Für manche Branchen ist die Kälte ein Segen: Wenn es draußen friert, steigt die Nachfrage nach Eiskratzern, Schneeschaufeln, Schlitten und auch Vogelfutter rasant an. Aber auch wenn jedes Jahr ein neuer Winter vor der Tür steht: Fast niemand kauft etwa Streusalz auf Vorrat. Die derzeitige arktische Kälte stellt Hersteller vor eine Herausforderung: "Hätten wir das geahnt, hätten wir schon vorproduziert!", stöhnt Andreas Donath, dessen Spezialbetrieb Wintervogelfutter für den deutschen Markt liefert. In seiner Firma werden zurzeit mit Hochdruck Körnermischungen und Meisenknödel hergestellt.
Das Problem am Winter ist, dass niemand weiß, wann und mit welcher Heftigkeit er kommt. "Langfristige Wetterprognosen wären natürlich optimal. Aber wir alle wissen: Alles, was über drei Tage hinaus geht, kann man vergessen", sagt Manfred Koopmann von Europas führendem Streusalzlieferanten Esco, der zum jüngsten Dax-Mitglied K+S gehört. Momentan arbeitet man bei Esco rund um die Uhr. Das Unternehmen plündert seine Streusalzlager und Bergwerke in ganz Deutschland, denn Autobahn- und Straßenmeistereien kommen mit dem Streuen kaum noch nach.
Der Auftragseingang sei zurzeit "sehr, sehr gut" und rufe Erinnerungen an den Winter vor drei Jahren wach, sagt Koopmann. Damals habe man insgesamt sechs Millionen Tonnen Salz umgesetzt. Im schlechten Winter 2007/2008 waren es eine Millionen Tonnen weniger. Mangels Hellsichtigkeit in Sachen Wetter bereitet sich das Salzunternehmen jedes Jahr auf den schlimmsten Fall vor. Schon im Sommer werden die Lager gefüllt und die Abnehmer vom Großhändler bis zum öffentlichen Auftraggeber animiert, ebenfalls Vorsorge zu treffen.
Im thüringischen Geschwenda rotiert zurzeit Gabi Schrickel beim Schlittenproduzenten KHW. Allerdings nur im Büro. "Hier haben wir zurzeit 50 Prozent mehr zu tun. In der Produktion geht es noch, denn wir haben viel auf Lager", sagt sie. KHW ist Marktführer bei Kunststoffschlitten. Die Produktpalette reicht vom Lenkbob "Snow Flyer de Luxe" über Baby-Schlitten bis hin zu Schlitten für Behinderte. Dass es ein guter Winter ist, merkt Gabi Schrickel daran, dass deutschlandweit und nicht nur aus den Wintersportgebieten Aufträge eingehen.
Als besten Helfer für seine Branche bezeichnet auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Einzelhandelsverbands HDE, Hubertus Pellengahr, den Winter. Das Geschäft mit Wintertextilien verlief schleppend, bis es richtig kalt wurde. Die Kunden scheinen lieber zuzugreifen, wenn es draußen friert.
Dort, wo Eiskratzer und Streusalz gekauft werden, kennt man das Problem. Die Baumarkt-Kette Praktiker verzeichnet 50 Prozent mehr Absatz von Schneeschaufeln in den letzten vier Tagen und kauft laufend Streumittel nach. Auch Branchenprimus Obi berichtet, dass die Kunden sich erst jetzt mit Schneeschiebern und Schlitten eindecken.
Vogelhäuser dagegen werden bereits im Herbst gekauft. Passendes Futter liefert Andreas Donath. Doch Rekordwerte von minus 20 Grad müssen nicht sein: "Da verkriechen sich die Tiere. Um die Null Grad wäre schön", sagt er. Angesichts der Wetterberichte für die weiteren Tage, geht dieser Wunsch wohl in Erfüllung.




