Rettungsaktion

Bei Karstadt sind sie wieder ganz euphorisch

Überraschende Wende bei Karstadt: Die ehemalige Pleitekette verdient plötzlich viel mehr Geld als erwartet. Das Rettungsteam ist begeistert.

Thomas Fox sagt den Warenhäusern in Deutschland eine große Zukunft voraus. Das muss er tun, denn immerhin ist der Manager mit dem Spezialgebiet „schwierige Fälle“ Vorsitzender der Geschäftsführung des Branchenriesen Karstadt. „Die besten Zeiten der Warenhäuser in Deutschland liegen noch vor uns“, dozierte Fox am Mittwoch gar vor der versammelten Branche auf dem Deutschen Handelskongress in Berlin, „Deutschland ist ein Warenhausland“.

Um seine kühne Prognose zu beweisen, nannte der Restrukturierungsexperte erstmals nach dem Ende der Karstadt-Insolvenz im Oktober konkrete Zahlen zur aktuellen Geschäftsentwicklung. 93 Mio. Euro habe das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/2010 (30. September) vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verdient. Keine der Filialen schreibe mehr rote Zahlen, Schließungen drohten nicht. „Damit haben wir den Dreh geschafft“, sagte Fox, der vom Gewinn allerdings die Verfahrenskosten bezahlen muss. Im Vorjahr hatte Karstadt noch einen Verlust von 120 Mio. Euro verbucht.

Ganz gegen die tragische Tradition des Hauses konnte Fox sogar einen Plan übererfüllen: Ursprünglich war das Karstadt-Rettungsteam von einem Gewinn in Höhe von 35 Mio. Euro ausgegangen – jetzt wurden es fast dreimal so viel.

Dabei profitiert Karstadt zum einen von der stark gestiegenen Konsumlaune der Deutschen. „Die Voraussetzungen für den Einzelhandel sind derzeit gut“, bestätigte auf dem Handelskongress Michael Hüther, der Direktor vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Gründe dafür seien unter anderem steigende Löhne und sinkende Arbeitslosenzahlen.

Zum anderen führt Fox den unerwarteten Karstadt-Erfolg auf ein verbessertes Management zurück. „Wir kaufen zum Beispiel besser ein“, sagte der Manager. Konkrete Umsatzahlen wollte er vorerst nicht nennen, lieber zeigte er eine Tendenz auf. So seien die Erlöse im Schlussquartal von Juli bis September um 7,4 Prozent gestiegen. Konkurrent Kaufhof kam nach Aussage von Eckhard Cordes, dem Vorstandsvorsitzenden der Muttergesellschaft Metro, im gleichen Zeitraum auf ein Plus von vier Prozent.

Um weiteres Wachstum zu schaffen, plant Fox, die vielfach veralteten Karstadt-Filialen zu modernisieren. „Wir müssen attraktiver werden“, sagte der Geschäftsführer – und niemand auf dem Branchentreffen widersprach. Der Plan dazu wird am 16. Dezember Thema im Aufsichtsrat sein. Dem Kontrollgremium steht seit kurzem Alain Caparros vor, der auch Chef von Rewe ist. Bisher war unklar, wie viel Geld der neue Eigentümer Nicolas Berggruen auszugeben bereit ist und woher diese Millionen kommen sollen: entweder vom Eigentümer oder aus dem Cash Flow, den Karstadt selber erwirtschaftet.

Jedenfalls sollen die Investitionen dosiert vorgenommen werden. „Es kann nicht die Lösung sein, einfach mal eine Milliarde Euro in die Renovierung zu stecken“, sagte Fox. Genau das halten aber Marktkenner durchaus für notwendig. Weitere Nobel-Karstadthäuser wie das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg oder das Oberpollinger in München soll es nicht geben.

Viel wichtiger ist laut Fox die Optimierung des Warensortiments, das derzeit stattliche 89?4000 Artikel in 26 Produktkategorien umfasst. Unter anderem plant Karstadt, sich Marken exklusiv ins Haus zu holen, die international bereits erfolgreich, in Deutschland bislang aber kaum bekannt sind. Den Anfang hat Berggruens Partner Max Azria bereits mit Manoukian aus Frankreich gemacht. Unter anderem Jessica Simpson aus den USA und Laura Biagiotti aus Italien sollen folgen. Damit will Karstadt auch jüngere Zielgruppen ansprechen. Denn derzeit spricht das Essener Unternehmen eher die etwas Älteren an. Das Logo allerdings soll nicht verjüngt werden.

Hoffen auf das Weihnachtsgeschäft

Grosse Hoffnungen setzt Thomas Fox, der für seinen Auftraggeber Berggruen schon Teile des Möbelherstellers Schieder saniert hatte, auf das Weihnachtsgeschäft. „Die nächsten acht Wochen sind entscheidend für die weitere Richtung“, sagt der Interimsmanager, der Karstadt bis 2011 führen soll. Die Suche nach einem neuen Chef läuft auf Hochtouren. Dem Vernehmen nach ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die neue Nummer eins aus dem Ausland kommt.