Der Tarifkompromiss mit den Piloten von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin ist geplatzt. Die Piloten lehnten in einer Urabstimmung die Ende August gefundene Einigung mit großer Mehrheit ab, bestätigte die Fluggesellschaft am Freitag ein internes Schreiben der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. In Tarifstreitfällen ist es äußerst selten, dass bereits gefundene Kompromisse in einer späteren Urabstimmung wieder gekippt werden.

Laut Fluggesellschaft sind neue Gespräche mit der Gewerkschaft für Anfang November vereinbart. Man gehe daher davon aus, dass es zunächst zu keinen Streiks kommen werde.

Air Berlin hatte sich mit der Gewerkschaft Ende August auf einen Manteltarifvertrag mit einer schrittweisen Angleichung „wesentlicher Arbeitsbedingungen“ der Air Berlin-Piloten an das Niveau der Tochtergesellschaft LTU bis 2013 geeinigt. Es hieß, es gehe dabei um die Anzahl von freien Tagen pro Jahr, die Flexibilisierung der Vergabe der monatlichen freien Tage sowie die Angleichung des Urlaubsanspruchs und der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Außerdem seien bei Air Berlin und LTU „optimierte Modelle“ zur Dienstplangestaltung und der Vergabe von Bereitschaftsdiensten vereinbart worden.

Die Tarifpartner hatten sich laut Unternehmen zudem darauf geeinigt, auf Langstreckenflügen eine verstärkte Cockpit-Besatzung einzuführen. Zum Sommerflugplan 2011 sollte die Cockpit-Crew auf ausgewählten, besonders langen Langstreckenflügen durch einen dritten Piloten verstärkt werden.

Bei der Urabstimmung stimmten der internen Mitteilung der Gewerkschaft an ihre Mitglieder zufolge nun bei Air Berlin 90,5 Prozent der Befragten gegen den Kompromiss, nur 8,9 Prozent dafür. Bei der Tochter LTU gab es 84,5 Prozent Nein-Stimmen, nur 14,2 Prozent waren für den Kompromiss. Die Wahlbeteiligung lag zwischen 79,1 Prozent bei LTU und 83,8 Prozent bei Air Berlin.

In dem Papier heißt es weiter, mit der Ablehnung des Kompromisses durch die Urabstimmung bestehe nun keine Friedenspflicht mehr. Das bedeutet, dass Streiks wieder rechtlich möglich sind.

Die Gewerkschaft hatte bereits Mitte August mit Streiks gedroht und sich dazu in einer Urabstimmung die Genehmigung seiner Mitglieder geben lassen. Beide Seiten hatten monatelang über Dienst-, Ruhe- und Bereitschaftszeiten der Piloten verhandelt.

Bei Air Berlin und der 2007 hinzugekauften Düsseldorfer LTU arbeiten rund 1200 Piloten.

dpa/sei