Neustart

Berliner Karstadt-Mitarbeiter feiern Berggruen

Der Investor Nicolas Berggruen übernimmt die Karstadt-Kette. Die Einigung mit dem Vermieter-Konsortium steht, das Amtsgericht hat zugestimmt. In Berlin wird gefeiert. Und auch Klaus Wowereit ist zufrieden.

Sektlaune bei Karstadt am Kurfürstendamm. Die Mitarbeiter der Karstadt-Filiale am Kurfürstendamm haben den neuen Investor Nicolas Berggruen mit Applaus empfangen. Gemeinsam mit Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen trat Berggruen in der Filiale vor die Presse, um die Rettung der Warenhauskette zu verkünden. „Herzlich Willkommen!“ stand auf einem Transparent der Mitarbeiter.

"Karstadt steht“, sagte Berggruen. „Karstadt wird jetzt, glaube ich, ein sehr aufregendes Leben haben. Ich bin persönlich glücklich, dass ich dabei bin.“ Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht eine gute Überlebenschance für den Konzern mit seinen 25.000 Mitarbeitern. „Karstadt ist zwar noch nicht überm Berg“, sagte sie. Aber es gebe eine realistische Chance dafür, dass das Unternehmen erfolgreich arbeiten werde.

Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bestätigte, dass um 11.20 Uhr die letzten erforderlichen Dokumente eingegangen seien. Bereits zuvor war mitgeteilt worden, dass der Kaufvertrag mit Berggruen in Kraft treten kann, nachdem die Gläubiger des Karstadt-Vermieters Highstreet den von Berggruen geforderten Mietsenkungen zugestimmt haben.

Wie angekündigt pünktlich um 14 Uhr kam dann die Meldung vom Essener Amtsgericht: Der Karstadt-Insolvenzplan ist angenommen. Damit sei die Übernahme der Warenhauskette durch Berggruen in letzter Instanz bestätigt, teilte das Gericht mit. Jetzt bestehe nur noch eine 14-tägige Beschwerdefrist, in der mögliche Verfahrensfehler beanstandet werden können. Am 1. Oktober soll dann Berggruen die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH mit 120 Filialen und rund 25.000 Beschäftigten erhalten.

Wowereit ist "erleichtert"

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Rettung der Karstadt-Warenhäuser als einen glücklichen Tag für die Berliner Angestellten bezeichnet. „Ich bin erleichtert, dass nach langen Verhandlungen endlich der Weg frei ist für eine Sicherung der Kaufhauskette und dass vor allem für die 2500 Vollzeitarbeitsplätze der Berliner Karstadthäuser Perspektiven geschaffen werden können“, teilte Wowereit mit.

Karstadt sei ein wichtiger Arbeitgeber in der Hauptstadt. „Die Warenhäuser sind ein bedeutender Bestandteil der Einzelhandelsinfrastruktur in unseren Geschäftszentren und Kiezen“, erklärte Wowereit.

Einigung in letzter Minute

Berggruen hatte seit Juni mit dem Vermieterkonsortium Highstreet um Goldman Sachs und die Deutsche Bank um Miet-Zugeständnisse gerungen. Erst in letzter Minute hatte man sich faktisch geeinigt. Der neue Mietvertrag war die letzte Voraussetzung für die Erfüllung des Kaufvertrags.

Das Konsortium, dem 86 der 120 Karstadt-Häuser gehören, lässt Berggruen über mehrere Jahre insgesamt gut 400 Millionen Euro nach. „Highstreet hat mehr als jeder andere Gläubiger dazu beigetragen, einen soliden Neustart von Karstadt zu ermöglichen“, sagten die Vermieter. „Nun ist Herr Berggruen in der Pflicht, Kapital und Ressourcen einzusetzen und zu beweisen, wie sein Plan für Karstadt gelingen kann.“

Zuvor hatte der italienische Kaufhaus-Unternehmer Maurizio Borletti, der Berggruen Karstadt in letzter Minute entwinden wollte, seine Bemühungen aufgegeben: „Wir wünschen Karstadt und den Mitarbeitern für die Zukunft alles Gute und hoffen, dass das Unternehmen langfristig wieder auf den Wachstumspfad zurückkehrt“, teilte Borletti mit. „Ich bin überzeugt davon, dass das Warenhaus in Deutschland und Europa eine gute Zukunft hat.“ Borletti betreibt die Kaufhausketten „La Rinascente“ in Italien und „Printemps“ in Frankreich und hatte eine Zusammenarbeit mit Karstadt.

Grund für die letzten Verzögerungen waren die ausstehenden Unterschriften von einigen Geldgebern von Highstreet, mit denen sich die Vermieter erst am Donnerstag geeinigt hatten. Denn mit den Mietsenkungen müssen auch die hinter Highstreet stehenden Kapital- und Kreditgeber Abstriche machen. Der Karstadt-Gläubigerausschuss hatte daher die Frist für Berggruen noch einmal um zwölf Stunden verlängert. Erst gut eine halbe Stunde vor deren Ablauf gab das Arbeitsministerium grünes Licht. Zu den Kreditgebern von Highstreet gehört auch die Valovis Bank, die dem Pensionsfonds der Karstadt-Belegschaft gehört. Ihr 850 Millionen Euro schwerer Kredit an Highstreet ist mit 37 Warenhäusern besichert. Die Bank hat sich laut Verhandlungskreisen zusichern lassen, dass er 2014 vorrangig abgelöst wird.