Das Monopol dauerte fast auf den Tag genau drei Jahre. Als Apple sein iPhone im November 2007 nach Deutschland brachte, hatte der US-Technologiekonzern vor allem an einer Sache kein Interesse: Wettbewerb. Die Telekom-Tochter T-Mobile durfte das Smartphone exklusiv vertreiben. Sonst niemand. Wer das Apple-Handy haben wollte, musste sich mehrere Jahre an sie ketten.

Für die Bonner war das ein gutes Geschäft. Nun ist die Alleinherrschaft allerdings vorbei. Seit einigen Tagen dürfen auch die Konkurrenten O2 und Vodafone das iPhone zusammen mit ihren Tarifen vertreiben. Doch wer darauf gehofft hat, dass nun die Preise für Apples Telefon in den Keller fallen, wird enttäuscht. "Das iPhone ist nach wie vor kein Schnäppchen", sagt Rafaela Möhl vom Verbraucherportal Teltarif. Es bleibe ein Luxus-Gerät. T-Mobile habe seine Preise mittlerweile nur geringfügig reduziert oder biete für den gleichen Betrag mehr Leistungen an. "Keiner der Anbieter hat ein Interesse, Preisdumping zu betreiben", sagt auch Henrik Wolter, Gründer des Vergleichsportals Handytarife.de. "Schließlich ist das iPhone nach wie vor ein begehrtes Gut, das verschenkt man nicht."

Statt auf purzelnde Preise blicken Verbraucher nun auf eine unübersichtliche Vielzahl von Angeboten, die sie mit drei Apple-Modellen kombinieren können: dem iPhone 4 mit 16 oder 32 GB Speicher oder dem älteren iPhone 3GS mit acht GB Speicher. Der Preis des Handys richtet sich nach dem Tarif. Bei Vodafone etwa zahlt der Kunde für das iPhone 4 mit 32 GB je nach Tarifvariante bis zu 399,90 Euro, für das Vorgängermodell 3GS immerhin noch bis zu 199,90 Euro.

Unübersichtliches Angebot

Doch das ist nur der Gerätepreis. Hinzu kommen die monatlichen Kosten für den Tarif, und die sind beachtlich. Unter dem Mantel "Complete Mobil" vertreibt T-Mobile vier verschiedene Tarife, deren monatliche Grundgebühr sich zwischen 39,95 und 99,95 Euro bewegt. Darin enthalten sind etwa bei der günstigsten Variante eine Internetflatrate und eine Sprachflatrate ins Festnetz und Mobilfunknetz der Telekom - die gilt allerdings nur am Wochenende. Im teuersten Tarif hingegen deckt diese Flatrate alle deutschen Netze über die ganze Woche ab.

Die Vodafone-Tarife sind ähnlich gestrickt: Der günstigste der sogenannten "Super Flat"-Tarife kostet 24,95 Euro und bietet Vorteile für Wochenend-Nutzer. Experten warnen jedoch davor, den günstigsten Vodafone-Tarif zu wählen, da nur wenige ihr Handy so selten nutzen dürften, dass sich diese Variante rechnet. Der nächste Tarif kostet allerdings schon 20 Euro mehr im Monat. Für 99,95 Euro erhalten die Kunden hingegen eine Flatrate in alle deutschen Netze und das Festnetz.

O2 hingegen verzichtet auf eine ausladende Tarifvielfalt und konzentriert sich auf die Varianten Blue 100 für monatlich 45 Euro und Blue 250 für 60 Euro. Beide Tarife beinhalten eine Flatrate für Gespräche ins eigene Netz, für SMS und mobiles Surfen. Hinzu kommen entweder 120 oder 250 Inklusivminuten in fremde Netze, darunter auch das Festnetz.

Doch genau diese Konstruktion dürfte viele Nutzer ärgern - vor allem, wenn sie häufig und lange telefonieren. Denn für alle Gesprächsminuten, die über dieses Paket hinausgehen, berechnet das Unternehmen 29 Cent. Auch T-Mobile und Vodafone verlangen so viel für jede Minute, die nicht durch ihre Flatrate gedeckt ist. "Die Leute sehen meist nur, dass es eine Flatrate gibt", sagt Möhl. "Doch bei einer Flatrate zahlen sie meist etwas drauf, weil nicht alles in diesem Paket enthalten ist." Dabei gebe es schon Prepaid-Angebote, die einen Minutenpreis von neun Cent abrechnen. Hinzu kommt, dass auch die Kosten von SMS in allen Paketen mit 19 Cent sehr hoch sind. Branchenexperten sprechen von Mondpreisen.

