Fast ein Jahr nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers hat die internationale Finanzpolitik noch keinen Ausweg aus dem Dilemma gefunden, dass für systemrelevante Großinstitute eine geordnete Insolvenz unmöglich scheint. Dadurch würden die Regierungen erpressbar, die Banken aus Schieflagen zu retten, hatte zuletzt etwa Kanzlerin Angela Merkel mehrfach kritisiert. Deshalb wird erwogen, die weltweit stark vernetzten Banken zu zwingen, selber größere Risikopuffer als bisher zu bilden.

Die im Kreis der G20-Länder diskutierte Koppelung der Eigenkapitalvorschriften für Banken an ihre Größe würde die internationalen Geldhäuser Rendite kosten. „Selbstverständlich, das ist eine Folge“, sagte der Co-Präsident des US-Instituts Morgan Stanley, Walid Chammah. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erteilte allerdings Überlegungen eine Absage, für die Größe von Banken eine Obergrenze festzusetzen. Die Eigenkapitalausstattung der Institute nach der Finanzkrise steht auch beim Treffen der G20-Finanzminister an diesem Wochenende zur Debatte.

„Größe wird ihren Preis haben“, sagte Chammah dem „Handelsblatt“. Wenn Institute so groß seien, dass sie das Finanzsystem gefährden könnten, erwarte er strengere Regeln: „Es wird strengere Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen für große Bankinstitute als zum Beispiel für regionale Banken geben.“

Steinbrück warnte vor dem G20-Finanzministertreffen jedoch vor Überlegungen in einigen Ländern, die Banken zwangsweise zu verkleinern: „Wir brauchen auch in Zukunft große international aufgestellte Finanzhäuser“, sagte der SPD-Politiker der „Berliner Zeitung“. Es sei eine Illusion, „alle Banken auf die Größe der – sagen wir mal – Sparkasse von Iserlohn schrumpfen zu können“. Wichtig sei, dass die Institute besser mit Eigenkapital und Liquidität ausgestattet seien und ihre grenzüberschreitenden Geschäfte wirksam kontrolliert würden.

Die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) bereiten in London den G20-Weltfinanzgipfel Ende des Monats in den USA vor. Diskutiert wird auch über Szenarien zum Ausstieg aus den milliardenschweren öffentlichen Programmen zur Stützung von Konjunktur und Banken. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, warnte die Regierungen davor, die Krisenpolitik zu früh zu beenden und die Wirtschaftserholung zu gefährden. Über den richtigen Weg müsse aber jetzt gesprochen werden, sagte er in Berlin. Wie Steinbrück sprach er sich dafür aus, den Banken nach der Krise höhere Eigenkapitalpuffer vorzuschreiben.

Reuters/mos