DGB-Chef Michael Sommer hat vor weiteren Finanzkrisen gewarnt und Kanzlerin Angela Merkel mangelndes Durchsetzungsvermögen in Europa vorgeworfen. „Die Regierungen haben es leider versäumt, die Ursachen für die Finanzkrise ernsthaft und nachhaltig zu bekämpfen“, kritisierte er. Den Tätern sei das Handwerk nicht gelegt worden. Die Kanzlerin setze sich in dieser Frage europäisch nicht durch und die Zockerei gehe munter weiter. Zum Beispiel sei bei den Ratingagenturen nichts passiert.

„Es ist im Bereich der Prävention viel zu wenig passiert - dadurch befinden wir uns weiter in einer latenten Krisengefahr“, erklärte Sommer. Ob das Mittel des Eurobonds zum Schutz des Euro das richtige Mittel wäre, vermöge er noch nicht abschließend zu beurteilen, da noch nicht alle Fakten auf den Tisch lägen und viele Fragen offen seien. „Aber es könnte ein gangbarer Weg sein.“ Der Vorschlag für gemeinsame Anleihen der Euro-Länder war von Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker gekommen. Merkel hatte ihn umgehend abgelehnt.

Es sei notwendig, europäische Solidarität zu organisieren – und das koste auch Geld, sagte Sommer. „Wir müssen auch zu einer anderen ökonomischen Balance in diesem Land kommen und darüber reden, was sich in Deutschland ändern müsste.“ Und das heiße auch, dass Deutschland die Anforderungen von anderen erfüllen müsse. Deutschland müsse zu einer größeren Stabilität kommen und zu einer Steigerung der Binnenkonjunktur. „Dazu brauchen wir ein stärkeres ökonomisches Gleichgewicht zwischen Export- und Binnenwirtschaft. Die Steigerung der Massenkaufkraft in dem Bereich der unteren Löhne ist hierzu unumgänglich“, erklärte Sommer.

Zurück zur D-Mark ist keine Lösung

Forderungen nach Wiedereinführung der DM erteilte Sommer eine klare Absage. „Die deutschen Gewerkschaften zeichnen sich nur bedingt durch Nostalgie und Dummheit aus. Ein Zurück zur D-Mark wäre eine Mischung aus deutschem Hochmut und ökonomischer Dummheit“, sagte er. Der Euro eröffne der deutschen Wirtschaft den europäischen Binnenmarkt, von dem man extrem profitiere. Die deutsche Exportwirtschaft habe ein sehr großes Interesse an der Weiterexistenz des Euro. „Wir müssen alles tun, ihn zu stabilisieren“, sagte Sommer.

dapd/woz