Um sechs Uhr morgens schlug das Sondereinsatzkommando der Polizei zu: In der Nähe des bayerischen Städtchens Rosenheim nahmen Beamte den früheren Siemens-Manager Michael Christoforakos fest. Der Ex-Chef der griechischen Landesgesellschaft von Siemens habe keinen Widerstand geleistet, sagte Alfons Obermeier von der Generalstaatsanwaltschaft München.

Christoforakos hatte sich im Haus von Freunden versteckt gehalten. Er war vor einigen Wochen aus Griechenland nach Deutschland geflohen. Der Manager wird per europäischem Haftbefehl gesucht. Die griechische Staatsanwaltschaft wirft ihm Korruption und Geldwäsche vor. Christoforakos soll zusammen mit anderen Beschuldigten Mitarbeiter der griechischen Telekommunikationsgesellschaft OTE bestochen haben, um an Aufträge für den Münchner Technologiekonzern zu kommen. Auch griechische Politiker erhielten angeblich Geld. Der Fall sorgt deshalb in Athen für Aufsehen.

Der Anwalt von Christoforakos, Stefan Kursawe, weist die Vorwürfe der griechischen Justiz zurück. Er will eine Auslieferung seines Mandanten nach Griechenland verhindern. „Wenn er ausgeliefert wird, dann überlebt er mit hoher Wahrscheinlichkeit die ersten Tage in Haft nicht“, sagte er. „An diesem Fall hängen Dutzende griechischer Spitzenpolitiker, die kein Interesse an einem Geständnis haben.“ Christoforakos erhalte Morddrohungen.

Kursawe wirft der griechischen Justiz vor, Unterlagen gefälscht zu haben. Die Behörde habe eine Zeugenvernehmung von Christoforakos im April 2008 im Nachhinein in eine Beschuldigtenvernehmung umgedeutet, um eine Verjährung der vorgeworfenen Taten zu verhindern. „Die betrügen“, sagte Kursawe. Auch aus diesem Grund sei eine Auslieferung nicht rechtens. Nach deutschem Recht seien die Vorwürfe ohnehin verjährt. Christforakos besitzt die deutsche und die griechische Staatsangehörigkeit.

Der Status bei der Vernehmung des Beschuldigten in Griechenland sei unklar, sagte Obermeier von der Generalstaatsanwaltschaft. „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass etwas manipuliert wurde“, betonte er aber. Man habe eine Stellungnahme der griechischen Behörden angefordert. Obermeier sagte, dass nach Erkenntnis der deutschen Ermittlungsbehörden „keine Gefahr für Leib und Leben“ von Christoforakos bestehe.

Die Generalstaatsanwaltschaft wird die Akten in den kommenden Tagen beim Oberlandesgericht München vorlegen. Das muss dann entscheiden, ob Christoforakos nach Griechenland ausgeliefert wird. Wie lange das dauern werde, sei noch nicht absehbar, erklärte Obermeier.