Es war das Halbjahr der Turbulenzen an den Börsen. Und dazu passend verlaufen auch die letzten Handelstage der ersten sechs Monate 2008. Wie schon im Januar und im März, als die großen Indizes ins Rutschen geraten waren, rauschen die Kurse auch jetzt wieder nach unten. Deutschland steht dabei noch relativ gut da: Während Dow Jones und EuroStoxx 50 auf Mehrjahrestiefs notieren, liegt der Dax immerhin noch rund 250 Punkte über seinem Jahrestief.
Das ist allerdings ein schwacher Trost. Denn die Gemengelage an den Märkten gibt zunächst wenig Anlass zur Hoffnung. „Das Stagflationsgespenst ist das beherrschende Thema“, sagt Henning Gebhardt, verantwortlich für deutsche Aktien bei der Fondsgesellschaft DWS. Ein Ölpreis über 140 Dollar, zunehmende Inflation und auf der anderen Seite sich abschwächende Wirtschaftsleistungen seien eine Mischung, die keinem Börsianer behage. Mit Blick nach vorn aber teilt Gebhardt den Pessimismus, den die Indizes mit ihrem jüngsten Rutsch ausdrücken, nicht. „Wir übertreiben nach unten. Mittelfristig sind das Einstiegskurse.“
Gebhardt steht mit dieser Meinung nicht allein da. „Von einer Situation, wie wir sie in den 70er Jahren erlebt haben, sind wir weit entfernt“, sagt etwa Kai Carstensen, Konjunkturchef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo): „Damals kam es in Folge der Ölkrise zu Einbrüchen bei der Produktion. Hinzu kamen Streiks und zu hohe Lohnabschlüsse. Die Inflationsraten lagen in vielen Industrieländern zwischen fünf und sieben Prozent.“ So dramatisch sei die Situation heute nicht.
„Wir haben eine Inflation der Krisenthemen“, glaubt auch Markus Reinwand, Stratege bei der Helaba. Der Analyst schließt deshalb nicht aus, dass in der aktuellen Situation die Risikoaversion der Anleger übermäßig stark ausgeprägt sein könnte – und leitet daraus Chancen ab. „Mittelfristig orientierten Anlegern bietet die gegenwärtige Korrektur durchaus interessante Einstiegsgelegenheiten.“ Nach klassischen Bewertungsmaßstäben seien viele Aktien aktuell so günstig bewertet wie zuletzt am Ende der Baisse der Jahre 2002 und 2003.
Natürlich gehört Mut dazu, in der aktuell unsicheren Börsenlage Kaufaufträge für Aktien zu erteilen. „Aber man muss ja auch nicht gleich alles auf einmal investieren“, sagt Georg Thilenius, Vermögensverwalter und Chef der Thilenius Asset Management. Zögerlichen Anlegern rät er, die gefallenen Notierungen zum Teileinsteig zu nutzen. „Dann hat man einen Fuß in der Tür und kann mit einer zweiten Position verbilligen, falls es an den Märkten im Herbst doch noch weiter nach unten gehen sollte.“
Gerade im Hinblick auf die 2009 in Kraft tretende Abgeltungsteuer sei der Zeitpunkt für den Kauf nachhaltig erfolgreicher Aktien interessant, um sich den Bestandsschutz auf die Steuerfreiheit der Kursgewinne nach Ablauf der Spekulationsfrist langfristig zu sichern. Besonders für konservative Anleger geeignet seien Aktien wie die deutsche BASF (WKN: 515100). Das Unternehmen zählt nicht ohne Grund zu den Dax-Werten, die sich im Kursabschwung gemessen an ihrem 52-Wochen-Hoch relativ stabil gehalten haben.
„Bei BASF überzeugt vor allem die Kontinuität der Dividendenzahlung“, sagt Thilenius. „Wer 1996 BASF-Aktien gekauft hat, freut sich heute über eine Ausschüttungsrendite von 24 Prozent auf das damals eingesetzte Kapital. Damit hält man jede Inflation im Zaum.“ Thilenius hält aber auch viel vom Energiekonzern Total (WKN: 850727) und dem US-Giganten General Electric (WKN: 851144). Beide überzeugten mit günstiger Bewertung und attraktiven Ausschüttungen.
„General Electric etwa ist seinem deutschen Konkurrenten Siemens deutlich vorzuziehen“, sagt der Vermögensverwalter. GE habe die Dividende in den vergangenen zwölf Jahren immer um zwölf bis 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. „Mit GE können Anleger zusätzlich von einer unserer Meinung nach wahrscheinlichen Dollar-Erholung profitieren“, ergänzt Thilenius.
Wer eine positive Meinung zum Markt hat, Einzelaktien aber für zu riskant hält, der kann auch gleich kostengünstig den ganzen Index kaufen. So genannte Börsengehandelte Indexfonds (ETF) ermöglichen dabei ohne aufwendiges aktives Fondsmanagement die exakte Teilhabe an der Entwicklung etwa des Dax oder des EuroStoxx 50. Risikobewusste Anleger, die die aktuelle Verkaufswelle für übertrieben halten und auf eine rasche Erholung setzen, können ihre Rendite sogar verdoppeln: Das Lyxor Lev-Dax-ETF (WKN LYX0AD) multipliziert die Entwicklung des Dax mit zwei. Vorsicht ist allerdings geboten: Der Turbo wirkt in beide Richtungen.





