Nur gut drei Wochen gastiert ein Weihnachtsbaum in der Wohnstube, dann hat er seinen Dienst getan und fliegt wieder raus. Den kurzen Besuch des schmucken Baumes gönnen sich rund 25 Millionen Deutsche pro Jahr. Die Nordmanntanne ist hierzulande die unangefochtene Nummer eins unter den Weihnachtsbäumen.
Nicht nur auf der Beliebtheitsskala steht dieses Nadelgehölz ganz oben, sondern auch beim Preis. „In diesem Jahr rechnen wir mit einem durchschnittlichen Preis von 27 Euro pro Nordmanntanne“, sagt Werner Koop, Geschäftsführer der Original Nordmann GmbH, die sich um den Vertrieb dieses Baumes kümmert. Damit ist die Nordmanntanne so teuer wie nie. „1999 lag sie bei 26,50 Euro in den Jahren bis 2007 deutlich darunter“, sagt Koop. Zuletzt habe eine Überproduktion bestanden, doch 2008 sei es durchaus möglich, dass es zu wenige Nordmanntannen gebe. Im selben Atemzug beschwichtigt Koop: „Jeder wird einen Baum bekommen.“ Allerdings müssten womöglich bis zu 1,5 Millionen Baumfreunde in Deutschland auf die Blautanne ausweichen, die viele auch unter dem Namen Edeltanne und Blaufichte kennen.
Ein kleines Trostpflaster: Die Edeltanne ist auch in diesem Jahr rund ein Drittel günstiger als die Nordmanntanne. Der Preis jedoch ist bei Baumfreunden nicht alles. Die Nordmanntanne hat der Blaufichte nicht umsonst in den vergangenen Jahren den Rang abgelaufen, denn das bläulich schimmernde, edle Gehölz piekt deutlich stärker als die Nordmanntanne und beschert Allergikern häufiger rote Flecken auf Händen und Unterarmen. Fast 80 Prozent aller Weihnachtsbäume in Deutschland sind inzwischen Nordmanntannen. Der Baum hat eine steile Karriere hinter sich. „Erst in den Siebzigerjahren stieg die Unlust, sich mit stechenden Nadeln abzugeben“, erzählt Koop. „Als man die noch vom Linoleum auffegen konnte, spielten Nadeln keine große Rolle, aber mit dem Aufkommen der Teppichböden änderte sich das.“ Seither verdrängt die Nordmanntanne mit ihren weicheren Nadeln die Blaufichte und die traditionell in Ostdeutschland verwendete Kiefer. Die wächst oft sehr breit. Zudem werden ihre Äste bei Frost spröde, so dass man sie kaum mehr ins Transportnetz zwängen kann. Das macht sie für den Verkauf unattraktiver, obwohl sie deutlich günstiger ist als die Nordmanntanne.
Die Kiefer ist meist heimisch
Im Gegensatz zur Kiefer haben Nordmanntannen allerdings einen weiteren Weg hinter sich. Sie stammen oft aus Dänemark. Dort gedeihen sie gut und sind vor Spätfrost sicherer. Wer also ökologisch korrekt Weihnachten feiern will, der wendet sich besser an den örtlichen Förster. Oft besteht in seinem Wald die Möglichkeit, den Baum selbst zu schlagen. So weiß man ganz genau, dass man kein weitgereistes Gehölz nach Hause trägt – und frisch ist es obendrein. Denn viele Bäume stammen auch aus Osteuropa und Irland. Wie für viele andere Produkte, gibt es auch für Weihnachtsbäume Gütesiegel: Ökologische Weihnachtsbäume tragen das Naturland-Zeichen oder das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC). Sie stammen aus Wäldern, die nach den Richtlinien der Umweltschutzverbände Robin Wood, Greenpeace und BUND bewirtschaftet werden.
Preisgünstig und ökologisch erscheinen oft Tannen mit Wurzelballen. Doch das geplante Bäumchen-wechsel-dich-Spiel, das den Christbaum nach getaner Deko-Arbeit im Garten sieht, klappt nur selten. Dem bedauernswerten Baum wird nämlich durch die laue Zimmertemperatur der Frühling vorgegaukelt. Wenn er dann nach dem Fest in die Winterkälte zurück muss, erfriert er meist.
Die in der Anschaffung mit Abstand billigste Form des Weihnachtsbaums bleibt freilich der künstliche Tannenbaum. Ohne Kerzen gibt es den schon zu einem echten Schleuderpreis: 18 Zentimeter für 2,50 Euro. Doch ausgerechnet beim Wegwerfen bereitet er Probleme: „Wir verwehren uns gegen künstliche Weihnachtsbäume“, sagt Werner Koop, „wer sie sachgerecht entsorgen will, der muss sie nicht selten zur Sondermülldeponie bringen“. Und so werden sie doch noch teuer.





