Textildiscounter

KiK verspricht Mindestlohn von 7,50 Euro

KiK gibt sich reumütig: Nach heftiger Kritik hat der Textildiscounter seinen Mitarbeitern einen Mindestlohn versprochen. Ver.di reicht das nicht.

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Der Textildiscounter KiK will seinen Mitarbeitern künftig einen Lohn von mindestens 7,50 Euro pro Stunde zahlen. Das erklärte das Unternehmen, an dem die Tengelmann-Familie Haub die Mehrheit hält, am Montag. KiK war immer wieder – insbesondere von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di – wegen angeblicher Dumpinglöhne kritisiert worden. Gerichte verurteilten das Unternehmen in mehreren Fällen, Mitarbeitern Geld nachzuzahlen. KiK beschäftigt 18.000 Mitarbeiter, darunter viele ungelernte und 400-Euro-Kräfte.

Ab dem 1. Oktober soll nun das neue Mindestentgelt in allen 2480 deutschen Filialen eingeführt werden. Ver.di begrüßte den Schritt, kritisierte aber die angeblich unzureichende Höhe des Stundenlohns und die fehlende Einklagbarkeit.

Noch ist unklar, wie viele Mitarbeiter profitieren

Das Mindestentgelt „gilt für ganz Deutschland und wirkt sich in erster Linie für Aushilfskräfte in strukturschwachen Regionen positiv aus. In Ballungsräumen zahlt das Unternehmen bereits höhere Stundensätze“, heißt es in einer Presseerklärung. Wie viele KiK-Mitarbeiter künftig mehr verdienen werden, konnte eine Firmensprecherin nicht sagen. Beim Schwesterunternehmen TeDi war am Nachmittag noch nichts von einer Übertragung der KiK-Regelung auf die Ein-Euro-Kette bekannt.

KiK-Chef, Gründer und Miteigentümer Stefan Heinig sieht die Lohn-Initiative als „ersten Schritt des langfristig geplanten Strategiewechsels. Alle reden seit Langem über einen Basislohn. Wir wollen – als erster Textildiscounter – ein Signal setzen“, sagte Heinig.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) begrüßte den firmeninternen Mindestlohn als „richtigen Schritt“. Die Summe von 7,50 Euro orientiere sich „an der in den Tarifverträgen des Einzelhandels geregelten Lohnuntergrenze der untersten Tarifgruppe“, erklärte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die tariflichen Mindestlöhne lägen je nach Bundesland zwischen sieben und 7,50 Euro. KiK gehört nicht dem Arbeitgeberverband an und ist somit auch nicht an den Tarif gebunden – anders als Tengelmann als Mehrheitseigentümer.

Die Gewerkschaft Ver.di begrüßt das Mindestentgelt bei KiK. Eine Sprecherin kritisierte aber „eine gewissen Gutsherrenart bei der Einführung per Pressemitteilung“. Die Ver.di-Sprecherin sieht bei KiK „noch eine ziemlich große Lücke zum Tariflohn“. Danach bekäme eine ausgebildete Einzelhandelskauffrau in Baden-Württemberg pro Stunde laut Tarif zwischen zwölf und 13 Euro. „Ich nehme dem Management von KiK ab, sein Image verbessern zu wollen. Ich nehme ihnen aber nicht ab, dass sie mehr wollen“, sagte sie. Ver.di werde nicht locker lassen. Beim Drogeriediscounter Schlecker habe es viele Jahre gedauert, bis sich die Firma auf den Abschluss von Tarifverträgen eingelassen habe.

Der verschwiegene Textildiscounter KiK aus Nordrhein-Westfalen gilt nicht gerade als Vorzeigeunternehmen: Im vergangenen Jahr hatte es Meldungen gegeben, nach denen der Discounter in manchen Regionen Stundenlöhne von gerade 5,20 Euro zahle. Die Finanzsituation der Mitarbeiter war zudem mittels Creditreform-Auskunft durchleuchtet worden: Einige Beschäftigte, die Schulden hatten, wurden daraufhin entlassen. Diese Praktiken seien beendet worden, erklärte das Unternehmen. Daneben gibt es immer wieder Meldungen und Fernsehbeiträge über schlimme Zustände in KiK-Zulieferbetrieben in Asien.