Nach fast zwei Jahren Krise samt Kurzarbeit dürfen sich die Beschäftigten des Autobauers BMW wieder über eine Prämie freuen: Jeder Tarifmitarbeiter in Deutschland erhalte im Durchschnitt 1060 Euro, kündigte Gesamtbetriebsratschef Manfred Schoch auf einer Betriebsversammlung in München an. Das Geld soll in zwei Wochen mit dem Juli-Gehalt überwiesen werden. BMW dürfte die einmalige Sonderzahlung mehr als 75 Millionen Euro kosten. „Sie alle haben in den vergangenen Monaten viel geleistet“, lobte Konzernchef Norbert Reithofer. Der Hersteller hatte ab September 2008 die Produktion drastisch gedrosselt und monatelang Kurzarbeit angesetzt.

Nullrunden wegen der Krise

Seinen rund 71.000 Mitarbeitern in Deutschland verordnete BMW wegen der in der Krise eingebrochenen Ergebnisse zwei Jahre hintereinander Nullrunden beim Bonus; zuvor hatte die Gewinnbeteiligung im Schnitt 3600 Euro betragen. Bei der Konkurrenz erhielten die Beschäftigten dagegen auch für das Krisenjahr 2009 Bonuszahlungen: Die VW-Tochter Audi schüttete eine reduzierte Erfolgsbeteiligung von durchschnittlich 2300 Euro und eine einmalige Sonderprämie von 1200 Euro aus. Porsche und Daimler zahlten 1100 beziehungsweise 500 Euro.

Während die BMW-Mitarbeiter auf die Gewinnbeteiligung verzichten mussten, stiegen 2009 die Bezüge des Vorstands um insgesamt fast drei Millionen Euro. Betriebsratschef Schoch verteidigte dies: Für die Tarifmitarbeiter habe sich das Monatseinkommen seit 2006 um rund 13 Prozent erhöht. Deshalb habe der Aufsichtsrat die Fixgehälter der Spitzenmanager angehoben. Zu Reithofer sagte er: „Indirekt haben Sie auch von der IG Metall profitiert.“

Weil sich die Automärkte rund um den Globus überraschend schnell erholen, hatte sich BMW am Dienstag ein Beispiel an der Konkurrenz genommen und seine Prognose erhöht. In vielen Werken werden derzeit wieder Zusatzschichten gefahren. Reithofer sagte, trotz der besseren Aussichten gebe es nach wie vor zahlreiche Risiken. Im ersten Halbjahr 2010 habe der Konzern 69.000 Autos weniger verkauft als im ersten Halbjahr 2008, vor der Krise.

Reuters/ott