Das Verbraucherportal Teltarif hat durchgerechnet, wie viel ein normaler Handynutzer für das iPhone über die gesamte Vertragslaufzeit von zwei Jahren ausgeben müsste. Bei T-Mobile summiert sich die Rechnung inklusive der Kosten für das iPhone 4 mit 16 GB auf 1418,35 Euro. Bei Vodafone zahlen die Kunden knapp 20 Euro mehr. O2 rangiert in dieser Berechnung auf dem letzten Platz mit 1463,48 Euro.

Allerdings kann das bei einem anderen Nutzerprofil schon wieder anders aussehen. Deshalb sollten Verbraucher anhand ihrer letzten Abrechnungen prüfen, wie oft und zu welchen Zeiten sie telefonieren und in welche Netze sie sich einwählen. "Der Nutzer muss sich klar machen, was für ihn am sinnvollsten ist", sagt Handytarife.de-Gründer Wolter. "Wer etwa nur erreichbar sein will, sollte nicht auf einen teuren Tarif mit vielen Inklusivminuten zurückgreifen."

Ohnehin sind sich die Marktbeobachter einig, dass sich unter den vielen Tarifvarianten keine findet, die für Einsteiger wirklich interessant ist. "Den Tarifen liegt die Annahme zugrunde: Wer viel telefoniert, surft auch viel im Netz", sagt Möhl. Wer mit dem iPhone aber nur mobil im Netz surfen möchte oder Spaß an den Apps hat, zahle auch die anderen Telefon-Leistungen zwangsweise mit.

Für viele Verbraucher könnte sich deshalb eine zusätzliche Variante lohnen, die durch den Fall der Exklusivpartnerschaft zwischen T-Mobile und Apple entstanden ist. Denn das iPhone gibt es jetzt auch ohne Netzsperre und Tarifbindung - entweder bei O2 oder direkt beim Hersteller. "Die Verbraucher haben jetzt die Alternative, das iPhone offiziell ohne Vertrag zu erwerben", sagt Wolter. Die Geräte sind zwar teurer, als mit einer Tarifbindung: Bei O2 kostet das iPhone 4 mit 32 GB ohne Netzsperre 769 Euro, bei Apple sind es nur 739 Euro. Doch der Direktkauf bietet auch viele Vorteile. Denn es könnte am Ende günstiger sein, eine SIM-Karte von einem Mobilfunkdiscounter wie Phonic oder Blau.de zu nutzen.

Schließlich binden sich die Verbraucher nicht zwei Jahre an einen Anbieter und zahlen nur das, was sie tatsächlich verbrauchen. Blau.de etwa wirbt mit einem Tarif ohne Grundgebühr und Vertragslaufzeit. Dafür kosten Gespräche und SMS ins Festnetz neun Cent pro Minute, ein Datenpaket von 100 MB gibt es bereits für 3,90 im Monat. Wer sein iPhone nur gelegentlich nutzt, dürfte mit dieser Variante gegenüber den Paketen der Mobilfunkbetreiber sparen.

Besser Prepaid als Pauschale

"Wer das iPhone ohne Vertragsbindung kauft, ist wesentlich flexibler", sagt Teltarif-Expertin Möhl. Denn so können Verbraucher viel schneller auf sinkende Preise reagieren. Bei den Tarifen der Netzbetreiber dürfte das zwar nicht so schnell passieren. Doch der Prepaid-Markt ist stark in Bewegung. "Mit der Prepaid-Variante lassen sich zudem im Ausland Kosten sparen, indem man einfach eine lokale Karte ins Handy setzt", rät Möhl.

Wem diese Variante wegen der hohen Gerätepreise noch zu teuer ist, muss nicht unbedingt zu einem iPhone greifen. Auch andere Hersteller bieten mittlerweile vergleichbare Smartphones an. "Wenn man den Lifestyle-Faktor ausblendet, gibt es objektiv gesehen gleichwertige Geräte", sagt Wolter. "Man kann genauso gut auf Geräte der Konkurrenz zurückgreifen, die günstiger sind."