Siemens wird beim angekündigten Personalabbau wohl auf Kündigungen verzichten. „Wir werden das so sozialverträglich wie möglich gestalten“, sagte Konzernchef Peter Löscher zu Morgenpost Online. Er betonte aber auch, dass kein Weg daran vorbeiführe, in der Verwaltung Stellen zu streichen. „Die Fabriken schlank aufstellen und bei den Stäben oben alles so belassen – das geht nicht.“


Löscher hatte bereits angekündigt, dass er die Verwaltungskosten um mindestens 1,2 Mrd. Euro verringern möchte. Wie viele Jobs deswegen wegfallen, hat er bisher nicht verraten. Das könnte sich nun schnell ändern. Schon in den kommenden Tagen könnte es genauere Angaben geben, hieß es im Konzernumfeld. Auch Arbeitnehmervertreter rechnen damit, bald genaue Zahlen zu bekommen. Am 7. Juli wollen Konzernspitze und Betriebsräte im Wirtschaftsausschuss beraten.

Die IG Metall befürchtet, dass Siemens weltweit 10.000 Arbeitsplätze streicht. Analysten spekulierten sogar mit 20.000 Stellen. Zwischen beiden Werten werde sich die tatsächliche Zahl wohl bewegen, hieß es im Konzern. In Deutschland könnten 3000 bis 4000 Stellen betroffen sein, sagte ein hochrangiger Arbeitnehmervertreter. „Ich glaube aber, dass man ohne Kündigungen auskommen wird“, ergänzte er.

Siemens hatte bereits früher bei Sparrunden auf Beschäftigungsgesellschaften gesetzt, die die Mitarbeiter an andere Unternehmen vermitteln. Auch innerhalb des Konzerns seien Umschulungen möglich, hieß es. Siemens hat momentan in Deutschland 3000 offene Stellen, der Großteil allerdings für Ingenieure.

Der Personalabbau wird aber vor allem die Verwaltung treffen. Dort hat Siemens nach eigenen Angaben deutlich höhere Kosten als die Konkurrenten. In den vergangenen zehn Jahren hätten sich die Ausgaben nahezu verdoppelt.

Löscher hat den Konzern bereits einem umfassenden Umbau unterzogen. So hat er elf Geschäftsbereiche, die alle einen eigenen Vorstand hatten, in den drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit zusammengefasst. Und aus 70 Regionalgesellschaften machte er 20. Durch beide Maßnahmen sind nun auch in den Stabsabteilungen darunter viele Jobs überflüssig geworden. Dort werden wahrscheinlich die meisten Stellen gestrichen. „Natürlich herrscht auch ein wenig Unruhe in der Mannschaft“, sagte Löscher mit Blick auf den Konzernumbau, „es dauert ein bis zwei Jahre bis sich alles eingespielt hat.“

Gleichzeitig möchte Löscher das Konzernmanagement weiter verändern. „In der Führungsetage sind wir noch zu deutsch und zu männlich“, sagte er. Siemens erwirtschaftet rund 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland, unter den Spitzenmanagern gibt es aber relativ wenige Ausländer. Das will Löscher in seinem zweiten Jahr als Siemens-Chef ändern. „Ich möchte junge Führungskräfte schneller global erfassen.“ So sollen beispielsweise Talente aus Indien oder China leichter Karriere machen können im deutschen Traditionskonzern.