Es war einmal eine Zeit, da hatte die Deutsche Bundesbank den Ruf, eine der besten, wenn nicht gar die beste Notenbank der Welt zu sein. Sie war die Vorzeige-Institution hierzulande schlechthin. Später konnte man sich dann immerhin noch damit trösten, wie viel Gewicht ihr Präsident im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte.
Doch das alles war einmal: Seit vergangenem Mai, als sich Axel Weber gegen den groß angelegten Ankauf von Staatsanleihen auflehnte und seinen Widerstand öffentlich machte, ist er von der inoffiziellen Nummer zwei im Rat hinter EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zur Randfigur geworden. Deutschland durfte noch eine Weile davon träumen, den Nachfolger Trichets zu stellen. Mehr auch nicht.
Viel schlimmer aber wiegt, was nach dem Weber-Desaster in dieser Woche allzu offensichtlich ist: Nicht nur fehlt es an geeigneten Kandidaten für den Chefsessel in der EZB, es gibt auch innerhalb der Bundesbank niemanden, der sich für die Weber-Nachfolge aufdrängt. Das ist nicht die Schuld des scheidenden Präsidenten, sondern vielmehr das Resultat einer verkorksten Personalpolitik von Bund und Ländern.
Die Bundeskanzlerin steht also vor einer schlechten Alternative: Entweder sie ernennt einen ihr unliebsamen Präsidenten, dem sie das Amt nicht zutraut. Oder sie hebt mit Jens Weidmann ihren Wirtschaftsberater an die Spitze der Bundesbank.
Auch wenn an den Fähigkeiten des Ex-Bundesbankers Weidmann keine Zweifel bestehen und mit ihm Kapriolen nicht zu erwarten sind: Es ist schon fast ein Trauerspiel, wenn erstmals ein Ministerialdirektor direkt aus der Regierung an die Spitze der Notenbank wechselt. Besser wäre es, Weidmann erst einmal zwei oder drei Jahre als Vize-Präsident die Möglichkeit zu geben, sich auf das neue Amt vorzubereiten.
Diese Zeit bleibt ihm aber möglicherweise nicht. Denn auch wenn es politisch nicht schön aussieht, ist Weidmann derzeit nun einmal die beste Wahl. Mit ihm kann die Bundesbank zumindest einen Neuanfang versuchen. Und der ist bitter nötig: Denn wie die Finanzkrise gezeigt hat, braucht Deutschland eine starke Notenbank.



