Der Elektrokonzern Siemens streicht in Deutschland bis 2010 insgesamt 6400 Arbeitsplätze. Allein am Standort Berlin seien es gut 300, berichtet die "Bild"-Zeitung. Die Stellen sollten in der Verwaltung des Konzerns abgebaut werden. Das Abbauprogramm solle jedoch ohne betriebsbedingte Kündigungen verwirklicht werden. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat sollten am 7. Juli beginnen. Bis Herbst solle der konkrete Abbauplan stehen und die betroffenen Mitarbeiter informiert werden. Ein Siemens-Sprecher wollte sich dazu zunächst nicht äußern.

Allein bei seiner kriselnden Verkehrssparte Mobility streicht der Konzern nach Informationen von Morgenpost Online jeden zehnten Arbeitsplatz. Das Sanierungsprogramm „Mobility in Motion“ sieht den Abbau von 2000 Stellen vor. Auch die Schließung einzelner Standorte sei nicht ausgeschlossen, hieß es in Konzernkreisen.

Ob Werke in Deutschland betroffen seien, stehe noch nicht fest. Die Sparte hat Fertigungen in Berlin, Braunschweig, Krefeld und München. Die Hälfte der Jobs soll in der Verwaltung von Mobility gestrichen werden. Dies ist Teil des Kostensenkungsprogramms, bei dem Konzernchef Peter Löscher allein in Deutschland 6400 Stellen streichen möchte. Besonders hart trifft es neben Berlin den Standort München. Dort sollen 800 Stellen abgebaut werden.

In den Mobility-Werken sollen 1000 Arbeitsplätze wegfallen, diese sind nicht Teil des Sparprogramms in der Verwaltung. Die Kürzungen betreffen zufolge vor allem die Fabriken in europäischen Hochlohnländern. Hier macht Deutschland den größten Anteil aus. Nach Aussage von Betriebsräten ist das Sanierungsprogramm „die letzte Chance“ des Bereichs. Sollte er danach nicht seine Margenziele von fünf bis sieben Prozent Umsatzrendite erreichen, droht auch ein Verkauf.

Siemens hatte im Geschäft mit Zügen und Verkehrssystemen immer wieder mit Mängeln und unrentablen Projekten zu kämpfen. Im vergangenen Quartal war die Mobility-Sparte sogar in die roten Zahlen gerutscht. Nach Informationen von Morgenpost Online hat der Konzern die Arbeitnehmervertreter zudem informiert, dass er die Tochter Siemens Industry Montage Services (Sims) verkaufen möchte, die wie der Mobility-Bereich zum Industriesektor gehört. Die rechtlich eigenständige Firma hat 1300 Mitarbeiter und bietet unter anderem Montagen im Bereich IT. Größere Standorte von Sims sind unter anderem in Essen, Nürnberg und Stuttgart. Siemens plant, das Unternehmen an einen Mittelständler abzugeben.

Konzern-Chef Peter Löscher verteidigte den geplanten Stellenabbau. Auch Siemens werde die gestiegenen Risiken der Weltwirtschaft durch hohe Rohstoff- und Energiepreise sowie die Finanzkrise in den kommenden Monaten stärker zu spüren bekommen, schrieb Löscher in einem Brief an die Mitarbeiter. Daher müsse Siemens wettbewerbsfähiger gemacht werden. Man wolle „schnell Klarheit schaffen“ und einen fairen Interessensausgleich für die Mitarbeiter aushandeln.

Medienberichten zufolge will der Elektrokonzern weltweit sogar 15.000 Stellen streichen. Bis 2010 sollen dadurch rund 1,2 Milliarden Euro an Vertriebs- und Verwaltungskosten eingespart werden. Weltweit beschäftigt Siemens 435.000 Menschen. Knapp ein Viertel – 100.000 Jobs – sind in Bayern angesiedelt. Weitere 30.000 Mitarbeiter sind in anderen deutschen Ländern tätig. Siemens-Chef Löscher hatte angekündigt, besonders in der Führungsschicht sparen zu wollen. Und im Freistaat sind besonders viele der Management-Stellen vertreten.


Die Staatsregierung in Bayern will um den Erhalt von Stellen bei Siemens kämpfen. „Ich werde mich dafür einsetzen, möglichst viele Arbeitsplätze in Bayern zu erhalten und die Folgen eines eventuellen Stellenabbaus für die betroffenen Mitarbeiter so sozialverträglich wie möglich zu gestalten“, sagte Wirtschaftsministerin Emilia Müller. Die CSU-Politikerin teilte mit, sie stehe im direkten Kontakt zur Unternehmensführung und sehe die möglichen Stellenstreichungen mit großer Sorge. Sie wisse, dass der Verlust des Arbeitsplatzes ein schwerer Schlag für die betroffenen Mitarbeiter und ihre Familien sei.


Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer, mahnte die Verantwortung von Siemens gegenüber seinen Beschäftigten an. „Es gibt eine klare Verantwortung der Siemens AG für die Beschäftigten“, sagte er.


Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sagte der "Süddeutschen Zeitung“, jeder Stellenabbau bedeute für die Betroffenen und ihre Familien einen schmerzlichen Einschnitt: „Die jüngsten Ankündigungen von Siemens und UniCredit, Stellen in größerem Umfang abzubauen, sind schmerzlich. Da rede ich gar nicht drum herum.“ Ziel der Regierung sei es, „den Stellenabbau auf das unternehmerisch unabdingbare Maß zu begrenzen.“ Außer Siemens will auch der Mutterkonzern der HypoVereinsbank, UniCredit, Stellen abbauen: Die Rede ist von 9000 Jobs, wobei noch offen ist, ob und wie viele davon bei der HypoVereinsbank. mit dpa

dpa/oht