Euro-Rettungsschirm

Die EZB-Kapitalerhöhung zeigt Trichets Niederlage

Trichets Droh-Strategie einer Kapitalerhöhung für die EZB ging nicht auf. Die Regierungschefs lehnen eine Beteiligung an den Anleihenaufkäufen ab.

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Man kann Jean-Claude Trichets Ärger verstehen. Seit Wochen muss der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) die Anleihen maroder Mitgliedstaaten der Währungsunion aufkaufen, um die Zahlungsfähigkeit dieser Länder zu erhalten. Das Programm ist Teil der europäischen Hilfe für die Wackelkandidaten der Eurozone. Zugleich aber nagt es am guten Ruf der EZB, denn die Zentralbanker finanzieren damit indirekt die Schuldensünder der EU.

Kein Wunder also, dass Trichet das Problem von seinem Tisch haben wollte. Tagelang hat er informell verkünden lassen, dass die EZB eine Kapitalerhöhung brauche, wenn sie die ungeliebte Rolle weiterhin spielen solle. Schließlich drohten ihr aus dem Anleihenaufkauf Verluste, wenn die Bonds an Wert verlieren, so die Argumentation. Europas Chef-Zentralbanker hoffte, dass ihm die Regierungschefs angesichts der Drohung die Anleihenaufkäufe abnehmen würden.

Er hat sich getäuscht. Die Kapitalerhöhung ist das Eingeständnis seiner Niederlage. Zugleich aber macht sie etwas anderes klar: Europas Spitzen haben sich über die Frage zerstritten, wie sie die Währung retten wollen. Die Differenzen sind sogar so groß, dass die Beteiligten mit Verve auf offener Bühne herum zanken. Die Konsequenzen dieses Theaters lassen sich an den Kapitalmärkten beobachten. Egal welches Rettungsprogramm die Eurozone auch beschließt, die Investoren glauben nicht an dessen Tragfähigkeit. Die Zweifel der Anleger resultieren nicht zuletzt aus dem Zwist des EU-Managements. Selbst eine Vergrößerung des Euro-Rettungsschirms könnte sie kaum beschwichtigen. Solange Europas Mächtige sich nicht auf einen gemeinsamen Weg aus der Krise einigen, wird das Euro-Debakel kein Ende nehmen.