, sagte der Chef der Gewerkschaft GDL, Claus Weselsky, am Freitag. In zehn Tagen stehe das Ergebnis der Urabstimmung über reguläre, längere Streiks fest. „Die Frage ist nur, ob die Arbeitgeber das provozieren. Wenn ja, wir sind dazu bereit.“

Anders als der Warnstreik am Dienstag verschonte er am Freitag die Berufspendler weitgehend. Auch die Berliner S-Bahn, die wegen technischer Pannen seit Jahren nicht planmäßig fahren kann, wurde nicht bestreikt. Dennoch brachte der Streik von 8.30 bis 11.30 Uhr auch für Berlin und Brandenburg erhebliche Behinderungen, denn der Regional-, Fern- und Güterverkehr war auch hier von der Aktion betroffen. Der GDL-Bezirkschef Frank Nachtigall sagte, wie schon am Dienstag seien wieder rund 80 Prozent der Züge ausgefallen. Die S-Bahn blieb diesmal verschont.

Ein Sprecher des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) bestätigte, dass in der Region vier Fünftel der Züge der Deutschen Bahn (DB) während des Streiks stehen geblieben seien. Nicht betroffen waren seinen Angaben zufolge die Märkische Regiobahn, der Prignitz-Express und die Niederbarnimer Eisenbahn. Allerdings hatten einige Lokführer der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) die Arbeit zeitweilig niedergelegt, wie ein Sprecher sagte. Am Dienstag war die ODEG vom Streik noch nicht betroffen gewesen.

Auch Frank Nachtigall verteidigte den zweiten Ausstand in einer Woche. Man musste erneut streiken, weil seitens der Arbeitgeber keine Bemühungen zur Wiederaufnahme der Verhandlungen erkennbar gewesen seien. Den Vorwurf, man nehme die Bahnkunden in Geiselhaft, wies Nachtigall zurück.

Bahn-Vorstand ist "fassungslos"

Deutsche Bahn und Privatbahnen hatte mit Unverständnis auf den Streik reagiert, der am Freitagvormittag einen Großteil des Nah- und Fernverkehrs lahmlegte. Auswirkungen sollten Wochenendpendler noch bis zum Abend spüren. DB-Personalvorstand Ulrich Weber kritisierte: „Statt weiterzuverhandeln, setzt die GDL ihre Irrfahrt fort.“

„Wir finden es unverständlich und sind fassungslos, dass der Streik an einem Freitag auf dem Rücken der Wochenendpendler ausgetragen wird“, kritisierte DB-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg. Die finanziellen Folgen für die Deutsche Bahn seien noch nicht zu beziffern. Wegen der Streiks hat die Bahn einer Sprecherin zufolge mehrere hundert zusätzliche Mitarbeiter im Einsatz, unter anderem im Servicebereich.

Frank Nachtigall warf der Bahn die Verbreitung von Halbwahrheiten vor, da das Unternehmen das mit der GDL ausgehandelte Lohnniveau wieder zu drücken versuche, indem es Firmen ausgliedere. Die S-Bahn sei nicht aus dem aktuellen Warnstreik herausgehalten worden, weil die Zustimmung bei den Passagieren schwinde, „sondern, weil wir auch noch mal unter Beweis stellen wollen, dass wir verantwortungsvoll mit unserer Tarifmacht an der Stelle umgehen“, sagte Nachtigall. Beim nächsten Streik könnte die S-Bahn aber wieder betroffen sein.

Die GDL verlangt von den Bahnen neue Gespräche über einen Flächentarifvertrag, der für alle 26.000 Lokführer im Fern-, Nah- und Güterverkehr gelten soll. „Ich denke, die Wirkung, die wir im Streik erzielen, ist jedem hier bewusst. Wir möchten nicht die Fahrgäste dauerhaft beeinträchtigen und sagen ganz klar und deutlich: die Arbeitgeber sollen ihre Angebote verbessern“, sagte GDL-Chef Weselsky. Die GDL hat die Urabstimmung per Brief über einen regulären Streik eingeleitet, der dann tagelang dauern könnte. Am 7. März soll das Ergebnis vorliegen.

Die Arbeitgeber wiederum forderten die GDL zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. DB-Personalvorstand betonte erneut, man sei bereit, die meisten Forderungen der GDL zu erfüllen, was auch einen Flächentarifvertrag einschließe. Auch die sechs großen Privatbahnen Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Hessische Landesbahn und Veolia zeigten sich bereit. Man habe aber den Eindruck, dass die GDL vor allem den bereits erreichten Branchentarifverkehr für die übrigen Beschäftigen im Nahverkehr aushebeln wolle. Die GDL-Konkurrenzgewerkschaft EVG hatte diesen mit den Arbeitgebern vereinbart, um den Kampf um die lukrativen Staatsaufträge für den Regionalverkehr nicht auf dem Rücken der Beschäftigten auszutragen. Für die Lokführer kann aber allein die GDL verhandeln. Einer Umfrage zufolge haben fast zwei Drittel der Deutschen Verständnis für die Aktionen der Lokführer, wenn sie für bessere Bezahlung und einen einheitlichen Tarifvertrag streiken. Bei 31 Prozent der von der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-Politbarometer Befragten war dies nicht der Fall.