Der deutsche Aktienmarkt startet mit leichten Verlusten in den Handel. Schon in der ersten Stunde verliert der Dax mehr als ein Prozent und erreicht einen Tiefstand von 6.373 Zählern. Damit setzt sich die Talfahrt zügig fort. Erst gestern verlor der Leitindex 2,4 Prozent und schloss mit 6459 Punkten auf dem tiefsten Stand seit drei Monaten.

Auch die Nacht war alles andere als erfreulich für die Börsianer. Der Leitindex Dow Jones schloss auf dem tiefsten Stand seit 21 Monaten bei 11.453 Zählern und einem Minus von rund drei Prozent. Der breiter gefasste S&P-500 schloss 2,9 Prozent schwächer bei 1283 Punkten. Der Technologie-Index Nasdaq verzeichnete die größten Prozentverluste an einem Handelstag seit Januar und fiel 3,3 Prozent auf 2321 Zähler.


Die schlechten Vorgaben aus den USA und Europa zogen auch die Kurse in Asien in die Tiefe. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio zwei Prozent im Minus bei 13.544 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor bis Handelsschluss 1,8 Prozent auf 1320 Punkte. Die Börse in Taiwan schloss 3,4 Prozent im Minus, der Aktienmarkt in Shanghai notierte 6,14 Prozent leichter. Auch die Börsen in Korea, Singapur und Hongkong lagen im Minus.


Mit einer Erklärung für den Einbruch taten sich die Akteure schwer. Von Inflationsängsten über Sorgen um die Finanzbranche bis zu steigenden Ölpreisen mussten altbekannte Gründe für den globalen Einbruch herhalten. Auch wenn die vermeintlichen Verkaufsmotive nicht neu sind, so scheint doch das Ausmaß inzwischen so bedrohlich zu sein, dass selbst die größten Optimisten nicht mehr so schnell an eine Erholung glauben.

Experte: Anleger sind zu optimistisch

"99 Prozent der Akteure sind zu optimistisch", meint Albert Edwards, Stratege bei der Société Générale in London. Er erwartet eine tiefe Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft USA. "Wir werden noch einmal richtig runtergehen, bevor es wieder hoch geht."

"Als Aktionär würde ich bis zum Jahresende Urlaub nehmen", sagt Teun Draaisma, Stratege bei Morgan Stanley in London. Er rät Anlegern ihr Geld von der Börse abzuziehen. "Ich bin mittlerweile mehr denn je überzeugt, dass es mit den Kursen weiter nach unten geht." Als Gründe führt er den Paradigmenwechsel der Notenbanken an. Diese hätten in den vergangenen Wochen umgeschaltet von Konjunkturstimulierung auf Inflationsbekämpfung. Höhere Leitzinsen seien aber erst einmal Gift für die Kurse.

Tatsächlich deutet alles darauf hin, dass die Europäische Zentralbank bereites in der kommenden Woche eine Zinswende vornehmen wird. Erste Inflationsdaten aus deutschen Bundesländern lassen für Juni eine weitere Beschleunigung der Teuerung in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone erwarten. So lag die Inflationsrate in Nordrhein Westfalen mit drei Prozent deutlich über den 2,6 Prozent des Vormonats. Auch die Aussagen der amerikanischen Währungshüter vom Mittwoch kamen auf dem Parkett nicht besonders gut an.

Reuters/hz./sei./dma