Die Porzellanmanufaktur Meißen kommt nicht zur Ruhe: Letzte Woche durchsuchten frühmorgens Beamte des Bundeskartellamts und der Polizei die Büroräume des Luxusgüter-Unternehmens im sächsischen Meißen. Die Porzellanhersteller sollen sich mit anderen Geschirrherstellern abgestimmt haben – worüber, will das Kartellamt noch nicht sagen.
Ein Sprecher der Manufaktur bestätigte die Untersuchung ihres Hauses – wies aber zugleich den Verdacht einer Preisabsprache zurück. "Eine Preisabstimmung mit der Konkurrenz hat für die Manufaktur wenig Sinn, denn ihre Preise liegen weit über denen des restlichen Marktes“, sagt auch Luxusmarken-Forscher Klaus Heine von der TU Berlin. "Es gilt bis zum Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung“, sagte Kartellamtssprecher Kay Weidner.
Der Verdacht des Kartellamts ist dabei nur das letzte in einer Reihe von Problemen der Vorzeigemarke aus Sachsen: Vergangenen Sommer feuerte der neue Geschäftsführer Christian Kurtzke bereits 183 Mitarbeiter, obwohl die Marke im ersten Halbjahr 2010 einen Umsatz-Zuwachs von 14,9 Prozent verzeichnete. Dann wurden Anwohner der Manufaktur im Oktober vom Geräusch zerbrechenden Porzellans geweckt: Mehrere Tonnen angeblich unverkäuflicher Lagerbestände, die noch der alte Geschäftsführer Hannes Walter angehäuft hatte, wurden kurzerhand zerschlagen.
"Diese Aktion war seltsam, denn anders als etwa Luxusmodelabels wie Gucci vertreibt Meißen keine Saisonware – das Porzellan zu zerschlagen, hilft der Marke also wenig“, kommentiert Experte Heine und vermutet, das hier vor allem Altlasten aus Walters Ägide beseitigt wurden. "Die Marke Meißen hat ein Riesenpotential, aber konnte das in der Vergangenheit nicht realisieren – hier lag ein Problem in der Markenführung.“ Der neue Geschäftsführer Kurtzke will nun alles besser und vor allem anders machen, setzt stärker auf Inneneinrichtungen und Luxusaccessoires mit dem berühmten Zwei-Schwerter-Label.
Seine ersten Ergebnisse nach der Krise 2010 geben ihm recht. Die Stellenkürzungen – bis Ende 2011 soll fast jeder vierte Job wegfallen – sehen viele Ex-Meißner-Mitarbeiter dennoch nicht als unabwendbar, und warnen vor einem allein am Gewinn orientierten Kurs. Dieser stünde der im Besitz des Feistaats Sachsen befindlichen Manufaktur schlecht an, beschwerten sich diverse Ex-Mitarbeiter kürzlich beim Ministerpräsidenten.
Auch das Engagement als Innenausstatter wolle nicht zum Schwerter-Label passen, monierten sie. Damit aber verkennen sie die Geschichte des Meißener Porzellans: Es war einst unter den Fürstenhäusern Europas begehrte Innenausstattung.





