Bohrinsel

BP soll Wartungsarbeiten verschleppt haben

BP soll bei den Wartungsarbeiten an der gesunkenen Ölplattform geschlampt haben. 390 Überprüfungen seien nicht rechtzeitig vorgenommen worden.

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Die schlechten Nachrichten für BP reißen nicht ab, obwohl der britische Ölkonzern das Leck im Golf von Mexiko schließen konnte. Ein internes Dokument beweist laut eines Zeitungsberichts, dass BP fahrlässig Sicherheitsstandards missachtet hat. Gleichzeitig droht BP nun auch eine Sammelklage wegen des Einsatzes von Chemikalien im Golf von Mexiko.

Derweil steigen die Kosten für die Ölpest: 6,1 Mrd. Dollar (4,6 Mrd. Euro) hat der Konzern nach eigenen Angaben bislang für die Folgen der Katastrophe gezahlt. Davon entfielen 319 Mio. Dollar auf Entschädigungszahlungen an 103.900 Kläger. Auch persönlich büßt der Vorstand für das Öldesaster. 30 Mio. Pfund hat die fünf bestbezahlten BP-Manager das Unglück an Aktien und Optionen gekostet. Allein der scheidende Vorstandschef Tony Hayward verlor 8,5 Mio. Pfund.

Der Schaden könnte noch erheblich größer werden, wenn ein Bericht der „Times“ sich als wahr erweist. Demnach hat ein unabhängiger Gutachter die Bohrinsel sieben Monate vor der Explosion der Deepwater Horizon geprüft und schwere Mängel festgestellt. Insgesamt 390 Wartungsarbeiten seien nicht rechtzeitig ausgeführt worden. Die Sicherheitspolitik des Konzerns sei „nicht allgemein bekannt und weithin kommuniziert“ worden. Sicherheitsprotokolle seien „minderwertig“ und ein Mangel an Entscheidungsträgern auf der Plattform sei „schlecht für die Leistung auf der Bohrinsel“. Etwa die Hälfte des 60-seitigen Berichts besteht aus einer Liste von Teilen, die „nicht den Grundsätzen und Standards von BP entsprechen“.

Die Zahl der überfälligen Wartungsarbeiten sei „maßlos“. Auch bei dem Blowout Preventer – dem Ventil, das zur Explosion der Deepwater Horizon geführt hat – stellte der Gutachter demnach Mängel fest. Bestandteile hätten „die empfohlene Zertifizierungsperiode signifikant überschritten“. Sollte BP nachgewiesen werden, dass Fahrlässigkeit zu dem Unglück geführt hat, muss der Konzern wesentlich höhere Strafen an die US-Regierung zahlen.

Auch die in Alabama eingereichte Sammelklage gegen BP könnte weitreichende Folgen haben. Der Konzern hatte an der Unfallstelle 6,8 Mio. Liter der Chemikalie Corexit versprüht, die das Öl zersetzt. Die Kläger behaupten nun, die Chemikalie sei „viermal so giftig wie Rohöl“. Dabei richten sie sich nicht nur gegen BP, sondern auch gegen den amerikanischen Corexit-Hersteller Nalco. Bislang wird die Klage nur von zwei Bewohnern der Golfregion angeführt, die von der bekannten US-Anwaltskanzlei Beasley Allen vertreten werden. Es ist wahrscheinlich, dass sich weitere Betroffene anschließen. Beasley Allen hatte auch den US-Ölkonzern ExxonMobil nach der Havarie des Tankers Exxon Valdez auf 11,8 Mrd. Dollar verklagt.

Eine Summe wurde zunächst nicht bekannt, die Kläger bezichtigen BP und Nalco jedoch der „Fahrlässigkeit und des mutwilliges Fehlverhalten“. BP habe die Chemikalien außerdem nur eingesetzt, um die Kosten und die öffentliche Aufregung zu mindern.

Einige Wissenschaftler hatten schon beim Ausbruch der Ölpest im April gewarnt, das chemische Mittel sei schädlicher für den Ozean. Corexit zersetzt das Öl in mikroskopisch kleine Teile. So ist es weniger sichtbar, kann aber auch von mehr Meeresbewohnern unbemerkt aufgenommen werden. Wissenschaftler der Universität von Southern Mississippi untersuchten Krabbenlarven und warnten, die Chemikalien könnten in die Nahrungskette gelangt sein. Der Hersteller Nalco gab zu, keine „toxischen Studien für dieses Produkt ausgeführt“ zu haben. Der Konzern halte das Mittel für ungefährlich.