Das Ringen um den Beitrag der Opel-Beschäftigten zur Rettung des Autobauers blockiert nach Informationen von Morgenpost Online den Verkauf des angeschlagenen Unternehmens. Die Mitarbeiter sind bereit, deutliche Abstriche bei den Löhnen zu machen. „Doch das darf nicht dazu führen, dass die Belegschaft künftig unangemessen zur Kasse gebeten und am Ende zu hoch besteuert wird“, sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel.

Genau dieses Szenario droht den Opelanern aber. Sie wollen in den kommenden Jahren auf Urlaubs-, Weihnachtsgeld sowie andere Leistungen verzichten, um damit den Konzern zu stützen. Im Gegenzug erhält die Belegschaft zehn Prozent der Opel-Anteile, die in einer Beteiligungsgesellschaft GmbH gebündelt werden. So sollen jedes Jahr europaweit 265 Mio. Euro zusammenkommen, die Mitarbeiter der vier Standorte in Deutschland wollen 176,8 Mio. Euro jährlich aufbringen.

Die Leistungen sollen aber nicht einfach gestrichen werden, sondern formal auf den Gehaltszetteln stehen bleiben – tatsächlich ausgezahlt werden sie aber nicht. „Die Folge davon ist, dass die Beschäftigten für ein Einkommen Steuern zahlen müssen, das sie in dieser Höhe gar nicht haben. Es kann aber nicht sein, dass die Opelaner auf Teile ihres Gehaltes verzichten und am Ende noch was abgezogen kriegen, weil der Fiskus zugeschlagen hat“, sagte Einenkel.

Der Fall wäre zwar auch einfacher zu regeln, indem die Belegschaft auf die zusätzlichen Leistungen einfach verzichtet und das Einfrieren der Löhne und der betrieblichen Rente stillschweigend akzeptiert. Das würde „New Opel“ direkt entlasten.

Doch dieses Vorgehen will der Gesamtbetriebsrat auf keinen Fall. „Die Mitarbeiter verzichten auf all diese Lohnbestandteile nur bis 2012, dann soll der Flächentarifvertrag wieder gelten. Damit klar ist, dass wir unsere Ansprüche grundsätzlich aufrechterhalten, dürfen die Leistungen nicht gestrichen werden, sondern müssen zumindest theoretisch fortbestehen“, sagte Einenkel.

Noch wichtiger ist den Betriebsräten der zweite Grund: Sie wollen jederzeit genau nachweisen können, welche Summen die Mitarbeiter für den Autobauer eingespart haben. „Damit stellen wir sicher, dass mit diesem Geld kein Unsinn angerichtet wird und wir ein Mitspracherecht über seine Verwendung haben“, sagte der Bochumer Betriebsratschef.

Das Problem wäre aus der Welt, wenn Magna und die anderen Eigentümer bereit wären, die steuerliche Mehrbelastung der Mitarbeiter zu tragen. „Aber in diesem entscheidenden Punkt gibt es bislang keine Einigung“, sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz Morgenpost Online.

Eine Einigung von Arbeitnehmervertretern mit Magna als potenziellen Käufer ist die Voraussetzung dafür, dass der Zulieferer und der bisherige Mutterkonzern Opels, General Motors (GM), den Kaufvertrag unterschreiben – denn das Geld ist fest eingeplant.

Da./do