IWF-Prognose

Krisen-Verluste der Banken geringer als befürchtet

Die Erholung der Weltwirtschaft lässt die krisengeschüttelte Bankenbranche laut einer Prognose des IWF glimpflich davonkommen. Der Internationale Währungsfonds geht zwar immer noch von Verlusten in Billionenhöhe aus. Dennoch korrigiert der IWF das Minus deutlich nach unten.

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Der in den vergangenen zwei Jahren stets besonders pessimistische Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für die Gesamtschäden der Finanzkrise nach unten korrigiert. Der Fonds geht nun von weltweiten Verlusten durch faule Papiere und Kredite von 3,4 Billionen Dollar aus, 600 Milliarden Dollar weniger als in der Prognose vom April 2009.

Der IWF bewertet alle sechs Monate die Stabilität der Finanzmärkte. Der neueste Bericht, der anlässlich der am Wochenende beginnenden Jahrestagung des Fonds in Istanbul vorgestellt wurde, ist von einem deutlich positiveren Tenor geprägt als die vorherigen Ausgaben. „Es wächst das Vertrauen, dass die Weltwirtschaft die Wende zum Besseren geschafft hat“, heißt es darin. Dadurch hätten sich auch die Marktpreise für zahlreiche problematische Vermögenswerte erholt. So erwartet der IWF ein Ende des Preisrutsches bei amerikanischen Immobilien, einem der maßgeblichen Treiber der Finanzkrise.

Entwarnung will die internationale Organisation allerdings auch jetzt noch nicht geben. Allein für die Banken der Euro-Zone rechnet der IWF zwischen 2007 und 2010 nun mit Abschreibungen und Verlusten bei Krediten sowie Giftpapieren in Höhe von 814 Mrd. Dollar (557 Mrd. Euro), wovon bislang weniger als die Hälfte verarbeitet sei. „Wir sind auf dem Wege der Erholung, was aber nicht bedeutet, dass die Risiken verschwunden sind“, sagte der Chef der IWF- Kapitalmarktabteilung, José Viñals.

Auch die Bundesbank sieht die Branche noch nicht über dem Berg und warnt deshalb davor, zu früh an der Regulierungsschraube zu drehen. „Mittelfristig muss zweifellos mehr Eigenkapital als Risikopolster ins System“, sagte der für Finanzstabilität verantwortliche Vorstand Hans-Helmut Kotz. Derzeit seien höhere Anforderungen jedoch noch nicht hilfreich, „weil man sonst Gefahr läuft, die Krise zu verschärfen“. Strengere Eigenkapitalvorschriften würden den Banken die ohnehin schon schleppende Kreditvergabe weiter erschweren.

Die G-20-Staaten hatten am vergangenen Wochenende beim Gipfel in Pittsburgh beschlossen, die Kapitalanforderungen anzuheben. Allerdings zeichnen sich bereits harte Verhandlungen über die Details ab. So beinhaltet das G-20-Konzept, dass künftig nur noch Stamm- und Vorzugsaktien nach US-Verständnis sowie Kapitalrücklagen als vollwertiges Eigenkapital anerkannt werden sollen. Deutsche Banken befürchten Nachteile, weil hierzulande gebräuchliche Mischformen zwischen Eigen- und Fremdkapital durchs Raster fallen würden. „Das werden wir so nicht hinnehmen“, sagte Bundesbank-Vorstand Kotz. Entscheidend müsse sein, inwiefern die Mittel Verluste abfedern könnten. „Es kommt auf die Funktion an, nicht darauf, was auf der Tüte draufsteht.“

Der IWF warnte indes davor, bei den Reformen zurückzurudern. „Selbstzufriedenheit mit Blick auf die Neuordnung des Bankenwesens gibt Anlass zur Sorge“, heißt es in dem Bericht. Die Weltkonjunktur sieht der Fonds offenbar deutlich optimistischer als bisher. Analysten erwarten eine Wachstumsprognose von drei Prozent für die Weltwirtschaft, 0,5 Prozentpunkte mehr als bisher. Für Deutschland soll der IWF nun anstelle eines Minus von 0,4 Prozent ein Plus von 0,3 Prozent erwarten.

Die G20 hatten auf Drängen von US-Präsident Barack Obama beschlossen, dass Exportnationen wie Deutschland ihren Binnenkonsum ankurbeln sollen, um die globalen Ungleichgewichte zwischen export- und importlastigen Ländern abzubauen und die Konjunktur zu belegen. Die Bundesbank kritisiert dieses Ansinnen jedoch scharf: „Durch ein reines Umschichten der Nachfrage können die Probleme nicht gelöst werden“, sagte Vorstandsmitglied Kotz. Die Kreditblase habe weltweit zu Überkapazitäten geführt. „Es ist nicht wirtschaftlich, diese obsoleten Kapazitäten mit politischen Mitteln weiter auszulasten.“