Morgenpost Online: Herr Woltmann, Milliardensubventionen für die Banken und Millionenboni für Banker? Sind sie noch stolz, ein Banker zu sein?
Jörg Woltmann: Ich bin Bankier mit Leib und Seele. Aber die Auswüchse, die es gibt, ärgern mich sehr. Vor allem, wenn man sein Geschäft solide macht und wie ich persönlich haftet. Das diszipliniert ungemein.
Morgenpost Online: Haben sie nie mit dem Gedanken gespielt mitzuzocken, um auch mal 25 Prozent Rendite zu machen?
Woltmann: Nie. Ich bin ein vorsichtiger Unternehmer. Ich kaufe keine Papiere, die ich nicht verstehe. Ich verkaufe sie nicht an meine Kunden. Themen wie den Häusermarkt in den USA kann ich nicht beurteilen. Das tue ich meinen Kunden nicht an.
Morgenpost Online: Sie verleihen Geld im Wesentlichen Leute aus dem öffentlichen Dienst. Deren Jobs sind sicher, deshalb bieten sie ihnen günstigere Konditionen an. Ein schlichtes Geschäftsmodell.
Woltmann: Es ist gut, sich auf eine Klientel zu fokussieren. Man kennt ihre Wünsche und Bedürfnisse. Ein anderer Vorteil ist die Struktur. Wenn es keine Riesenvorstandsetagen gibt, wo jeder Vorstand ein eigenes Firmenfahrzeug und ein Büro mit mehreren Sekretärinnen hat, kann man auch vieles einsparen, was man an die Kunden weitergeben kann.
Morgenpost Online: Haben Sie erwogen, zu expandieren und höhere Risiken bei ihren Geschäften einzugehen?
Woltmann: Nein, überhaupt nicht. In einem Unternehmen ist die optimale Betriebsgröße entscheidend. Ich möchte die Dinge überschauen. Expansionsmöglichkeiten bieten sich über das Internet, ohne dass man teure Filialen braucht. Wir machen schon 40 Prozent unseres Geschäftes bundesweit übers Internet. Wir sind ja mit 86 Mitarbeitern und 100.000 Kunden kein kleines Institut.
Morgenpost Online: Sind sie von der Krise auf dem Bankensektor betroffen?
Woltmann: Natürlich. Früher habe ich im Interbankenhandel gut verdient, der ist praktisch zum Erliegen gekommen. Außerdem gibt es Sonderumlagen für den Einlagensicherungsfonds. Wir zahlen mit für die Fehler der anderen. Wenn sich die Banken an Themen wie Griechenland und Euro-Rettung beteiligt werden sollen, trifft das auch die, die vernünftig wirtschaften. Das ist ärgerlich, aber so ist das System. Es ist eine Solidargemeinschaft.
Morgenpost Online: Sind sie solidarisch mit Bankern wie dem früheren HRE-Chef Funke, dessen Bank für Milliarden verstaatlicht wurde und der nun auf Gehaltsmillionen klagt?
Woltmann: Persönlich regt mich das ungemein auf. Aber das hat mit dem Bankensystem nichts zu tun.
Morgenpost Online: Machen Sie sich Sorgen um unser Geld, nach Bankenrettung, Griechenland und Euro-Rettung?
Woltmann: Es sind Summen im Spiel, die man nicht mehr begreifen kann. Wenn Sie die Nullen zählen, kommen sie nicht mehr darauf, welche Zahl sie vor sich haben. Jemand wird die Zeche zahlen müssen. Wenn man vergleicht, wie viel der Wiederaufbau Haitis kostet und was in die HRE-Bank geflossen ist: Da ist so ein Erdbeben eine Kleinigkeit. Da mache ich mir natürlich Sorgen, was mit unserer Währung passiert. Und vor allen Dingen für unsere Kinder wird es hart werden.
Morgenpost Online: Was raten Sie ihren Kunden?
Woltmann: Vielleicht ist es ganz gut, eine Immobilie zu kaufen. Wenn es eine Inflation gibt und die Mieten steigen jährlich um zehn Prozent, wäre man damit ganz gut dran. Aber im Moment sind solche Ratschläge nicht leicht zu geben, weil niemand weiß, wie es weitergeht.
Morgenpost Online: Oft wurden solche Situationen mit der Gelddruckmaschine gelöst.
Woltmann: Um derartige Schulden abzubauen, gibt es nur die Inflation oder den Währungsschnitt.
Morgenpost Online: Kommt man da durch Wirtschaftswachstum raus?
Woltmann: Wo sollte ein so gigantisches Wachstum, was man bräuchte, herkommen?
Morgenpost Online: Gibt es eine Alternative dazu, jetzt Milliarden in die Märkte zu pumpen?
Woltmann: Man muss den Griechen helfen, aber was kommt danach? Die Gesamtlage ist kritisch. Niemand sollte sich sicher sein, dass wir um eine große Krise herumkommen. Aber wir jammern ja noch auf hohem Niveau.
Morgenpost Online: Sie haben die Königliche Porzellan Manufaktur gekauft und so vor dem sicheren Tode gerettet. Hat die Krise die KPM erwischt?
Woltmann: Na sicher. Die positive Entwicklung läuft nicht so schnell, wie ich geplant habe. Aber ich ziehe mein Konzept durch, mache keinen Ausverkauf, um Geld in die Kassen zu kriegen. Die Marke muss ganz oben positioniert bleiben. Die Leute kaufen weiter bleibende Werte. Wir verkaufen ja keine Handtaschen, die in der Herstellung 100 Euro kosten und im Verkauf 1000.
Morgenpost Online: Würde denn die KPM eine Inflation oder einen Währungsschnitt überleben?
Woltmann: Wir werden in drei Jahren 250 Jahre alt. Wir sind eine Manufaktur, können nur bestimmte Stückzahlen herstellen. Und die Welt, also der potenzielle Markt, ist groß. Die Leute werden weiter hochwertige Handwerkskunst kaufen.
Morgenpost Online: Vor drei Jahren hieß es, sie hätten sich das Unternehmen KPM 20 Millionen Euro kosten lassen. Hat sich diese Summe inzwischen vermehrt?
Woltmann: Das waren große Investitionen. Ich habe gebaut, die KPM-Welt eingerichtet, neue Galerien in Köln und Hamburg gebaut. Diese Investitionen sind zu Ende. Dieses Jahr sehe ich ganz positiv. Aber mit der KPM ist es wie mit einem Hausbau: Es dauert länger und wird teurer. Ich ziehe das aber durch. Beim Worst Case bin ich noch lange nicht.
Morgenpost Online: Wie weit sind sie von schwarzen Zahlen entfernt? Als sie übernommen haben, hatten sie bald drei Millionen Defizit bei neun Millionen Umsatz.
Woltmann: Dieses Jahr werden es eine oder anderthalb Millionen Defizit sein. Letztes Jahr war es ein wenig schlechter. Aber die Zahlen haben sich gebessert. Januar, Februar waren schlecht, schon wegen der Wetterlage. Wer geht schon bei Glatteis Porzellan kaufen?





