Die Warnstreiks der Lokomotivführer sollen erst in der kommenden Woche beginnen. Bisher hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Warnstreiks bereits ab Mittwoch oder Donnerstag angekündigt. Doch die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, vom kommenden Montag an müssten Bahnkunden im Fern-, Nah- und Güterverkehr mit einem Arbeitskampf rechnen. Betroffen wäre auch die Berliner S-Bahn. Damit droht ein Zusammenbruch des morgendlichen Berufsverkehrs. Betroffen wären Hunderttausende Berliner und Brandenburger auf dem Weg zur Arbeit.

Mit der Verschiebung auf kommende Woche solle dem Vernehmen nach vermieden werden, die Ski-Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen zu beeinträchtigen und damit die Münchner Olympia-Bewerbung zu beschädigen. Darüber hinaus rufe die GDL ihre Mitglieder zu einer Urabstimmung auf, um damit im März unbefristete Streiks zu ermöglichen, schreibt die Zeitung.

Allerdings ist noch unklar, wann die Warnstreiks bei der Berliner S-Bahn beginnen. Das sagte am Dienstagmorgen GDL-Vorsitzender Claus Weselsky. „Am Mittwoch treffen sich in Berlin rund 1000 Lokführer zu einem Protesttag. Was danach passiert, wird sich zeigen“, sagte Weselsky.

Die GDL fordert für die rund 26.000 Lokführer im Fern-, Nah- und Güterverkehr einen einheitlichen Tarifvertrag. Den im Januar zwischen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), der Deutschen Bahn und den sechs größten privaten Eisenbahnunternehmen ausgehandelten Branchentarifvertrag lehnt die GDL als unzureichend ab.

Nach Schätzungen sind gut 80 Prozent der 934 Triebfahrzeugführer der Berliner S-Bahn in der GDL organisiert. Ob sie alle bereit sind zu streiken, ist nach Informationen von Morgenpost Online aber fraglich. „Selbst die meisten GDL-Mitglieder halten einen Streik bei der S-Bahn für Schwachsinn“, sagte im Vorfeld ein altgedienter S-Bahner. Die Triebfahrzeugführer müssten ohnehin den Ärger der Kunden über die seit zwei Jahren andauernden Einschränkungen ausbaden. „Die Mehrheit der Lokführer bei der S-Bahn hat deshalb kein Verständnis für das Drohszenario“, so der Insider. Allerdings könne auch „eine kleine Gruppe von Hardlinern“ für ein Chaos im Berufsverkehr sorgen. „Es reicht ja schon, wenn eine Handvoll Triebfahrzeugführer mitten im Berufsverkehr ihren Zug an neuralgischen Punkten wie dem Ostkreuz stehen lassen.“

dapd/dpa/sei