Bankenkrise

Endlich naht das Ende der alten WestLB

Das Krisentreffen hat keine Entscheidung über die Zukunft der Landesbank hervorgebracht. Die vielseitigen Vorschläge sind dennoch die größte Chance der letzten Jahre.

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Auf den ersten Blick hat die Orientierungslosigkeit der WestLB und ihrer Eigentümer einen neuen Höhepunkt erreicht. Da jagte tagelang ein hochkarätig besetztes Krisentreffen das andere – doch heraus kam kein klares, fassbares Konzept, sondern nur ein Sammelsurium an Plänen, das kaum einer der Beteiligten noch schlüssig erklären konnte. Noch immer steht in den Sternen, was aus der WestLB wird, ob sie vor einem Verkauf oder einer Zerschlagung steht.

Und doch ist dieser Bruch mit WestLB-Traditionen durchaus positiv. Denn die relativ klaren Rettungskonzepte, die in den vergangenen Jahre stets am Ende langer Nachtsitzungen standen, hatten eines gemein: Sie verlängerten das Siechtum der WestLB, ohne das Grundübel einer Bank ohne Geschäftsmodell und ohne Perspektive anzupacken. Nun geht es zwar im Schneckentempo voran, aber immerhin in die richtige Richtung – egal, welche der diskutierten Varianten sich durchsetzt. Eine Privatisierung der WestLB würde in Düsseldorf eine jahrzehntelange öffentlich-rechtliche Misswirtschaft auf Kosten des Steuerzahlers beenden – ist allerdings wohl kaum machbar, den drei vorliegenden Kaufangeboten zum Trotz.

Zwischen den Zeilen der Beschlüsse ist denn auch deutlich zu lesen, dass die Zerschlagung der WestLB die wahrscheinlichste Variante ist. Damit würden längst überfällige Schritte endlich getan: Es entstünde eine Sparkassen-Zentralbank, die sich auf ihre Kernaufgabe konzentriert und für die die kommunalen Institute alleine geradestehen müssen. Der Rest der Bank würde verkauft oder aber abgewickelt. Und zumindest hat sich der Bund allem Anschein nach dem Drängen der Eigentümer widersetzt, weitere finanzielle Verantwortung auf den Bundeshaushalt abzuschieben.

Druck aus Brüssel macht Neuordnung möglich

Zu verdanken ist das alles allerdings weniger der Einsicht der Eigentümer oder der ordnenden Hand der Bundesregierung – sondern vor allem dem Druck aus Brüssel. Einzelne Auflagen mögen zweifelhaft erscheinen, doch ohne diesen Faktor hätten die WestLB-Eigner wahrscheinlich längst den üblichen Ausweg genommen: Akute Löcher stopfen, die Bank ein wenig verkleinern – und auf die nächste Krise warten. Dass dieser Kreislauf endlich durchbrochen wird, ist wahrscheinlicher denn je. Insofern geht von den desperat erscheinenden Verhandlungen durchaus ein Funken Hoffnung aus – es ist zu wünschen, dass er auf die gesamte morsche Landesbanken-Landschaft überspringt. Bei mehreren anderen Instituten laufen EU-Prüfungen.

Die WestLB als größtes Sorgenkind der Landesbanken, als aufgeblasenes Risikosammelbecken in halbstaatlichem Besitz – diese Bank ist auf dem besten Weg zu verschwinden. So weit war man noch nie im öffentlich-rechtlichen Bankensektor in Deutschland. Man möchte EU-Kommissar Joaquin Almunia förmlich zurufen: Jetzt nicht lockerlassen!