Lebensmittelskandal

Dioxin-Fleisch wahrscheinlich doch im Handel

Zunächst war ausgeschlossen worden, dass mit Dioxin vergiftetes Schweinefleisch in den Supermärkten gelandet sein könnte. Doch da ist sich das niedersächsische Agrarministerium nun gar nicht mehr sicher.

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In Niedersachsen ist möglicherweise mit Dioxin verseuchtes Schweinefleisch in den Handel gekommen.

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Mit Dioxin belastetes Schweinefleisch ist entgegen ersten Angaben möglicherweise doch bereits an Verbraucher verkauft worden. „Leider ist nicht auszuschließen, dass mit Dioxin belastetes Fleisch in den Handel gelangt ist“, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums in Hannover am Mittwoch mit Blick auf einen Betrieb im Landkreis Verden. In Nordbayern könnte zudem dioxinhaltiges Schweinefleisch eines Mastbetriebes aus Sachsen-Anhalt verkauft worden sein.

Noch am Dienstag hatte der niedersächsische Agrar-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke kategorisch ausgeschlossen, dass Dioxin-Fleisch in die Supermärkte gelangt sei. Einen Tag später korrigierte Ministeriumssprecher Gert Hahne nun diese Aussage: Ripke sei noch nicht auf dem neuesten Stand des zuständigen Kreis-Veterinärs in Verden gewesen, so seine Begründung.

Bei einer Probeschlachtung eines Schweins aus dem Betrieb bei Verden war eine um 50 Prozent über dem Grenzwert liegende Dioxinbelastung festgestellt worden. Noch kurz vor der Sperrung habe der Betrieb Schweine, die dioxinhaltiges Futter bekommen hätten, schlachten lassen, sagte die Sprecherin.

Nach Angaben des Landkreises Verden wurde in dem Betrieb seit 26. November dioxinhaltiges Futter an Schweine verfüttert. Der Tierhalter ist auch als Futtermittelbetrieb tätig und hatte das belastete Futter selbst mit Hilfe von dioxinhaltigem Futterfett der Firma Harles und Jentzsch angemischt. Bis Ende Dezember seien nach und nach etwa 150 mit dem dioxinhaltigen Futter ernährte Schweine geschlachtet und als Fleisch verkauft worden, sagte der Veterinär des Landkreises Vechta, Peter Rojem.

Zuletzt habe der Betrieb am 30. Dezember 35 Schweine schlachten lassen. Bereits zwei Tage zuvor habe er wegen der Berichte über den Dioxin-Skandal kein belastetes Futter mehr eingesetzt.

Von den 150 Schweinen hätten die zuerst geschlachteten Tiere das dioxinhaltige Futter nur wenige Tage lang erhalten, sagte Rojem weiter. Wahrscheinlich sei ihr Fleisch geringer mit Dioxin belastet gewesen. Mit dem dioxinhaltigen Futter wurden zudem neun andere Schweinehalter beliefert, darunter zwei private Halter mit jeweils einem Tier für den Eigenbedarf. Am Donnerstag werde es Probeschlachtungen von Tieren aus den neun Betrieben geben, um das Fleisch auf Dioxin zu untersuchen.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums muss der Landkreis Verden nun nachvollziehen, wohin das Fleisch der wahrscheinlich dioxinbelasteten Tiere gelangt ist. „Wenn es gefunden wird, muss es nachträglich gesperrt werden“, sagte Sprecherin Natascha Manski.

Verdächtiges Fleisch in Bayern abverkauft

Nach einem Bericht der „Nürnberger Nachrichten“ wurden im Dezember 400 geschlachtete Tiere von einem Mastbetrieb in Sachsen-Anhalt an mehrere Supermärkte in Nordbayern geliefert. Dies habe das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen dem Blatt bestätigt. Der Hof sei mittlerweile gesperrt worden, weil der Verdacht bestehe, dass die Schweine mit verunreinigtem Futtermittel gemästet wurden. Ob ihr Fleisch tatsächlich mit Dioxin belastet war, lasse sich nicht mehr feststellen, die Ware sei längst verkauft.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) kündigte erneut ein Maßnahmenpaket an, um die Dioxin-Gefahr in Lebensmitteln zu verringern. „Wir brauchen hier einheitliche Qualitätsstandards“, sagte sie am Mittwoch im ZDF. Nötig sei auch ein Dioxin-Warnsystem, das alles zusammentrage, was an Dioxin-Belastungen in Lebens- oder Futtermitteln enthalten sei.